Wie wird Politik eigentlich gemacht? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler des 7. Jahrgangs der Erich Kästner-Schule in Maintal am 2., 4. und 5. September 2025 – und schlüpften kurzerhand selbst in die Rolle von Stadtverordneten.
Im Rahmen eines Planspiels der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung konnten sie hautnah erleben, wie spannend, anspruchsvoll und mitunter auch anstrengend demokratische Entscheidungsprozesse verlaufen.
Im Mittelpunkt stand die Leitfrage „Soll unsere Gemeinde autofrei werden?“. Im fiktiven Ort Chattenbach entspann sich dazu eine lebhafte Debatte über ein mögliches Verbot privater PKW in der Innenstadt. Vier Fraktionen mit sehr unterschiedlichen Positionen waren im Stadtparlament vertreten: der konservativ ausgerichtete Chattenbacher Bürger-Bund (CBB), die wirtschaftsnahe Freie Wählerliste Chattenbach (FWC), die Fraktion Wir sind Chattenbach (WsC) mit einem sozialen Schwerpunkt sowie die Initiative Gemeinsam für ein nachhaltiges Chattenbach (GNC), die sich vor allem für ökologische Anliegen stark machte.
Den Auftakt gestaltete Herr Knoblich von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, der den Jugendlichen die Bedeutung der kommunalen Selbstverwaltung als Grundstein demokratischer Teilhabe näherbrachte. Kommunalpolitik, so betonte er, werde nicht umsonst als „Schule der Demokratie“ bezeichnet – viele Landtags- und Bundestagsabgeordnete hätten hier ihre Laufbahn begonnen. Anhand der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) erklärte er zudem, dass es klare Regeln für die Arbeit der Städte und Gemeinden gibt und wie vielfältig ihre Aufgaben sind: von der Wasserversorgung über Bau- und Ordnungspolizei, Abfallentsorgung, Jugend- und Sozialarbeit bis hin zu Schulen und Kindergärten.
Im anschließenden Planspiel übernahmen die Schülerinnen und Schüler selbst Verantwortung. In Fraktionssitzungen, Ausschüssen und Plenardebatten entwickelten sie Positionen, tauschten Argumente aus, hielten Reden, verhandelten Änderungsanträge und suchten am Ende nach tragfähigen Mehrheiten. Politik wurde so in allen Facetten erlebbar: zuhören, überzeugen, Kompromisse eingehen und Verantwortung übernehmen.
Durchgeführt wurde das Planspiel im Hybrid-Format: Sowohl Herr Knoblich von der Landeszentrale als auch die Referentinnen und Referenten von Polyspektiv Burgdörfer & Ness GbR (im Auftrag der Landeszentrale) waren digital über die interaktive Tafel zugeschaltet und moderierten die einzelnen Phasen. Die Lehrkräfte vor Ort begleiteten die Diskussionen, standen beratend zur Seite und sorgten für einen reibungslosen Ablauf.
Nach rund drei Stunden war deutlich geworden, dass Demokratie weit mehr bedeutet als ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ bei einer Abstimmung. Viele Jugendliche zeigten sich überrascht, wie komplex politische Prozesse sind und wie wichtig es ist, Argumente klar zu strukturieren und gleichzeitig offen für andere Sichtweisen zu bleiben. „Man merkt, dass Politik gar nicht so einfach ist. Man muss sich wirklich gut überlegen, wie man andere überzeugen kann“, fasste ein Teilnehmer seine Eindrücke zusammen.
"Dass das Planspiel reibungslos verlaufen konnte, war auch der Unterstützung innerhalb der Schule zu verdanken: Frau Schumann koordinierte und organisierte das Projekt, Herr Lang sorgte an allen Tagen für die technische Umsetzung, und die Klassenlehrkräfte Frau Ammon, Frau Sola sowie Herr Euler hatten die Schülerinnen und Schüler bereits im Gesellschaftsunterricht intensiv vorbereitet. So entstand ein Rahmen, in dem Demokratie nicht nur theoretisch vermittelt, sondern für alle Beteiligten konkret erfahrbar wurde – ein wichtiger Beitrag zur politischen Bildung und zum kommunalen Engagement junger Menschen", heißt es abschließend aus der Schule.

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