Wehranlagen haben in vielerlei Hinsicht eine große Rolle im Frühmittelalter gespielt.
Residenzen und Klöster wurden befestigt, Burganlagen an strategisch entscheidenden Positionen errichtet, Refugien dienten als Rückzugsorte für die ländliche Bevölkerung in Notsituationen. Ganze Regionen wurden durch Befestigungssysteme vor Einfällen geschützt. Das 8. Symposium zur Burgenforschung im Spessart findet am kommenden Freitag/Samstag (09./10.) in Biebergemünd statt und möchte Schlaglichter auf unterschiedliche Ebenen dieses Phänomens werfen.
Nach dem großen Karlsjahr 2014 geben die Grabungsergebnisse vom Ringwall (Kringel) bei Wirtheim Anlass zur erneuten Auseinandersetzung mit dem Thema. Dabei soll die Befestigung in einen größeren Kontext gesetzt werden. An einer Engstelle des Kinzigtals, in unmittelbarer Nähe zur Via Regia gelegen, kommt dem Ringwall bei Wirtheim eine bisher kaum beachtete Bedeutung zu. Spätestens im Zuge der Sachsenkriege Karls des Großen wurde hier eine rund 80 Meter im Durchmesser messende Befestigung als weithin sichtbares Element des fränkisch-karolingischen Landesausbaus errichtet, geriet jedoch schon bald in Vergessenheit. Die Wehranlage bildete einen Teil eines übergeordneten Infrastruktursystems, von dem heute noch Reichsklöster wie Schlüchtern und Seligenstadt oder die Abtei Neustadt am Main Zeugnis ablegen.
Die Tagung ist für alle Interessierte kostenfrei und beginnt am Freitag (09.10.) um 19 Uhr mit einem Festvortrag von Prof. Dr. Hans-Georg Stephan (Göttingen) über die Reichsabtei Corvey in der Karolingerzeit und ihre Ausstrahlung auf die Kulturlandschaft im Umfeld. Am Samstagvormittag (10.10.) wird das Symposium um 9 Uhr mit dem Vortrag „Der Ringwall in Wirtheim zwischen Ausgrabung und Forschung“ durch den Grabungsleiter, Harald Rosmanitz (Partenstein), fortgesetzt. Anschließend referiert Thorsten Sonnemann (Frankfurt) über die Büraburg und das Fritzlar-Waberner Becken im Frühmittelalter.
Nach einer Kaffeepause schildert Petra Hanauska (Frankfurt) Produktion und Verteilungsstrukturen frühmittelalterlicher Keramik in Nordhessen. Dem schließt sich ein Vortrag von Stefanie Müller (Olbernhau) über die Einhardsbasilika in Steinbach (Odenwald) an, wobei sie Spuren des karolinigischen Landesausbau im Odenwald und Rhein-Main-Raum nachgeht. Den Vormittag schließt eine interdisziplinäre Studie zur früh- und hochmittel-alterlichen Binnenschifffahrt in Unterfranken von Andreas Wunschel (Jena) ab.
In der zweistündigen Mittagspause (12:30 – 14:30 Uhr) ist eine archäologische Exkursion vorgesehen, deren Ziel noch nicht endgültig feststeht; festes Schuhwerk ist hierfür auf jeden Fall empfehlenswert. Die nachmittäglichen Vorträge beginnen um 14:30 Uhr mit der Ergebnisvorstellung von Gesine Weber (Dietzenbach) über Grabungen bei Mainhausen mit Erkenntnissen zu mittelalterlichen Friedhöfen und der Befestigungen am dortigen Zellhügel. Anschließend schildert Dr. Gerald Volker Grimm (Bonn) die Karlsmemoria in Aachen.
Nach einer Kaffeepause beginnt der Vortrag „Aiborne Laserscanning und Burgen in Spessart und Odenwald – Burgen und ihre Umgebung in einem digitalen Geländemodell“ von Karl-Heinz Gertloff (Egelsbach). Zum Schluss der Tagung – gegen 17 Uhr – folgen noch Beiträge von Harald Rosmanitz (Partenstein) und David Enders (Lohrhaupten) zu Einsiedel, so dass gegen 18 Uhr mit dem Ende der Veranstaltung zu rechnen ist.
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de















