Überraschendes Geständnis im Türsteher-Prozess

Biebergemünd

Gegenüberstellung in Saal 124 des Amtsgerichts Gelnhausen: Links steht ein 42-Jähriger aus Ludwigshafen, angeklagt wegen vorsätzlicher Körperverletzung, rechts daneben sein fünf Jahre jüngerer, inzwischen ehemaliger Kumpel. Zwei Zeugen zeigen nacheinander auf den linken Mann und bezichtigen ihn, für die schweren Verletzungen eines 26-Jährigen aus Bad Orb, die er auf dem „Weihnachts-Rockkonzert“ 2011 in Biebergemünd-Kassel erlitten hatte, verantwortlich zu sein.

Autohaus Koch

Allerdings: Ein Geständnis liegt dem Gericht bislang nur von dem Mann auf der rechten Seite vor, der Angeklagte bestreitet die Tat.

Die Fortsetzung der Verhandlung gegen den 42-Jährigen, der mit drei Freunden bei jenem Rockkonzert am 25. Dezember 2011 im Bürgerhaus Kassel als Türsteher gearbeitet hat, begann zunächst mit einer Überraschung. Ein 37-jähriger Familienvater, der inzwischen in der Schweiz lebt und beim „Weihnachtsrock“ ebenfalls als Türsteher tätig war, bestätigte die Version, die auch der Angeklagte bereits dem Gericht vorgetragen hatte.

Demnach will er zunächst gemeinsam dem Opfer aus Bad Orb einen Axtstiel abgenommen haben, mit dem dieser über den Parkplatz gestürmt sei. Anschließend habe sich eine weitere Person eingemischt, mit der sich dann zunächst der Angeklagte gestritten habe. In dieser Zeit will der 37-Jährige dem jungen Mann einen Fausthieb verpasst haben, der diesen zu Boden streckte. Für den 26-Jährigen hatte der Vorfall schlimme Folgen: Er erlitt schwere Kopfverletzungen, musste mehrfach operiert werden und war eineinhalb Jahre krankgeschrieben. Auch heute leidet der Flugzeugmechaniker noch unter den Nachwirkungen, in der Verhandlung tritt er als Nebenkläger auf. An die Tat selbst kann er sich nicht erinnern.

Mehr oder weniger bestätigt wurde diese Version von einem 30-Jährigen aus Biebergemünd. Auch er sagte aus, dass das Opfer mit einem Axtstiel in der Hand angerannt kam und dann von zwei Türstehen an einem Auto fixiert wurde. Diese hätten ihn aufgefordert, dem 26-Jährigen den Axtstiel aus der Hand zu nehmen und wegzuwerfen. Anschließend habe er sich allerdings wieder einem jungen Mann zugewandt, der zuvor bereits in eine andere Schlägerei verwickelt war. Als er sich wieder umgedreht habe, habe er nur noch gesehen, wie das Opfer einige Meter vom Auto entfernt zu Boden gegangen sei. Ob jemand ihm zuvor einen Schlag verpasst hatte, habe er nicht gesehen.

Ganz anders hörten sich die Aussagen von den beiden Zeugen an, die bei der Gegenüberstellung auf den Angeklagten zeigten. Ein 27-jähriger Biebergemünder hat nach eigenen Angaben gesehen, wie der 42-Jährige den Kopf des Opfers mehrfach aufs Autodach geschlagen hat. Als er eingeschritten sei, habe der Angeklagte zunächst ihn beschimpft, sich dann umgedreht und dem Opfer mit beiden Händen einen Stoß verpasst, so dass dieser zu Boden ging. Während der Biebergemünder von einem brutalen Vorgehen des Angeklagten sprach, wackelte seine inzwischen 22-jährige Begleiterin aus Flörsbachtal im Zeugenstand. Bei der Polizei hatte sich noch angegeben, dass der 42-Jährige wild auf das Opfer eingeprügelt habe, im Gericht konnte sie sich jetzt zumindest daran erinnern, dass der Kopf des 26-Jährigen vom Angeklagten gegen die Dachreeling des Autos geschlagen worden sei und der Bad Orber nach einem Schubser zu Boden ging. Der Prozess wird am kommenden Dienstag um 14 Uhr fortgesetzt.


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