Vor wenigen Tagen konnte der Präsident des LIONS-Clubs Bad Orb, Werner Johanns, zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einer Vortragsveranstaltung im Saal der König-Ludwig I.-Stiftung in Bad Orb begrüßen.
Unter dem Titel „Das Bild Martin Luthers im Wandel der Zeit“ referierte der Bad Orber Bürger Hans-Georg Spangenberger über das Leben und das Wirken des großen Reformators zu Beginn der Renaissance sowie unter anderem über den Einfluss sowie die Bedeutung seines Schaffens auf die Zeit Luthers, die katholische Kirche sowie die spätere Spaltung der christlichen Kirche, bevor die Reformation begann. So ging Hans-Georg Spangenberger zunächst auf die Lebensdaten Luthers ein und stellte anschließend dar, dass Martin Luther, obwohl ihm jeder Personenkult zuwider war, selbst bereits zu Lebzeiten aufgrund seiner Schriften und seines Wirkens „sakral überhöht“ worden sei. Dabei kritisierte Luther grundlegend und entschieden die Reliquienverehrung der katholischen Kirche.
Die Wirkung Martin Luthers auf seine Zeitgenossen sei ohne die Buchdruckerkunst, die Künstler Lucas Cranach und dessen Sohn, Melanchthon und Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen. der ihn schützte, nicht denkbar gewesen. Im Lauf der Jahrhunderte sei Martin Luther nach Belieben für propagandistische Zwecke vereinnahmt worden. Im Barock galt der Reformator als „religiöser Held und Befreier vom Joch des Papstes“, unter den preußisch-protestantischen Hohenzollern wurde Luther zum deutschen Heros und Helden, dann nach 1870 zum visionären Reichseiniger stilisiert. Im ersten Weltkrieg machte man ihn zur Symbolfigur des Durchhaltewillens. Das 3. Reich vereinnahmte ihn für eine germanische Form des Christentums, in der DDR wandelte er sich zum Initiator einer revolutionären Bewegung.
Das römisch-katholische Lutherbild prägte über Jahrhunderte Johannes Cochläus, der ein erbitterter Gegner und Zeitgenosse Martin Luthers war. Sein Lutherbild war voller Grobheiten und Polemik. Die Wende des Blicks auf Luther schaffte in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts der Luxemburger Kirchenhistoriker Joseph Lortz. Er zeichnete ein differenziertes Bild Martin Luthers, die vielen verpassten Gelegenheiten zur Reform und die erhebliche Mitschuld der römischen Kirche an der Spaltung. Heute gelte Luther in der römisch-kath. Kirche als großer Theologe und „Lehrer im Glauben“, wie es Johannes Paul II. auf den Punkt brachte. Es sei nicht die Absicht Luthers oder auch Melanchthons gewesen, die Kirche zu spalten, so Papst Benedikt XVI. in seiner Erfurter Rede.
Hans-Georg Spangenberger führte weiter aus, dass es im 16. Jahrhundert Reformbewegungen in ganz Europa gegeben habe. So sei die Sixtinische Kapelle im Vatikan künstlerisch von Michelangelo nach der Theologie Luthers gestaltet worden. Luther sei Teil einer gesamteuropäischen Reformbewegung gewesen. Es sei die Tragik des 16. Jahrhunderts gewesen, dass die europäischen Reformbewegungen sich nicht miteinander verbanden, sondern durch die Ereignisse zur Spaltung der abendländischen Christenheit beitrugen mit all ihren schrecklichen Folgen.
Nach Ende des Vortrags schloss sich eine rege Diskussionsrunde an. Abschließend bedankte sich LIONS-Präsident Werner Johanns sehr herzlich bei Hans-Georg Spangenberger für dessen tiefgreifenden und eindrucksvollen Vortrag und lud die Gäste zu Wein und Kaltgetränken ein. Diese Einladung nahmen viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer an und nutzten die Gelegenheit zu Gesprächen über Martin Luther im Wandel der Zeit.

Werner Johanns (links) und Hans-Georg Spangenberger.
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