Tod des dreijährigen Max weiterhin nicht aufgeklärt

Bad Orb

Am 9. Februar 2014 starb der dreijährige Maximilian aus Bad Orb, bis heute ist nicht geklärt, ob den Ärzten bei der Behandlung des Jungen Fehler unterlaufen sind. Die Staatsanwaltschaft Hanau leitete anschließend Ermittlungen wegen eines möglichen Kunstfehlers gegen Ärzte des Klinikums Hanau ein, das angekündigte Gutachten liegt allerdings bis heute nicht vor. Maximilians Eltern haben jetzt einen Verein gegründet, um Betroffenen in ähnlichen Situationen Hilfe anzubieten.

Thermo Sun
Stadt Schlüchtern

maxklinik„Eine Unterstützung für Eltern, wenn Ärzte schweigen“, das will Tanja Gethöffer mit ihren Mitstreitern bieten. Der Verein „Eltern medizingeschädigter Kinder“ (www.eltern-medizingeschaedigter-kinder.de ) wurde am Dienstag offiziell gegründet, die Unterlagen auf Gemeinnützigkeit eingereicht und die Eintragung ins Vereinsregister beantragt. Tanja Gethöffer ist die 1. Vorsitzende, ihr Mann Christian der 2. Vorsitzende, dem Vorstand gehören zudem Susanne Thümmel als Schriftführerin und Timo Neubert als Schatzmeister an. Bei der Gründungsversammlung in Bad Orb waren neun Personen anwesend, durch mittlerweile bundesweite Kontakte hofft die 37-Jährige allerdings auf einen raschen Anstieg der Mitgliederzahl.

„Unser Max ist leider kein Einzelfall“, hat sie inzwischen von vielen vergleichbaren Fällen erfahren und dabei Eltern erlebt, die sich ähnlich hilflos fühlten wie sie im Februar 2014. Besteht der Verdacht auf einen Arztfehler, wüssten viele zunächst nicht, welche Schritte einzuleiten sind. Genau da will der Verein ansetzen: Ziel ist die Beratung und Begleitung von Eltern medizingeschädigter oder verstorbener Kinder, Unterstützung bei der Anwaltssuche oder Anzeigenerstattung und die Aufklärung über medizinische Behandlungsfehler. Zudem soll eine intensive Öffentlichkeitsarbeit stattfinden, Gethöffer selbst wird beispielsweise nach den Ferien in der Beruflichen Schule in Schlüchtern über ihre Erfahrungen berichten.

Strafrechtlich wird aber wohl auch bis dahin nichts passiert sein: Die Staatsanwaltschaft Hanau hatte offenbar große Probleme, einen Gutachter zu finden, der als Sachverständiger die Behandlungsweise des dreijährigen Maximilien bewertet. Der Junge soll mit schweren Atemproblemen ins Klinikum Hanau eingeliefert worden sein, Mutter und Kind wurden laut Aussage der Eltern zunächst wieder nach Hause geschickt, danach sei eine geplante Herausnahme der Polypen wegen hohen Fiebers nicht mehr möglich gewesen. Am nächsten Morgen fand die Mutter ihr Kind leblos im Bett liegen, er starb schließlich am 9. Februar 2014 auf der Kinderintensivstation des Uniklinikums Frankfurt.

Der Hanauer Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze bestätigte bereits im vergangenen Jahr, dass die Eltern den Vorwurf auf eine fehlerhafte ärztliche Behandlung erheben, da eine todesursächliche Erkrankung nicht erkannt worden sei. Ermittelt wird zu einer etwaigen Verantwortlichkeit des Kindesarztes und der mit der Behandlung des Kindes befassten Hals-Nase-Ohren-Fachärzte. Die Staatsanwaltschaft will darüber ein Gutachten erstellen lassen, bekam von den möglichen Sachverständigen aber zunächst Absagen. Begründung: Keine freie Kapazitäten. Inzwischen soll sich allerdings jemand gefunden haben, mit einem Ergebnis ist aber in diesem Jahr wohl nicht mehr zu rechnen.

Tanja Gethöffer will sich aber auch von diesen zeitlichen Verzögerungen nicht davon abbringen lassen, den Tod ihres Sohnes aufzuklären. „Wir wollen ein Umdenken bei den Ärzten erreichen“, bleibt es ihre große Hoffnung, dass zumindest andere Eltern vor ihrem Schicksal bewahrt werden und mögliche Behandlungsfehler schneller aufgeklärt werden können.


Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de