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Fast meint man, den Dampf einer Suppe aufsteigen zu sehen. Die Küche ist voll ausgestattet mit Geschirr, Kannen und Schüsseln. Die Türen der hellen Küchenanrichte stehen offen, als hätte jemand eben erst Teller und Besteck hervorgeholt, um den Tisch zu decken. Ein bisschen abgewetzt ist der Fußboden im Schachbrettmuster. Kein Wunder, denn diese zauberhafte Puppen-Küche ist schon mehr als 100 Jahre alt und Neuzugang im Heimatmuseum in Bad Soden-Salmünster. Wer das Museum besucht, tritt ein in eine vergangene Zeit. Dabei ist das Gebäude selbst schon ein Museumsstück.

Die aus dem 18. Jahrhundert stammende ehemalige Hofreite hatte der Heimat- und Geschichtsverein 1997 von der Stadt übernommen und in den Folgejahren aufwändig restauriert und renoviert. Das Haus und seine angrenzenden Wirtschaftsgebäude beherbergen die Sammlung des Heimat- und Geschichtsvereins zum altertümlichen Leben um 1900. Neben den zahlreichen Exponaten aus dem Alltag von Menschen, die vor vielen Jahrzehnten diese Dinge in Gebrauch hatten, liegt ein weiterer Schwerpunkt auf dem Leben und Wirken der Franziskaner im Kloster Salmünster. Der Verein hat viele außergewöhnliche kirchliche Stücke zusammengetragen und vielfach davor bewahrt, weggeworfen zu werden.

„Gerade der Umstand, dass es diese Dinge heute nur noch selten in Kellern und Speichern zu finden gibt, macht sie so besonders und auch kostbar. Der wahre Schatz einer solchen Sammlung besteht jedoch nicht nur in den wunderschönen Gebrauchsgegenständen aus alter Zeit, sondern auch darin, dass diese Dinge Erinnerungen bei den Besucherinnen und Besuchern wecken. Hier werden die Erzählungen der Großeltern auf ganz besondere Weise wieder lebendig, wenn man einen Blick auf Möbelstücke, Spielzeug und Küchengerätschaften wirft, die so ganz anders aussehen, als das, was man aus modern eingerichteten Häusern kennt“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD) bei einem Besuch des Heimatmuseums, an dem auch Bürgermeister Dominik Brasch (parteilos) teilnahm.

Damit machte Susanne Simmler ihr Versprechen wahr, das sie vor einigen Wochen der Vorsitzenden Marianne Sperzel bei der Übergabe des Förderbescheids für die Sanierung der Außenfassade des Gebäudes gegeben hatte: Noch einmal mit mehr Zeit im Gepäck vorbeizukommen und sich die beeindruckende Sammlung des Hauses näher anzuschauen. Das Gebäude ist jetzt auf der oberen Giebelseite zur Straße hin mit neuen Schindeln ausgestattet, die vor Witterungseinflüssen schützen. Diese Arbeiten waren notwendig geworden, weil sich die Nässe einen Weg durch das Fachwerk gebahnt und unschöne Flecken auch im Inneren der Räume versursacht hatte. Etwa in der „guten Stube“, wo an der Fensterseite hellbraune Stellen auf der mit einem hübschen blauen Muster bemalten Wand zu sehen sind. Susanne Simmler sagte dem Verein bei den anstehenden Renovierungsarbeiten Unterstützung zu, denn dieser möchte den Wasserschaden möglichst schnell beseitigen lassen. Dabei legt der Verein großen Wert auf fachgerecht ausgeführte Arbeiten. Das bedeutet, dass so gearbeitet wird, wie es damals üblich war. „Es ist nicht immer einfach, hier die passenden Fachfirmen zu finden“, sagte Marianne Sperzel.

Wer sich die ungewohnt schmalen Betten, die wuchtigen und mit Schnitzereien reich verzierten, dunklen Kleiderschränke anschaut, kann erahnen, wie das Leben in früheren Zeiten war. Bei den Arbeiten in der Küche war viel Handarbeit und Muskelkraft vonnöten, wie überall zur damaligen Zeit. Die Küche strahlt mit ihrem großen, gusseisernen Herd, der betriebsbereit ist, eine gewisse Gemütlichkeit aus. In der mit allerlei Gerätschaften ausgestatteten Küche werden immer noch Waffeln gebacken und Kaffee getrunken, verrät Marianne Sperzel, denn bei den Putz- und Räumtagen des Vereins kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Bürgermeister Brasch machte in der Küche auf eine alte Gaslampe aufmerksam, die einst seinem Opa Karl Faust gehörte. Für Dominik Brasch ist das gleichbleibend hohe Engagement des Vereins ein wichtiger Beitrag für den Erhalt der musealen Kulturangebote in der Kurstadt. „Das Museum macht Stadtgeschichte direkt erlebbar und zeigt, wie spannend regionale Geschichte und Geschichten sind“, erklärte der Bürgermeister.

In den angrenzenden Gebäuden wird altes Traditionshandwerk erlebbar gemacht: Eine Schmiede, in der allerlei Gerätschaften für die Feldarbeit gefertigt oder repariert werden können und eine Schuhmacher-Werkstatt mit einer ganzen Reihe von Leisten aus Holz zur Schuhherstellung. In einem Nebengebäude befindet sich noch eine alte Schulstube mit Schiefertafeln und ein Tante-Emma-Laden, der zum Stöbern animiert. Wie Marianne Sperzel und Museumsleiterin Doris Müller ihren Gästen erläuterten, arbeitet der Heimat- und Geschichtsverein aktuell an einer Ausstellung unter dem Dach zum Thema Flachsanbau und der Weiterverarbeitung bis hin zur fertigen Kleidung. Auch die Wäschepflege wird beleuchtet. Kurze Filme sollen den Gästen zeigen, wie früher gearbeitet wurde.

„Unsere Großeltern und Urgroßeltern haben in einer Zeit gelebt, in der Dinge lange benutzt und immer wieder repariert worden sind. Deshalb ist das Museum ein schönes Beispiel für Nachhaltigkeit, was ja angesichts von Klimakrise und immer teurer werdenden Lebenshaltungskosten ein wichtiges Thema unserer heutigen Zeit ist“, sagte Susanne Simmler. Gerade für Kinder, die mit Wegwerfartikeln aufwachsen, sei der Besuch des Heimatmuseums eine beeindruckende Erfahrung.

www.hgv-badsoden-salmünster.de

Foto: Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (Zweite von links) besuchte das liebevoll eingerichtete Museum des Heimat- und Geschichtsvereins, hier zusammen mit Doris Müller (links), Vorsitzende Marianne Sperzel und Bürgermeister Dominik Brasch und der über die Weihnachtstage aufgebauten Krippe mit alten Figuren aus der Kirche St. Peter und Paul in Salmünster.


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