„Die Teilnehmer staunten nicht schlecht, was sie über das Leben der Biber und ihren selbstgestalteten Lebensraum alles erfahren, bzw. mit eigenen Augen sehen konnten, einschließlich meiner Person,“ so ein sichtlich zufriedener Bertwin Dehmer, Vorsitzender der Natur- und Vogelschutzgruppe (NVSG) Bad Orb.
„Rudi Ziegler, Vereinsmitglied und Naturparkführer, kann sein Wissen dermaßen unterhaltsam weitergeben, dass es nie langweilig wird und die Zeit wie im Flug vergeht. Keine Frage bleibt unbeantwortet, Klein und Groß waren fasziniert von dieser Exkursion in das Tal der Biber, entlang der Jossa,“ so Dehmer weiter. Treffpunkt war der Parkplatz am Schwimmbad in Mernes, wo zuerst das Exponat eines ausgewachsenen (Eurasischen) Bibers (Castor Fiber) bestaunt und angefasst werden konnte. Und so dicht das Fell. Dreiundzwanzigtausend Haare pro Quadratzentimeter liefern einen dichten, warmen Pelz (Ein Mensch: bis zu sechshundert Haare, manche viel weniger?).
Das Biberfell ist eines der dichtesten im Tierreich. Damit ist das größte Nagetier Deutschlands perfekt an den Lebensraum Wasser angepasst, obwohl er dort nur ein paar Stunden täglich zubringt. Das Fell benötigt sehr viel Pflege und wird regelmäßig mit einer speziellen „Putzkralle,“ einer zweigeteilten Doppelkralle an der zweiten Zehe der Hinterfüße, gekämmt. Mit einem öligen Analsekret eingefettet, ist es sehr wasserabweisend. Wenn er an Land auch etwas plump und unbeholfen wirkt, kann er schnelle Sprints hinlegen und klettert ein Steilufer verblüffend schnell hoch. Seine vier Schneidezähne werden je bis zu dreieinhalb Zentimeter lang und wachsen ein Leben lang nach. Die orangefarbene Zahnvorderseite ist eisenoxidhaltig, daher die Farbe, und sehr hart. Die helle Zahnrückseite ist viel weicher und so schleift die harte Vorderseite der unteren Zähne ständig den weicheren Zahnschmelz der oberen Zähne beim Nagen ab, was die Zähne immer scharf hält. Oft werden große Bäume angenagt, nur um die Zähne scharf zu halten. Ohren, Augen und Nase bilden eine Linie, nur sie sind beim Schwimmen sichtbar. So kann er gut seine Umgebung beobachten und bleibt selbst so gut wie unsichtbar. Bis zu 15 Minuten kann so ein Biber abgetaucht bleiben. An der Biberburg angelangt, fallen zunächst die vielen stark angenagten und absterbenden Bäume auf. Totholz sorgt für neue Lebensräume, ebenso wie die entstehenden Teiche, die Pflanzen, Fischen, Vögeln, Insekten und Amphibien Nahrung und neue Heimat geben.
"Die Biberburg ist eigentlich ein wild aussehender Haufen von Ästen und Knüppeln. So gar nicht wie ein Hightech-Bauwerk, was es aber ist. Der Bibernachwuchs bleibt circa zwei Jahre in seinem Familienverband, dann wird er verstoßen und muss sich ein eigenes Revier suchen. Das erklärt auch die stark fortschreitende Verbreitung des Nagers, der nur wenige Ansprüche an sein Gewässer stellt. Es muss ausreichend tief sein, damit er schwimmen und tauchen kann. Die Größe seines Reviers ist abhängig von der Menge an Gehölzen und beträgt bis zu fünf Kilometer am Ufer entlang. Wo der Biber lebt, können Überschwemmungen gemildert werden. Noch lange hat es die Teilnehmer beschäftigt, was sie alles über den Baumeister und Landschaftsgestalter erfahren durften. Schade nur, dass wir ihn nicht zu Gesicht bekommen haben. Vielleicht beim nächsten Mal mit Rudi Ziegler. Vielen Dank, lieber Rudi, für diesen tollen Nachmittag!", heißt es abschließend im Vereinsbericht.




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