In einer Zeit, in der Vielfalt und Inklusion zu Schlagworten in pädagogischen Debatten geworden sind, zeigt die Erich Kästner-Schule Maintal, dass es auf die konkrete Umsetzung ankommt.
Die Klasse 7a hat unter Anleitung ihrer Deutschlehrerin ein bemerkenswertes Projekt realisiert: ein handschriftlich gestaltetes Rezeptbuch, in dem jede Schülerin und jeder Schüler ein traditionelles Gericht aus ihrer oder seiner Nationalität dokumentiert hat. Was zunächst nach einer einfachen Kreativaufgabe klingt, offenbart bei näherer Betrachtung seine tiefere Bedeutung: eine durchdachte Strategie der Wertschätzung, die das Selbstwertgefühl junger Menschen stärkt und schulische Erinnerungen zu kostbaren Momenten macht.
Das Besondere dieser Initiative liegt in ihrer bewussten Gestaltung. Jedes einzelne Rezept wurde in Schönschrift festgehalten – eine handwerkliche Leistung, die Aufmerksamkeit erfordert und Sorgfalt demonstriert. Dass die Schulleitung die so entstandene Sammlung anschließend professionell drucken ließ, unterstreicht eine klare Botschaft: Die Leistung, die Kultur und die Geschichte dieser Kinder verdienen Bestand. Sie verdienen es, konserviert zu werden, nicht nur in flüchtigen Schulordnern, sondern in einem echten Buch – einem Objekt von Dauer.
Die Schulleiterin Stefanie Thor bringt die Philosophie hinter diesem Ansatz prägnant auf den Punkt: „Wertschätzung ist kein nebensächliches Gefühl – sie ist das Fundament, auf dem sich Persönlichkeit und Vertrauen entwickeln. Wenn wir unseren Schülerinnen und Schülern zeigen, dass wir ihre Herkunft, ihre Kultur, ihre Familiengeschichten ernst nehmen und würdigen, dann geben wir ihnen etwas mit in die Zukunft, das Noten nicht messen können." Diese Haltung prägt nicht nur einzelne Schulstunden, sondern das Klima einer gesamten Schule.
Ermöglicht wurde dieses Projekt durch das kreative Engagement der Deutschlehrerin Frau Platt, deren Unterricht zeigt, dass Sprachvermittlung und kulturelle Bildung Hand in Hand gehen können. Ihre Bereitschaft, über den regulären Lehrplan hinaus zu denken und Schülerinnen und Schülern Raum für ihre eigenen Geschichten zu geben, ist beispielhaft. Ebenso die Initiative der Teilhabeassistentin Frau Hofer, sich mit um das Design des Bucheinbands zu kümmern. Solche Projekte sind es, die eine Schulkultur prägen und Kindern verstehen lassen, dass ihre Perspektiven einen Platz im Unterricht haben – ja, dass sie wertvoll sind.
Gleiches gilt für die Klassenlehrerin, die ihre Klasse mit Weitsicht durch diesen Prozess geführt hat. Eine gute Klassenlehrerin schafft nicht nur einen Ort, an dem Unterricht stattfindet – sie schafft einen Raum, in dem Vertrauen wächst und jedes Kind sich gesehen fühlt. Die vorliegende Publikation ist ein greifbares Ergebnis dieser pädagogischen Haltung: ein Buch, das 30-jährig in den Regalen der Absolventinnen und Absolventen stehen und sie an eine Schulzeit erinnern wird, in der sie als ganze Menschen anerkannt wurden.
Die Erich Kästner-Schule demonstriert damit, dass gute Schulentwicklung nicht immer große Infrastrukturinvestitionen erfordert. Sie entsteht dort, wo Lehrkräfte und Schulleitung bewusst wählen, wie sie Schülerinnen und Schüler würdigen. Ein gedrucktes Rezeptbuch mag für manche ein kleines Projekt erscheinen – doch es ist ein kraftvolles Statement: Hier zählt ihr Beitrag. Hier seid ihr Teil einer Gemeinschaft, die eure Vielfalt nicht nur toleriert, sondern feiert. Das ist Schulentwicklung, die ankommt.

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