Bad Soden-Salmünster: Mit Messer gedroht und mit Polizisten gerangelt

Bad Soden-Salmünster
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Der junge Mann wurde von zwei Polizeibeamten nicht nur in Handschellen in den Saal des Amtsgerichts Gelnhausen geführt. Ungewöhnlich war auch seine Bekleidung: T-Shirt und kurze Hose. Und das bei vier Grad Außentemperatur an diesem kalten Morgen. Der 25-Jährige war in diesem Dress am 31. Juli von Ordnungshütern auf einem Waldweg in der Nähe eines Stadtteils von Bad Soden-Salmünster aufgegriffen worden.

Seinerzeit waren hochsommerliche Temperaturen. Deswegen die luftige Kleidung. Und da der Rumäne in Deutschland ohne festen Wohnsitz ist, wurde er umgehend in das Untersuchungsgefängnis nach Frankfurt gebracht, von wo er jetzt vorgeführt wurde. Vor Richter Wolfgang Ott musste er sich wegen Diebstahls, versuchter Nötigung und Widerstands gegen Polizeibeamte verantworten. Unter Anrechnung der Haftzeit wurde er zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro (100 Tagessätze à 10 Euro) verurteilt.

Ende Juli war der Angeklagte laut seinem Pflichtverteidiger auf dem Weg von Berlin „auf der Durchreise“ in der Kurstadt vorbeigekommen. In besagtem Stadtteil plagten ihn Hunger, Durst und Müdigkeit. So überwand er am Rande des Dorfes einen rund einen Meter hohen Holzzaun und drang in eine Gartenhütte ein. Dort labte er sich an vorgefundenem Bier und Kräuterschnaps. Außerdem schlief er eine Runde. Bis dann der Hund des Hauses auf den Eindringling aufmerksam wurde – und dessen Herchen alarmierte.

Der schloss den Fremden in der Gartenhütte ein und verständigte die Polizei. Das missfiel dem 25-Jährigen. Er trat kurzerhand die Tür von innen auf und drohte dem Eigentümer mit einem Messer, was ihm der Hausherr noch aus der Hand schlagen konnte, ehe der Angeklagte die Flucht ergriff. Eine Streife der Polizeistation Bad Orb machte sich kurz darauf auf die Suche nach dem Mann und fand ihn auf besagtem Waldweg. Doch auch dort wollte er sich auf Ansprache nicht ausweisen oder gar seinem Schicksal ergeben. Beim Versuch der beiden Beamten, ihm Handschellen anzulegen, wehrte er sich massiv. Es kam zu einem wilden Gerangel, in dessen Folge alle drei im Graben landeten. Letztlich behielten die Polizisten dennoch die Oberhand, wobei einer der Beamten anschließend wegen einer Verletzung dienstunfähig war. „Mein Mandant wollte den Beamten nicht verletzen“, beteuerte der Verteidiger. Er habe die Situation nicht verstanden und wollte sich dieser daher entziehen.

Richter Ott machte sich Gedanken, wie es mit dem 25-Jährigen in Zukunft weitergehen soll. Über einen Dolmetscher ließ dieser erklären, zunächst zu einem Freund nach Berlin fahren zu wollen. Nötigenfalls müsse er für die Tour zunächst betteln gehen. Mithilfe des Bekannten wolle er die Rückfahrt in seine Heimat Rumänien organisieren. Der Vorsitzende mahnte ihn, nicht wieder straffällig zu werden. Bei den gegenwärtigen Temperaturen sei es mit dem Übernachten in Gartenhütten ohnehin zu ungemütlich.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Hanau forderte für den Angeklagten eine siebenmonatige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Der Verteidiger hielt eine Geldstrafe für ausreichend. Entsprechend milde urteilte auch der Richter. Zugleich setzte er den Haftbefehl umgehend außer Vollzug. Der Rumäne konnte also als freier Mann den Gerichtssaal verlassen, was ihn sichtlich erfreute. Und so marschierte er in T-Shirt und kurzer Hose in die herbstliche Kälte. Allerdings sicherte sein Verteidiger zu, dem Mann den Weg zum Sozialamt zu erklären, damit er sich dort mit wärmender Kleidung eindecken konnte. / hd


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