Quellen-Kartierung im Brachttaler Fußloch

Brachttal
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Im Auftrag der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) kartierten Ende April 2020 Experten vom Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen e.V. insgesamt 43 Quellaustritte im Brachttaler Landschaftsbereich Fußloch. Weitere Untersuchungen sind schon in Planung.

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„Ziel unserer Untersuchung ist die flächendeckende Erfassung von Quellaustritten, um Gefährdungen aufzuzeigen und Vorschläge für biotopverbessernde Maßnahmen machen zu können.“ berichtet die Vorsitzende der GNA Susanne Hufmann. Nach § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes sind Quellbereiche gesetzlich geschützte Biotope. Deshalb sind alle Handlungen, die zu einer Zerstörung oder einer sonstigen Beeinträchtigung führen können, untersagt. Außerdem reagieren Quellen als kleinflächige Biotope sehr empfindlich auf geringste Störungen, weshalb Schutzmaßnahmen besonders geboten sind.

Kleinod im Vogelsberg

Der Landschaftsbereich „Fußloch“ liegt im südlichen Vogelsberg und ist rund 20 ha groß. Es handelt sich um ein Mosaik aus Feuchtwiesen, Baumhecken, Waldstreifen und kleineren Waldstücken. Aufgrund des kleinflächigen Wechsels zwischen Grünland und Gehölzen ist das Gelände ausgesprochen strukturreich, was durch viele Quellaustritte und kleine Wasserläufe, Lesesteinriegel und wechselnde Hangneigungen noch verstärkt wird. „Ein ökologisches Kleinod, das auch einige botanische Besonderheiten zu bieten hat.“, so die Biologin Hufmann.

Ökologische Wiederbelebung notwendig

Eine zu intensive Beweidung führte in der Vergangenheit allerdings dazu, dass das Grünland stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Um das Areal wieder ökologisch aufzuwerten, plant die GNA - in Kooperation mit der Gemeinde Brachttal und anderen Gruppierungen vor Ort - die Wiederherstellung und Entwicklung der sogenannten „halboffenen Landlebensräume“. Dazu sollen unter anderem Lesesteinriegel freigestellt und Feuchtwiesen vom Gehölzaufwuchs befreit werden.
Ein Großteil der Quellen im „Fußloch“ sind Offenlandquellen. Ein kleinerer Teil befindet sich in und an Feldgehölzen. Neben Gefährdungen, die durch die landwirtschaftliche Nutzung im Umfeld bestehen, stellten die Experten mit großem Bedauern weitere Beeinträchtigungen fest, darunter viel Bauschutt und Plastikmüll, aber auch Mais zur Anfütterung von Wildschweinen, so dass einige Quellaustritte zu Suhlen mutierten.

Endemische Rhön-Quellschnecke gefunden

Schwerpunkt der Kartierung ist die faunistische Besiedelung, die Aussagen über den Zustand des jeweiligen Quellbiotops zulässt. Daneben misst man physikalische Parameter wie Temperatur, pH-Wert und Leitfähigkeit und erfasst das Pflanzenvorkommen in unmittelbarer Umgebung. „Bemerkenswert ist das festgestellte Arteninventar.“, erläutert Stefan Zaenker, Vorsitzender vom Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen die Ergebnisse. „Insgesamt konnten wir 139 Taxa unterscheiden, wobei noch zahlreiche Endbestimmungen durch Fachleute ausstehen. Neben dem bis zu 1,5 cm großem Alpenstrudelwurm entdeckten wir Höhlenflohkrebse und die Larve der Vierkant-Quellköcherfliege; allesamt Spezialisten und an den Lebensraum Quelle in besonderer Weise angepasst. Eine weitere Besonderheit stellt der Fund der endemischen Rhön-Quellschnecke dar, weil sie nur im Dreiländereck Hessen, Thüringen und Bayern vorkommt.“

Der Nachweis verschiedener Leitarten dokumentiert eine noch relative gute Qualität der unbeeinträchtigten Quellen. So wurden außerdem Grundwasser besiedelnde Muschel- und Ruderfußkrebse gefunden. Auch Grundwasserflohkrebse der Gattung Niphargus besiedelten eine Quelle. „Diese Funde sprechen für ein noch weitgehend intaktes Ökosystem im Grundwasserkörper des Untersuchungsgebietes, das es unbedingt zu erhalten gilt. Eine extensive Bewirtschaftung der umliegenden Flächen würde sich sehr positiv auf die Quellstandorte auswirken.“ so Zaenker abschließend.

Quellen für die Zukunft sichern

Das nun vorliegende Gutachten liefert der GNA eine Übersicht zur Lage und Qualität der verschiedenen Quellaustritte, die bisher fehlte. Ebenso war bisher kaum etwas über die tatsächlichen Auswirkungen menschlicher Aktivitäten wie Drainagen oder ungeeignete Beweidung bekannt. Mit der Kartierung der Quellstandorte, die nur durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung Hessischer Naturschutz möglich wurde, wird es ab sofort gelingen, vor Ort geeignete Vorsorge- und Sicherungsmaßnahmen zu treffen. Allerdings überraschte die Anzahl der vorgefundenen Quellen alle Beteiligten, so dass letztlich nur die Hälfte des Gebietes untersucht werden konnte. Der nördliche Bereich des Fußlochs steht noch aus und lässt einige weitere Überraschungen erwarten. Dazu sammelt die GNA Spenden auf ihr Konto bei der Raiffeisenbank Rodenbach, IBAN: DE 75 5066 3699 0001 0708 00, Stichwort: Quellen. Zuwendungen an die gemeinnützige GNA können steuerlich geltend gemacht werden.

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