Seit über einem Jahr wird der Marktplatz in Bad Orb umgebaut und die dort ansässigen Geschäftsleute müssen mit vielen Einschränkungen leben. Besonders betroffen ist Daniel Einschütz, der dort mit der "Orbbar" und dem "Café am Marktplat" zwei gastronomische Betriebe betreibt. Nun hat er sich geärgert, nicht mehr nur über die Bauarbeiten, sondern auch über ein Schreiben der Stadt Bad Orb, mit dem ihm "die Nutzung des öffentlichen Verkehrsraumes für die Außengastronomie" am "Café am Marktplatz" untersagt und ihm für die "Orbbar" nur einer kleiner Streifen eingeräumt wurde.
"Einblicke in die Realität hinter den Bauzäunen – aus Sicht der betroffenen Gastronomie" hat Einschütz seine Baustellenchronik betitelt, die nachfolgend veröffentlicht wird:
"Seit Frühjahr 2024 befindet sich der Marktplatz Bad Orb im Umbau. Als Betreiber einer Gastronomie mit direktem Blick auf den Platz habe ich diese Bauphase aktiv begleitet, viele Gespräche geführt, Ideen eingebracht, Konzepte entwickelt – und vor allem: sehr viel Geduld aufgebracht. Zwei Jahre später fällt das Fazit ernüchternd aus.
Trotz aller Kompromissbereitschaft, trotz konstruktiver Gesprächsangebote und zahlreicher Lösungsversuche wurden mein Team und ich immer wieder mit kurzfristigen Entscheidungen, widersprüchlichen Aussagen und einem Mangel an Koordination konfrontiert, der uns als Betrieb nachhaltig belastet hat.
Diese Stellungnahme soll nicht polarisieren, sondern aufklären. Ich möchte transparent zeigen, was passiert ist – und warum es nicht mehr tragbar ist, zu schweigen. Was gut begann, wurde zur Belastung. Im Frühjahr 2024 war die Zusammenarbeit mit der Stadt, der Kurverwaltung und der Bauleitung noch weitgehend funktional. Die Kommunikation war nicht immer strukturiert, aber praktikabel. Wir waren bereit, uns auf Einschränkungen einzulassen – im Sinne einer langfristig attraktiven Innenstadt.
Doch spätestens ab Herbst 2024 veränderte sich die Situation:
- Beim Blasmusikfest wurden wir als neue Gastronomen am Platz nicht einbezogen – mit dem Argument, es habe in den Jahren zuvor keine aktive Gastronomie gegeben. Immerhin konnte in Gesprächen mit den Vereinsverantwortlichen eine konstruktive Lösung für das Blasmusikfest 2026 gefunden werden.
- Im November 2024 wurden Baucontainer mitten auf dem Platz platziert – obwohl wir frühzeitig einen alternativen Standort vorschlugen: einen von uns privat angemieteten und bezahlten Parkplatz hinter dem Haus, den wir der Stadt zur Verfügung gestellt hätten.
- Nach unserer Eigeninitiative bei der Gestaltung des Platzes (z. B. mit Holzspänen der Kur GmbH) erhielten wir rückwirkend eine Rechnung – zudem wurde der Mitarbeiter, der uns informierte, intern kritisiert.
2025: Fehlplanung, Stillstand, Widerspruch
Ab Ende 2024 kam es erneut zu Verzögerungen – diesmal witterungsbedingt. Die Gastronomen trugen diese mit, wohlwissend, dass Frost nicht planbar ist. Doch es folgten strukturelle Probleme:
- Ein Kellerabgang, den wir mehrfach in den Baubesprechungen thematisiert hatten, wurde übersehen. Die Terrasse blieb auch ab Frühjahr 2025 unvollständig, wirtschaftlich nicht nutzbar.
- Im März 2025 wurde uns seitens der Stadt zugesichert, dass trotz Bauarbeiten 'immer Außengastronomie möglich' sei.
- Bis Juni 2025 wurden bereits neun Umbauten vorgenommen, im Jahr 2024 waren es insgesamt 15 (!) Terrassenumbauten.
