Birstein/Brachttal: Ukrainehilfe bei klirrender Kälte mit Hilfskonvoi 51 und 52

Birstein

Das neue Jahr begann nicht nur bei uns im Main-Kinzig-Kreis mit einem heftigen Wintereinbruch. Auch in der Ukraine, wo im Osten der Winter ohnehin härter als in Mitteleuropa ist, kamen Schnee und Kälte auch stärker als sonst. Das hat die Ukrainehilfe Birstein und Brachttal veranlasst, innerhalb kurzer Zeit zwei Konvois zu schicken. Der erste fuhr im Zeitraum 13.01. – 20.01.2026, der zweite startete am 02.02. nach Kiew und befand sich am 08.02.2026 auf der Rückreise.

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Bei beiden Transporten lag ein Schwerpunkt auf Hilfsgütern gegen die Kälte. Neben der Tatsache, dass der Winter mit Temperaturen im Bereich von unter -20 Grad Celsius heftig ist, gibt es zwei weitere Faktoren: auf der einen Seite sind viele Häuser und Wohnungen zerstört, durch Druckwellen sind Fenster geborsten und die Kälte kann ungehindert eindringen. Auf der anderen Seite kommt es durch russische Angriffe auf die Infrastruktur regelmäßig zum Ausfall von Strom und Gas.

Auch in der Hauptstadt Kiew und selbst in Orten im Westen der Ukraine, die nicht direkt von den unzähligen Angriffen betroffen sind, sind diese Auswirkungen nun deutlich spürbar. Wenn bei -25 Grad die Heizung ausfällt und nur ab und zu heizt, ist eine Raumtemperatur von 13 Grad nicht ungewöhnlich. Wenn die Anlagen komplett ausfallen, kühlen die Räume auch in den zweistelligen Minusbereich ab. Hier kommen dann Folgeschäden wie das Einfrieren von Wasser- und Abflussleitungen hinzu.

Die Helferinnen bringen den Menschen vor Ort Matratzen, Decken, warme Kleidung, Radiatoren, Kerzen, Generatoren und viele andere nützliche Dinge, um die Kälte erträglicher zu machen. Die Dankbarkeit der Empfänger für diese dringend notwendige Hilfe ist sehr groß, vielen Menschen ist es allerdings auch sehr peinlich, dass sie auf eine solche Hilfe von außen angewiesen sind.

Helfende unterstützen sich gegenseitig

Kritische Stimmen in Deutschland fragen oft, wer etwas für die Mittellosen in Deutschland tut. Meist sind es die Fragenden selbst jedoch nicht. Viele der Helferinnen und Helfer, die den Ukrainern helfend zur Seite stehen, tun dies parallel auch hier in Deutschland.

Ein hervorragendes Beispiel dafür sind die Damen von der Kleiderkammer in Hellstein. Seit Jahren versorgt die Kleiderkammer Menschen in und um Brachttal mit dringend benötigten Dingen für kleines Geld. Den Erlös spenden sie regelmäßig für wichtige Projekte. Ende letzten Jahres haben sie dabei zum wiederholten Mal die Ukrainehilfe Birstein und Brachttal bedacht.  

Auch die Vernetzung der hiesigen Ukrainehilfe mit anderen Vereinen, wie zum Beispiel Liftukraine in Stauffenberg, Helpchain in Herford oder der Ukrainehilfe in Münnerstadt bringt die Möglichkeit, Projekte umzusetzen, die man allein nicht realisieren könnte. So wurden kürzlich 45 Pflegebetten aus einem stillgelegten Pflegeheim bei Limburg in ein Krankenhaus nach Drohobysch gebracht, wo sie dringend gebraucht wurden.

Warum nehmen die immer Autos und Reifen mit?

Ab und zu werden die Ukrainehelfer darauf angesprochen, warum man auf Fotos der Hilfskonvois oft sieht, dass Autos und Reifen mitgenommen werden. Das zeigt Interesse an der Arbeit und wird natürlich gerne aufgeklärt:

Viele Hilfsorganisationen, Volontäre und auch Soldaten vor Ort legen zusammen, um Fahrzeuge für Evakuierungen, Hilfstransporte und auch tägliche Aufgaben zu kaufen. Dabei handelt es sich teilweise um geländegängige Fahrzeuge, um Transporter, um Rettungswagen, Kombis, aber auch um kleinere PKW. Die Organisationen bitten unsere Volontäre in Deutschland nach einem günstigen Fahrzeug in der Preisklasse zu suchen, für die das Spendengeld dort zu Verfügung steht. Wenn ein passendes Fahrzeug gefunden wird, nehmen die Fahrerinnen und Fahrer es beim nächsten Konvoi mit, für die Überführung erhält der Verein eine kleine Spende, die wiederum in die Folgetransporte gesteckt wird.

Dadurch entsteht eine Win-Win-Situation, indem die Helfer vor Ort günstig an von ihnen finanzierte und dringend gebrauchte Fahrzeug kommen und parallel Spenden für den Verein in Deutschland generiert werden.

Die Reifen, die mitgenommen werden, sind Reifen, die in Deutschland von ihren Besitzern demontiert werden und aufgrund ihres Herstellungsjahres meist keine Verwendung mehr finden. Vor Ort gibt es einen großen Bedarf, vor allem an Reifen für Transporter. In der Ukraine ist aktuell in vielen Bereich keine Aufrechterhaltung der Straßeninfrastruktur möglich. Unvorstellbare Schlaglöcher und Buckelpisten verursachen eine Vielzahl von Reifenschäden, vor allem an den Evakuierungsfahrzeugen im Kriegsgebiet. Hier dienen die alten Reifen aus Deutschland als kurzfristiger Ersatz. 

Bericht beim Friedenskreis in Somborn

Spenden werden weiterhin dringend gebraucht, viele Menschen leben unter Umständen, die man sich nicht vorstellen kann, wenn man die Geschichten nicht selbst gehört und gesehen hat.

Der Friedenskreis in Somborn trifft sich seit dem Einmarsch der russischen Armee am 24.02.2022 jeden Dienstag am Rathaus in Somborn. Die Ukrainehilfe Birstein und Brachttal war bereits mehrfach dort zu Gast und wurde auch schon mehrfach vom Friedenskreis und dem Allerleitreff im Freigericht großzügig unterstützt. Der Freigerichter Gerhard Weigand hat sich bei Tour 51 selbst ein Bild vor Ort gemacht, er fuhr als Fahrer im Konvoi mit und er wird beim 209. Friedenstreffen, zum 4. Jahrestag des Kriegsbeginns, am Dienstag, 24.02.2026 in Somborn von seinen Erfahrungen und Erlebnissen berichten.

Ankündigung: Dokumentarfilm über Butscha in Streitberg

Am Sonntag, 08. März, 2026, dem Weltfrauentag, zeigt die Ukrainehilfe Birstein und Brachttal den Dokumentarfilm „Der lange Februar“ in Brachttal – Streitberg. Der Film, der vom Griesheimer Filmemacher Michael Stadnik gedreht wurde, berichtet anschaulich darüber, wie der Krieg Menschen im Februar 2022 von heute auf morgen überrascht und getroffen hat. Menschen, die in Butscha leben, einer Stadt 35 Kilometer nordwestlich von Kiew, also mehr als 500 km entfernt von den Orten, in denen Russland angeblich ihre Landsleute von ukrainischen Nazis befreien musste. Eine Stadt mit 35.000 Einwohnern, die durch das Massaker von Butscha im April 2022 weltberühmt wurde. Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung folgen.

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Text und Fotos: Ukrainehilfe Birstein/Brachttal


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