Bad Orb: Katzenkolonie an Bahngleisen außer Kontrolle

Bad Orb

"Was sich entlang der Bahngleise der Kleinbahn in Bad Orb abspielt, wirkt auf den ersten Blick fast idyllisch, besonders in der Dämmerung. Schatten huschen durch das Gras, Augenpaare blitzen im Zwielicht. Doch hinter diesem Bild verbirgt sich eine Entwicklung, die zunehmend außer Kontrolle gerät", macht TiNa UVB e. V. (Tier- und Naturschutz unterer Vogelsberg e. V.) auf ein akutes Problem in der Kurstadt aufmerksam.

Stadt Schlüchtern

Seit geraumer Zeit hat sich demnach dort eine große Population verwilderter Katzen angesiedelt: "Der Grund dafür ist ebenso simpel wie problematisch: Eine Bürgerin versorgt die Tiere regelmäßig mit großen Mengen Futter, direkt auf den Bahngleisen. Was gut gemeint ist, hat gravierende Folgen. Die Tiere vermehren sich ungehindert, angelockt durch das ständige Nahrungsangebot. Aus einzelnen Streunern ist längst eine Kolonie geworden. Doch die Katzen sind nicht allein. Wo Futter im Überfluss vorhanden ist, lassen andere Fleischfresser nicht lange auf sich warten. Die Gleise werden so zu einem Sammelpunkt verschiedenster Tiere, sehr zum Unmut der Anwohner und mit wachsender Sorge bei den Behörden. Hygieneprobleme, Lärmbelästigung und mögliche Gefahren für Mensch und Tier sind die Konsequenz."

Mehrere Tierschutzvereine hätten seit Jahren versucht, die Situation einzudämmen – mit großem Engagement, aber begrenztem Erfolg: "Immer wieder werden Katzen eingefangen, kastriert und medizinisch versorgt. Allein seit Ende Januar konnten durch die Zusammenarbeit von Katzenzuhause e.V. und Tier- und Naturschutz Unterer Vogelsberg e.V. (TiNa) sowie engagierten Helfern 18 Tiere behandelt werden. Unterstützt wurden die Vereine dabei nicht nur von weiteren engagierten Bürgerinnen aus Bad Orb, die regelmäßig die aufgestellten Lebendfallen kontrollierten und die gefangenen Tiere zum Tierarzt brachten, sondern auch vom Ordnungsamt Bad Orb, das die Maßnahmen begleitete. Ein wichtiger Schritt, doch bei weitem nicht genug. Denn das eigentliche Problem bleibt bestehen: Solange regelmäßig Futter ausgelegt wird, wächst die Population weiter. Schätzungen zufolge leben noch rund 20 unkastrierte Katzen in diesem Bereich. Und die Zeit arbeitet gegen die Helfer. Mit Beginn des Frühjahrs sind viele Tiere bereits trächtig, ein Zustand, der notwendige Kastrationen vorerst unmöglich macht."

So stehe Bad Orb vor einem klassischen Dilemma zwischen Mitgefühl und Verantwortung: "Was als Akt der Fürsorge begann, hat eine Dynamik entwickelt, die nun schwer zu stoppen ist. Erst im Herbst sollen die Maßnahmen fortgesetzt werden. Doch bis dahin könnte sich das Problem weiter verschärfen. Die Szene an den Bahngleisen ist längst kein romantisches Naturbild mehr. Sie ist ein stilles Warnsignal dafür, wie schnell gut gemeinte Hilfe in ihr Gegenteil umschlagen kann."

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