Werte wahren, Wandel wagen. Wie sieht die Zukunft von Forst und Jagd in den heimischen Wäldern aus? Wie können Forst und Jagd mit den unterschiedlichen Interessen aller Nutzergruppen vereint werden?
Werte wahren, Wandel wagen. Wie sieht die Zukunft von Forst und Jagd in den heimischen Wäldern aus? Wie können Forst und Jagd mit den unterschiedlichen Interessen aller Nutzergruppen vereint werden?
Über diese Frage haben im FOGO E ÀGUA Stakeholder aus Forst und Politik diskutiert. Unter anderem waren Bundestagsabgeordneter Johannes Wiegelmann (CDU), Ulrich Maushake (Leitender Forstdirektor a.D.) und der Präsident des Deutschen Jagdverbands – Helmut Dammann-Tamke – vor Ort.
Auch in Zukunft ist der Wald Lebensraum für Wild und Pflanze, Wirtschaftsraum – und ein Ort, der der Erholung von uns Menschen dient. In Bad Orb kommt mit der Idee eines Kur- und Heilwaldes zudem ein weiteres Nutzungskonzept hinzu. Im Zentrum des Forums stand ein 45-minütiger Vortrag von Ulrich Maushake zum Thema Der gelenkte Hirsch. „Der gelenkte Hirsch ist ein Symbol für unsere Verantwortung: Wir müssen eingreifen, aber immer mit Respekt vor dem natürlichen Gleichgewicht“, erklärte Maushake und stellte die Frage: „Was wollen wir eigentlich steuern – das Tier, das Ökosystem oder unser eigenes Handeln?“ Mit dieser provokativen Frage regte der frühere Forstdirektor die 30 Gäste zur Diskussion an.
Zu den Teilnehmern der Veranstaltung zählten neben Maushake auch Bundestagsabgeordneter Johannes Wiegelmann (CDU), Kreisbeigeordneter Jannik Marquart (CDU), Maarten Fijnaut (Vorsitzender des Kreisjagdvereins Gelnhausen), Bürgermeister Tobias Weisbecker (CDU) sowie die Jagdpächter von Bad Orb. Moderiert wurde der Abend von Dr. Peter Tauber.
In seinem Vortrag thematisierte Maushake zudem die Verbissgrade im Wald. „Es kann nicht das Ziel sein, im gesamten Waldgebiet ein Verbiss von 0 Prozent zu erreichen. Das ist unrealistisch und aus forstwirtschaftlicher Sicht auch nicht erforderlich“, betonte Maushake. Als Lösung schlägt er vor, den Verbissgrad vom Waldeigentümer festzulegen und den Wald in verschiedene Zonen zu unterteilen: eine Kernzone (hoher Verbiss akzeptiert), eine Übergangszone und eine Waldbauzone (niedriger Verbiss).
Abschließend hob der leitende Forstdirektor a.D. hervor, dass sich der Orbwald aus seiner Sicht hervorragend für den Ansatz eines Kur- und Heilwaldes eigne: „Wir unterschätzen noch immer die Bedeutung des Waldes für unsere seelische und körperliche Gesundheit. Besonders der Spessart, direkt vor den Toren des traditionsreichen Gesundheitsstandorts Bad Orb, bietet hervorragende Möglichkeiten, den Wald für Menschen auf ganz neue Weise erlebbar zu machen – als Kur- und Heilwald. Ich kann der Stadt Bad Orb nur empfehlen, diesen Weg zu gehen.“
In seiner Eröffnungsrede setzte auch Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbands, einen klaren Fokus auf das Rotwild: „In der Vergangenheit haben wir bereits jagdbare Wildarten verloren, da ihr Lebensraum dramatisch geschrumpft ist. Beim Rotwild sehen wir derzeit keine vergleichbare Entwicklung, doch die Frage bleibt: Welche Chancen räumen wir dieser Art in einem so dicht besiedelten Land wie dem unseren noch ein?“ Dammann-Tamke plädierte unter anderem für sichere Querungshilfen wie Wildbrücken über Autobahnen sowie für neue Bausteine in nachhaltigen Jagdkonzepten. Besonders wichtig sei das revierübergreifende Jagen sowie die Schaffung von ungestörten Äsungsflächen und Ruhezonen für das Wild.

Über die Zukunft der heimischen Wälder – darunter auch der Orber Wald – diskutierten Vertreter aus Forstwirtschaft und Politik.

Ulrich Maushake (Leitender Forstdirektor a.D.) referierte zum Thema Der gelenkte Hirsch.
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