April–Juni 2025: Eskalation & Konsequenzen
- Im April begann der Bau vor der Orbbar deutlich früher als angekündigt. Ein Kelleraufgang wurde beschädigt, provisorisch wiederhergestellt, unzureichend abgedichtet – bei Starkregen drang Wasser ein.
- Ein Stromkasten wurde direkt vor unsere denkmalgeschützte Fassade gesetzt – trotz Einspruch. Erst nach Kritik eines am Marktplatz ansässigen Politikers wurde er umgesetzt. Das offene Loch im Gehweg bleibt bis heute.
- Im Mai wurde unsere Terrasse durch das Baustellenteam eigenmächtig umgestellt – entgegen einer zuvor stattgefundenen Abstimmung. Die Anlage wirkte danach wie Sperrmüll.
- Trotz regelmäßiger Bitten um mindestens eine Woche Vorlauf wurden Umbauten, Einschränkungen und Rückbauten weiterhin kurzfristig angewiesen, z. B. vor gebuchten Veranstaltungen oder Feiertagsgeschäft.
- An Christi Himmelfahrt führte Müll auf der Baustelle zu Rattenbefall. Als ich vor Pfingsten einen Besuch des Ordnungsamts anregte, wurde ich in den Folgetagen von Bauarbeitern öffentlich beleidigt – vor Gästen.
Juni 2025 – der Tiefpunkt
- Montag: E-Mail mit der Aufforderung, acht Tische zu entfernen – ohne Vorlauf, trotz gebuchter Veranstaltungen.
- Dienstag: Bauarbeiter lassen Taten sprechen – Laufwege wurden über unsere Fläche geführt, was zu einem sofortigen Terrassenumbau aus Sicherheitsbedenken führte.
- Mittwoch: Stadtpolizei übergibt ein offizielles Schreiben mit erneuter Aufforderung zur Entfernung – obwohl die Fläche bereits am Vorabend abgebaut wurde.
- Donnerstag: Die finale Eskalation: Aufforderung zum vollständigen Abbau der gesamten Terrasse bis Samstag – mitten in der Hauptsaison.
Was hier auf dem Spiel steht
Diese Baustelle betrifft nicht nur ein Pflaster. Sie betrifft den Charakter des Marktplatzes. Sie betrifft das Miteinander, das Vertrauen, die Lebensqualität. Ein Gemeinschaftsort wie der Marktplatz lebt von Begegnung, Gastronomie, Veranstaltungen, Verlässlichkeit. Diese Grundlagen wurden in den letzten Monaten Stück für Stück untergraben.
Unsere Forderung
Wir fordern nicht mehr Privilegien, sondern Verlässlichkeit:
1. Feste Ansprechpartner und verlässliche Kommunikation (mindestens eine Woche Vorlauf für Maßnahmen).
2. Transparente Bauplanung und regelmäßige Besprechungen mit Protokoll.
3. Faire Behandlung aller Beteiligten – ohne einseitige Schuldzuweisungen.
4. Unterstützung für geschädigte Betriebe – z. B. über Reduktionen bei Gebühren, gezielte Fördermaßnahmen oder öffentliches Stadtmarketing.
5. Eine öffentliche Aufarbeitung der Fehler – und das Eingeständnis, dass die Gastronomie hier nicht Gegner, sondern Partner sein will.
Schlusswort
Ich habe lange gehofft, dass sich die Dinge klären lassen. Aber wenn die Stadt, die Kur GmbH und beteiligte Firmen nicht lernen, wie man mit Menschen, Betrieben und öffentlichem Raum verantwortungsvoll umgeht, gefährden wir nicht nur einzelne Existenzen – sondern das Vertrauen in unsere städtischen Strukturen. Ich hoffe, dass diese Dokumentation zum Nachdenken anregt. Und zur Veränderung."

Der Marktplatz in Bad Orb wird aktuell umgebaut. Das Foto wurde im November 2024 aufgenommen.
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