Die Natur- und Vogelschutzgruppe Bad Orb blickt auf die Veranstaltungen im 70. Jubiläumsjahr zurück. Nachfolgend der Bericht von Bertwin Dehmer.
"Störche zurück in der „Unteren AU“ war uns im Januar einen Bericht über den Bruterfolg in 2023 wert. Wurden doch in der vergangenen Saison gleich vier gleichwertig gut genährte Jungstörche aufgezogen. Zehn Jahren wurde der künstliche Korb nicht angenommen, seit 2022 wird erfolgreich gebrütet. Schön, zu sehen, wieder einen Beitrag zum Erhalt einer Art beigetragen zu haben.
„Ein Schaf trägt keine Weste“ war eine der Erkenntnisse, die wir im März beim Besuch des örtlichen Schäfers erlangten. Einem Kind war aufgefallen, dass einige Schafe noch den Winterpelz trugen, während andere schon kurzgeschoren waren. Was prompt zu der Feststellung führte. 30 Kinder erlebten hautnah 65 Schafe und zwei Ziegen in ihrem Lebensraum. Verbuschung verhindern und unzugängliche Wiesen kurz halten ist ihre Aufgabe. Die Schäfer Fabian und Marc Kevin erzählten anschaulich, wieviel Zeit und Pflege so eine Herde erfordert. Anfassen war erlaubt – für so manches Kind war dies der erste Kontakt zu so einem großen Tier. Mit Wollfäden wurde anschließend für jedes Kind eine Osternest gebastelt und anschließend österlich befüllt.
Die Jahreshauptversammlung, (22. März) im 70. Jubiläumsjahr, ohne Neuwahlen, verlief harmonisch und war mit 40 Anwesenden zufriedenstellend besucht. Zum ersten Mal wurde ein Ausblick auf Umzug und die neu geplante naturkundliche Ausstellung im ehemaligen „Verkehrsbüro“ am Untertor gegeben. Im 70. Vereinsjahr hat dieses Projekt absoluten Vorrang und nimmt die dafür gegründete Arbeitsgruppe zeitlich so in Anspruch, dass auf weitere Jubiläumsveranstaltungen verzichtet wird. Parallel hierzu arbeiten wir an der Neugestaltung unserer Website.
Ende April feierten wir den Löwenzahn, an einem sonnigen, frühlingsmilden Tag gewährte Kräuterfrau Marianne Korreng 24 Kindern Einblick in die Welt der Powerpflanze Löwenzahn. Unglaublich, welch Vielfalt an Namen und welche Verwendungsmöglich- keiten es für den Löwenzahn gibt. So gut wie alles Neuland für Kinder und Betreuer. Ein rundum gelungener und toller Tag für alle.
Der nächste „Knaller“ folgte am 25. Mai in Form von „Ameisen – Helfer im Wald“. Lukas Rippl, Förster von Hessen Forst, gab überraschende Einblicke in Leben und Wirken der Ameisen. Spielerisch, mit Bewegung in der Natur, für viele Kinder auch nicht selbstverständlich, gab es einen Einblick in die wichtige Rolle, die die Krabbeltiere im Ökosystem des Waldes spielen. Mit viel Enthusiasmus suchten die Kinder Ameisen Bauten im Wald und Lukas erklärte den Aufbau eines Ameisenstaates. Anschließend wurden, per Rollenspiel, die Aufgaben der Ameisenkolonie von den Kindern dargestellt. Spielerisch lernten die Kinder, wie wichtig jede spezifische Aufgabe für die Zusammen- arbeit in der Gemeinschaft ist. Bewegung, Konzentration und die frische Waldluft machten hungrig und durstig. Wie gut, dass die Organisation des NVSG darauf, wie immer, bestens vorbereitet war.
Das nächste größere Projekt fand am 08. Juni, auf Einladung der Stadt Bad Orb, der Bad Orb Kur GmbH und des Citymanagments, am Marktplatz statt. Ziel war es, in der Bauphase den Platz zu beleben. Was erfolgreich mit dem Basteln von kleinen Insektenhotels gelang. Umfangreiche Vorbereitungen, wie sie immer von einigen Aktiven des Vereins, für jede Veranstaltung erforderlich ist, sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Der Anfang war, gerade zu Beginn der Veranstaltung, sehr groß, wurde aber routiniert von den Akteuren gemeistert. Eine Auswahl an Exponaten aus der Vogelausstellung sorgte zusätzlich für Interessenten. Bürgermeister Weisbecker persönlich sorgte für Getränke an diesem herrlichen und warmen Frühsommertag. Ein voller Erfolg für Bad Orb und den Verein.
Apropos herrlicher Frühsommertag – wie entsteht das Wetter? Dieser Frage gingen wir, mit unserem Mitglied Thomas Leppelt, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach, nur wenige Tage später am Salinenplatz nach. Hier befindet sich auch eine offizielle Wetterstation. Wie entstehen Wind, Wolken, Niederschläge und was bedeutet Klimawandel? Alle Fragen wurden zufriedenstellen geklärt und auch die Betreuer gingen, um einiges schlauer, zufrieden nach Hause. Toll erklärt von Thomas, spielerisch, z. B. mit Tüchern den Wind nachgestellt, einfach nur lehrreich und interessant. Gut gemacht, Thomas! Trotz des warmen Wetters, auch ein Ausblick auf den Winter: (Schleck-) Eis für jeden zum Abschluss der Wettervorhersage.
