Bad Orb: Verein "Gegenwind" rechnet mit Windkraftanlagen-Bauer Ørsted ab

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier im Wahlkampfmodus 2018. Quelle: Verein Gegenwind e.V.

Bad Orb

Der Verein Gegenwind e.V. meldet sich zu der Medienkampagne der Stadt Bad Orb und Unternehmer Henning Strauss zu Wort, mit der der Bau von Windkraftanlagen rund um Bad Orb verhindert werden soll. "Der Verein Gegenwind Bad Orb e.V. wendet sich seit rund 14 Jahren gegen den Bau von Windkraftanlagen um Bad Orb und im Spessart. Zwölf Anlagen auf dem Pfarrküppel und zwei Anlagen am Salmünsterer Berg konnten verhindert werden. Was wir nicht verhindern konnten, war, dass die hessische Landesregierung die Vorrangflächen festlegte, auf denen Ørsted jetzt bauen will. Damals sprach man davon, dass die Grünen in der schwarz-grünen Regierung den Schwarzen den Flughafen überlassen und dafür die Schwarzen den Grünen das flache Land", heißt es in einer Pressemitteilung.

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Und weiter: "So kam es, dass trotz zahlreicher Einwendungen der Bevölkerung im östlichen Main-Kinzig-Kreis die Windvorranggebiete im fernen Wiesbaden beschlossen wurde. Die Menschen im östlichen MKK wurden zwar 'gehört', das war es aber auch schon. Die politische Einflussnahme aus unserem ländlich geprägten Gebiet war einfach zu schwach. Es ist ein Hohn, wenn Ørsted schreibt, '...hat die zuständige Regionalversammlung den Regionalplan unter Beteiligung der Bevölkerung und auch der Gemeindegremien in eigener Verantwortung aufgestellt.' Viele Privatpersonen, unser Verein und die Bürgerinitiative Windkraft im Spessart investierten sehr viel Zeit, ließen avifaunistische Untersuchungen und hydrogeologische Bewertungen zum Schutze unseres Trinkwassers erstellen, ohne dass sich an den Plänen etwas änderte. Wir sprachen mit Politikern, wie im Bild mit dem damaligen Hessischen Ministerpräsidenten, wir hatten deutschlandweit bekannte Kritiker zu Gast, wie den leider verstorbenen Dirigenten und Umweltaktivisten Freiherr Enoch zu Guttenberg. In Bürgerforen waren die gutgeschulten Abgesandten des Umweltministeriums erfolglos. Bürgermeister schrieben Briefe an die Landesregierung, den östlichen Spessart nicht mit Windkraft zu industrialisieren. Erfolglos! Ørsted schreibt, sie hätten einen Vertrag mit dem Eigentümer Hessenforst. Hessenforst gehört dem Land Hessen und damit gehört der Wald uns allen. Auch Hessenforst spielt nicht mit offenen Karten. In aller Stille verpachteten sie unseren Wald, ohne die betroffenen Einwohner und politischen Gremien der Gemeinden in die Entscheidungsfindung einzubinden. Das hat jedoch auch einen Hintergrund und der heißt Priska Hinz, die ehemalige grüne Umweltministerin. Die energetischen Ziele der Landesregierung sollen laut Ørsted umgesetzt werden. Leider spricht sich nur zu langsam herum, dass es höchst zweifelhaft ist, dass mit dem Erreichen dieser Ziele tatsächlich CO₂ eingespart wird. Aufgrund des europäischen Emissionshandels werden die eingesparten CO₂-Kontingente in anderen Ländern verfeuert. Über dieses System, in dem das Gesamtkontigent an freiwerdenden CO₂ Jahr für Jahr verringert wird, werden zuerst dort Emissionen reduziert, wo es sich wirtschaftlich lohnt. Unser vorauseilender Gehorsam kostet Steuermilliarden, ist jedoch dem Klima nicht dienlich. Sicher ist jedoch, dass unser Landschaftsbild zerstört wird."

Abschließend heißt es in der Pressemitteilung: "Ørsted schreibt von acht Anlagen. An den Vier Fichten bei Wächtersbach wurden anfänglich zwölf Windkraftwerke gebaut. Jetzt sind es 18 Anlagen. Bei Flörsbachtal wurden sechs Anlagen errichtet, wobei zwölf weitere von der dortigen Bürgerinitiative, auch mit unserer Hilfe, verhindert wurden. Aufgrund stark reduzierter Umweltanforderungen werden jetzt doch noch acht Anlagen hinzukommen. Die betroffene Vorrangfläche ist nur halb so groß wie das Horstgebiet. Warum sollte man dann Ørsted glauben? Ørsted hält die wirklich wichtigen Planungsdetails zurück. So wurden erst auf juristischem Druck hin Informationen an einen Rechtsanwalt weitergegeben. Allerdings waren viele Teile geschwärzt. Was hat Ørsted zu verbergen? Ørsted will uns einreden, man könne ihre Windindustrie mit einem Kur- und Heilwald kombinieren. Wie kann man Waldbaden oder stilles Flanieren, wenn Vogelgezwitscher und Waldrauschen durch das Zischen der Rotoren übertönt werden? Ørsted will den Bürgern Beteiligungsmodelle vorschlagen. Viel wirkungsvoller wäre ein Stopp der Subventionen und die Rückkehr zu einer wettbewerblichen Wirtschaft. Davon würde die gesamte Bevölkerung profitieren und nicht nur wenige mit einigen Euros pro Jahr, abhängig von einem profitorientierten Unternehmen. Die positive Nachricht ist, dass sich die energiepolitische Misswirtschaft langsam herumspricht und sich am Horizont ein Bewusstseinswandel abzeichnet. Ob jedoch Ørsted seine wirtschaftlichen Interessen dem massiven Widerstand der Anwohner unterordnet ist, höchst zweifelhaft. Letztendlich geht es der Firma ums Geld. Wer mehr über die deutsche Energiewende wissen möchte kann uns gerne am Montag um 19:30 Uhr im Gartensaal der Konzerthalle zum Vortrag: 'Energiepolitik: Teuer aber wirkungslos – Opportunismus in Industrie und Wissenschaft, Ignoranz von Politikern' besuchen."

bou

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier im Wahlkampfmodus 2018. Quelle: Verein Gegenwind e.V.


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