"Sehr geehrter Herr Bürgermeister Weisbecker, sehr geehrter Herr Kempa, sehr geehrter Herr Strauss, zu Ihrer neuen digitalen Broschüre 'Orber Spezial' vom Sommer 2025 und zu Artikeln in diversen regionalen Medien, z. B. „vorsprung-online.de“ vom 18.07.2025, möchten wir hier zu einigen der dort angeführten Aspekte Stellung nehmen. Sie haben die beiden angeführten Gutachten in Auftrag gegeben, wobei diese lt. den Angaben im zitierten Interview mit Herrn Strauss von ihm allein finanziert wurden. Für die Stadt Bad Orb und die Bad Orb Kur GmbH mag es lukrativ sein, wenn Werbemaßnahmen von externen Geldgebern finanziert werden. Dann reicht es unseres Erachtens aber nicht in der Broschüre mit einer Anmerkung darauf hinzuweisen, dass diese Gutachten von der gemeinnützigen ALEA PARK GmbH gemeinsam mit der Stadt Bad Orb und der Bad Orb Kur GmbH beauftragt wurden. Die Bad Orb Kur GmbH sollte im Sinne transparenter Public-Private Partnership in dieser Broschüre auch unmissverständlich darüber informieren, dass die vorliegende Werbebroschüre 'Orber Spezial' von der gemeinnützigen ALEA PARK GmbH oder der Alea Foundation gemeinnützige GmbH finanziert wird. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bad Orb haben ein Anrecht darauf zu erfahren, wie und wo private Interessen Einfluss auf politisch kontroverse Projekte nehmen.
Für die im Text angeführten Gutachten gibt es keinerlei konkrete Hinweise auf die Quellen. Wer sind die Verfasser und wo kann man als Bürger diese Gutachten nachlesen? Woher stammen die Informationen der Gutachter zur Ermittlung der wirtschaftlichen Rentabilität des Windparks, etwa vom Projektierer selbst? Wurden auch andere Teile des Orber Stadtwaldes – immerhin über 2000 ha – auf ihre Eignung für einen Kur- und Heilwald untersucht? Das Haseltal eigne sich nach Ansicht vieler Orber Bürger – allerdings nicht durch ein Gutachten belegt – gut für einen Kur- und Heilwald, da unter anderem bereits eine gewisse Infrastruktur vorhanden ist und die vermeintliche Lärmbelastung der Windenergieanlagen (WKA) oder der Verkehrslärm der Landstraße am Horstberg keinesfalls stören würde.
Als ein wesentliches Argument gegen den Windpark am Horstberg wird die Lärmbelastung angeführt, da der Geräuschpegel in einem Kur- und Heilwald unter 40 dB(A) oder besser nur höchstens 35 dB(A) betragen solle: 'Dauerhafte Störungen durch technische Anlagen – etwa durch Verkehrswege … oder Windenergieanlagen – (…) mit diesen Anforderungen nicht vereinbar' seien. Können dann auch der Fluglärm der in der Anflugschneise über dem Heilwald anschwebenden Flugzeuge, der Lärm der Motorräder, die insbesondere am Wochenende den Mühlgraben nutzen oder die Immissionen der Motorsägen und Holzrück-Fahrzeuge im Horstwald mittels dieser Vorgaben unterbunden werden? Auch sollte nicht unterschätzt werden, dass der motorisierte Verkehr in der Villbacher Straße bei einer Realisierung des Heilwaldes im angedachten Gebiet stark zunehmen dürfte, Wo sollen all die Fahrzeuge parken? Es ist kaum anzunehmen, dass Besucher den Weg zum Kurwald von der Stadt bzw. Kurpark zu Fuß zurücklegen. Im Gutachten II (Orber Spezial, S. 2) wird ausgeführt, dass das Argument vom 'Geldsegen in Millionenhöhe' für die Stadt Bad Orb 'Fake News' seien. Im Interview (S. 3) erwähnt Herr Strauss, dass 'die Stadt Bad Orb (…) für mindestens zehn Jahre keinen Cent Gewerbesteuer zu erwarten' habe, was jedoch 'vielfach unwahr behauptet' werde. Von einem Geldsegen durch Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe wurde in einem Gespräch zur Windkraft am Horstberg, das interessierte Bürger im Mai 2025 mit Herrn Weisbecker und Herrn Kempa führte, jedoch nie gesprochen. Tatsächlich genannt wurden mögliche Pachteinnahmen, für den Fall, dass 2 bis 3 Windkraftanlagen auch auf städtischem Grundbesitz im Orber Stadtwald errichtet würden. Durch den Beschluss der städtischen Gremien keine WKA auf Windvorrangflächen in städtischem Grundbesitz zu errichten, verzichtet die Stadt Bad Orb jedoch auf mögliche Pachteinnahmen von 300.000 bis 400.000 Euro je Windrad pro Jahr. Diese Summe werden die Bürger der Stadt zukünftig über Steuern, Abgaben und Gebühren aufbringen müssen. Das gehört auch zur Wahrheit bezüglich Windpark und CURA SILVA Kur- und Heilwald. Inwiefern und wann der geplante Kur- und Heilwald jemals Einnahmen in ähnlicher Größenordnung generieren kann, kann niemand voraussagen. Dafür könnte ein weiteres Gutachten Ihrerseits vielleicht Wahrscheinlichkeiten ermitteln.