Großer Beliebtheit beim Nachwuchs erfreut sich seit mehreren Jahren das Forschen nach Lebewesen im Orbbach. Im Rahmen der Beteiligung am Bad Orber Ferienpass-Angebot wurden gleich zwei Termine (16. Juli und 13. August) in der Ferienzeit angeboten. Biologin Susanne Hufmann und Günter Könitzer von der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA), waren, wie seit Jahren, unsere Referenten und Experten, die auch dieses Jahr die Kinder begeisterten. Die gesamte erforderliche Ausrüstung, vom Kescher bis zum Mikroskop, werden im „Wasserforscher-Mobil“ mitgeführt und eingesetzt. Wir freuen uns schon auf 2025, liebe GNA!
„Wer stellt eigentlich den besten Honig her?“ Diese Frage wurde Ende Juli (27. Juli) von den beiden Imkern Alex und Helge beantwortet. Sie waren nicht allein da, sondern hatten 4.000 Mitarbeitende dabei. Gedränge gab es dabei nur in der mitgebrachten Wabe hinter Glas, wo die Honigproduzenten umherwuselten. Ein bis zwei Teelöffel Honig stellt eine Biene in ihrem rund Sechs-Wochen-Leben her, erfuhren die kleinen Zuhörer neben ganz vielen anderen interessanten Dingen. In zwei Gruppen aufgeteilt, vermittelte Helge, direkt an einem unserer Insektenhotels, allerlei wissenswertes über die Wildbienen. Diese leben, im Gegensatz zu ihren Verwandten, dem Nutztier Honigbiene, allein (solitär). Sie erbringen höchste Bestäubungsleistungen und sind für Natur und Menschen unverzichtbar. Fünf dieser Insektenbruthilfen hat die NVSG an unterschiedlichen Standorten errichtet, um einen Denkanstoß zur Nachahmung im heimischen Garten oder auf dem Balkon zu geben.
Libellen, die Kunstflieger am Gewässer in der Eschenkar war am 06. August der nächste Höhepunkt im Programm Ferienpass. Bestens vermittelt wiederum von den Experten der GNA. Eine leichte Wanderung bei idealem Wetter, staunende Kinderaugen und viele Erkenntnisse in einem Feuchtgebiet am Rande der Orber Gemarkung, welches kaum ein Kind bisher betreten hatte. Für ausreichend Getränke hatten die Organisatoren der NVSG natürlich gesorgt.
Ende September und Anfang Oktober führte uns unser Mitglied und Naturparkführer Rudi Ziegler in zwei Terminen zu den Bibern im Jossatal bei Mernes. Beeindruckend welche Veränderungen der fleißige Nager in der Natur vornimmt. Er schafft damit Lebensräume für andere Bewohner, hält Hochwasser zurück und bringt ausgestorbene Vegetation zurück. Von der technischen Meisterleistung seiner Biberburg ganz zu schweigen. Da passt alles! Genauso imposant das Wissen, nicht nur über die Biber, sondern über die gesamte Natur, die Rudi, für jedermann verständlich, vermitteln kann. Du hast alle schwer beeindruckt, lieber Rudi.
Am 20. und am 21. September waren wir mit unserem Präsentationsstand auf dem Salinenplatz im Einsatz. Mit allerlei Exponaten aus der Tier- und Vogelwelt, dem kompletten Nistkasten-Programm und einem Fachpersonal, welches alle Fragen, die so aufgetreten sind, vollständig beantworten konnten. Unübersehbar, der mangelhafte Wissensstand der jungen Menschen zum Thema Natur! Stellt sich die Frage: wie kann ich etwas schützen, das ich nicht kenne? Bedeutet für uns: am Ball bleiben und nicht nachlassen aufzuklären.
Die erste Konsequenz hieraus ist der Beginn der Zusammenarbeit mit den Kinderbetreuungs-Einrichtungen der Stadt Bad Orb. Nach dem fachgerechten Anbringen gespendeter Nistkästen, auf dem Gelände der jeweiligen Einrichtung, werden diese künftig jährlich gemeinsam gereinigt. Ein Vogelfutterspender wurde aufgehängt, die Versorgung mit Vogelfutter für die gesamte Saison übernommen. Im neuen Jahr folgt ein gemeinsames Basteln von kleinen Insektenhotels, die die Kinder zuhause aufhängen können. Weitere gemeinsame Aktivitäten sind in Planung.
Bleibt abschließend zu erwähnen, dass, krankheitsbedingt, die jährliche Abschlussveranstaltung mit Maronenrösten und Basteln von Meisen-Knödeln entfallen musste. Ersatzweise gab es zum Nikolaus für unsere jungen Naturschützer nicht nur Süßes, sondern auch einen, von Aktiven selbst hergestellten, Fettfutter gefüllten Tontopf, zum Aufhängen. Wo wir bei den Aktiven sind: Herzlichen Dank an das Dutzend Helferinnen und Helfern, die immer da sind, wenn es erforderlich ist."








Fotos: Bertwin Dehmer und Klaus Betke.
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de















