Zum Teil ausgelöst durch aberwitzige Gesundheitsreformen, zum anderen sicher auch durch den Zeitgeist. Corona könnte jetzt zum Todesstoß für die Kur-, Gesundheits- und Tourismusbranche in Hessen werden. Auf einer Pressekonferenz des Hessischen Heilbäderverbandes in Bad Soden-Salmünster, an der auch die regionalen Kurgeschäftsführer Stefan Ziegler (Bad Soden) und Dr. Dirk Thom (Bad Orb) teilnahmen, bezifferten die Verantwortlichen fehlende Gelder von 27 Millionen Euro und bezeichneten die derzeitige Situation als die „schlimmste Krise“ überhaupt.

So sorgten die Hessischen Heilbäder vor Corona immerhin für 10 Millionen Übernachtungen im Jahr und beschäftigten in diesem sensiblen Bereich immerhin 4000 Menschen aus unserem Bundesland. Im Gegensatz zu Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg wurden die hessischen Kur- und Badeorte jedoch seitens der Landespolitik nie herausragend gefördert oder anerkannt. Während in zahlreichen Kurorten in Bayern Kur und Gesundheit boomten, unzählige Thermen- und Gesundheitsprojekte gefördert und mit massiven Mitteln unterstützt wurden, gingen die hessischen Kurorte zumeist leer aus.

So formulierte Michael Köhler, Vorsitzender des Hessischen  Heilbäderverbandes: „Wir fühlen uns im Stich gelassen. Andere Länder zeigen, daß es besser geht!“ Die Politik sollte jetzt entscheiden und das, laut Dominik Brasch, Bürgermeister von Bad Soden-Salmünster, „in einer existenziellen Situation“, ob sie den Erhalt ihrer hessischen Kurorte sichern möchte oder nicht. Es geht um die Zukunft der Kur und des Gesundheitstourismus. Auf der Pressekonferenz, an der auch die Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbandes, Almut Boller, teilnahm, wurde ein dramatischer Hilferuf ausgesendet, als von einem „worst case bis zur Abwicklung aller kurörtlichen Aktivitäten!“ gesprochen wurde. Ein Vertreter aus Bad Homburg mahnte ebenfalls dringende Hilfe an, zumal viele Kliniken während des Lockdowns als systemrelevant bezeichnet und zahlreiche Betten und Intensivmedizin bereitgehalten hatten.

Auch der Veranstaltungsbereich liegt total brach und kann zur Finanzierung der Infrastruktur der Heilbäder nicht mehr beitragen. Dazu kommen regionale Defizite wie zum Beispiel in Bad Orb, wo Kurgäste anreisen, auch vor Corona, und weggeschickt werden, weil es an dem notwendigen Gesundheitsangebot fehlt. „Hier muß entweder dringend gehandelt und überdimensional Geld in die Hand genommen werden oder man macht das Buch zu“, so der FBO-Vorsitzende Ralf Diener. „Ich frage mich auch, wann  unsere Landtagsabgeordneten von CDU und SPD merken, dass wir in Bad Orb und Bad Soden-Salmünster Unterstützung brauchen, wenn wir nicht untergehen wollen", so der Bad Orber Parlamentarier. Seiner Meinung nach werden bundes- und landesweit Millionen ausgeworfen für zum Teil fragwürdige Projekte und Hilfsmaßnahmen, aber eine Investition in die Gesundheitsvorsorge, für die die Kurstädte Bad Orb und Bad Soden-Salmünster  seit Jahren einstehen, fehlt. "Und wenn uns Corona eines gezeigt hat, ist es die Tatsache, daß man gar nicht genug in Gesundheit, Prävention und Rehabilitation investieren kann", so Ralf Diener abschließend mit einem Appell an Landespolitik und Landtagsabgeordnete:“ Helft jetzt, bevor es zu spät ist!“

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