Herr Strauss spricht im Interview außerdem davon, dass sich 'weitere Windräder in Blickweite' von Bad Orb im Bau befänden und Bad Orb deshalb keine weiteren Windräder in seinem Hinterhof wünsche. Wo genau sollen diese Windräder gebaut werden beziehungsweise befinden sich im Bau und welche Informationen sind darüber verfügbar? Auf Seite 7 Ihrer Broschüre informieren Sie über den geplanten Hydro Park im Gewerbegebiet Eiserne Hand, dessen Kernstück ein Wasserstoffspeicher werden soll. Ein auf jeden Fall notwendiges und zukunftsfähiges Projekt für die Energiewende, um Spitzen der regenerativen Stromerzeugung zu speichern und die Strompreise stabiler zu machen. Der geplante Windpark am Horstberg wäre hier die ideale Ergänzung, um lokalen, regenerativ erzeugten Strom auf kurzem Weg zu speichern. Diese Möglichkeit wird sich jedoch mit dem Kampf gegen dieses Windkraftprojekt verbaut. Stattdessen planen Sie, dass 'ein Teil der Fläche (des Hydroparks) selbst als Solarpark zusätzliche Energie erzeugen [soll]'. Bei der gegebenen Nordhanglage dieser Fläche ist es fraglich, ob der Ertrag dieser PV-Anlage die Investition erwirtschaften wird, zudem kann hier nur ein Bruchteil des Stromes eines Windparks erzeugt werden. Einerseits will Bad Orb hier mit 'grüner Energie' (S. 7) ein innovatives Image vermitteln, geht aber nicht den zweiten dafür möglichen und notwendigen Schritt der regenerativen Stromproduktion durch Windkraft vor Ort.
Wir und noch viele andere Bürgerinnen und Bürger von Bad Orb sind weiterhin überzeugt davon, dass beide Projekte, sowohl Kur- und Heilwald als auch Windkraftanlagen am Horstberg, miteinander vereinbar sind und Bad Orb und seinen Bürgern Zukunftsperspektiven eröffnen."
Unterzeichner
Richard Roth, Petra Dinkel, Anette Günther, Volker Lechthaler, Andreas Lauer, Thomas Heimrich, Roland Kraft, Jürgen Engel, Margarete Engel, Johanna Heimrich, Yvonne Kellotat, Christine Müller-Dickert, Matthias Scholz, Jutta Dickert-Scholz, Hermann Schweidler, Stefan Heimrich, Irmgard Schweidler, Uli Auer, Yanik Acker, Angela Fischer-Wasels, Franziska Heimrich, Jenny Steets, Stefan Kessler, Simone Schneider, Beate Klatt-Lindenmayer, Hans-Jürgen Wittig, Doris Jungmann, Anja Heimrich, Ursula Böhm, Kathrin Schneider, Volker Märtens, Maria Mack, Roland Müller, Alina Kolb, Frida Böhm, Joshua Schreiber, Christoph Schmalbach, Michael Weisbecker, Thomas Leppelt, Antonia Wagner, Paul Dinkel, Sabine Schneider, Bernd Wagner, Petra Wagner, Heiko Borhau, Petra Joffroy, Kathrin Ringelstein, Franziska Trautmann, Thomas Wolf, Klaus Schmidt, Astrid Roth, Doris Lauer, Ulrich Matthes, Jan Weimann, Günter Lindenmayer, Theo Hummel, Gerhard Wilmes, Anja Angelstein, Dominik Oestreicher, Wencke Oestreicher, Ralf Kellotat, Katharina Köhler, Thomas Heim, Kerstin Wolf
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