Trinkwasser als wichtige Ressource langfristig sichern

Brachttal
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Über den Schutz des Grundwassers und die gleichzeitige Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in der Region sprach Landrat Thorsten Stolz (SPD) mit zwei Vertretern des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Brachttal.

Vorsitzender Lothar Schramm und Kassierer Ferdinand Junius wenden sich im Namen des OGV – ebenso wie der Main-Kinzig-Kreis – an das Regierungspräsidium in Darmstadt, um auf den seit Jahren sinkenden Grundwasserspiegel aufmerksam zu machen und der Sorge Ausdruck zu verleihen, dass ohne eine entsprechende Anpassung der Wasserförderung und anderer Maßnahmen massive Schäden für Flora und Fauna drohen. Der Main-Kinzig-Kreis hat zu diesem wichtigen Thema bereits eine elf Punkte umfassende Stellungnahme zu den Wasserrechtsanträgen des Wasserverbandes Kinzig formuliert. Dabei geht es um die Gewinnungsgebiete Brachttal-Neuenschmidten und Birstein-Kirchbracht/Illnhausen.

„Der Obst- und Gartenbauverein kümmert sich seit vielen Jahren hervorragend und erfolgreich um die Pflege und den Erhalt der Kulturlandschaft im Bereich Brachttal. Dazu gehören auch alte Obstbaumsorten auf Streuobstwiesen. Der Schutz des Grundwassers ist uns im Main-Kinzig-Kreis ebenso wie dem Obst- und Gartenbauverein ein wichtiges Anliegen. Aber auch die sichere Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser muss gewährleistet werden“, erklärte Landrat Thorsten Stolz. „Ziel ist angesichts des immer mehr zu spürenden Klimawandels auch bei uns im Main-Kinzig-Kreis eine klimafeste Trinkwassergewinnung, die unsere Grundwasser-Ressourcen schont“, sagte Landrat Stolz.

Einig waren sich Lothar Schramm, Ferdinand Junius und Thorsten Stolz auch darin, dass das Thema Wassersparen gerade von der Mainmetropole Frankfurt viel stärker in den Blickpunkt gerückt werden muss. Ebenso müsse Frankfurt selbst mehr eigene Brunnen reaktivieren und nutzen, verstärkt Oberflächenwasser aufbereiten und dürfe sich nicht allein auf Wasserlieferungen von außen verlassen. „Wir brauchen ein verstärktes Monitoring bei der Wasserförderung und die Begrenzung der Wasserrechte auf maximal 20 Jahre. Darüber hinaus ist eine fortlaufende Überwachung der Grenzgrundwasserstände erforderlich“, so Landrat Stolz. „Die beantragten und festgelegten Grenzgrundwasserstände müssen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens, aber auch im laufenden Förderbetrieb stärker auf schädliche Folgen für Natur, Umwelt und die betroffenen Siedlungsflächen untersucht werden“, stellte der Landrat fest. Hier machten die beiden OGV-Vorstandsmitglieder darauf aufmerksam, dass es noch keine Grenzgrundwasserstände für das gesamte Gewinnungsgebiet Neuenschmidten gibt, lediglich für ein Viertel des Gewinnungsgebietes für die Brunnengruppe Neuenschmidten Süd in Brachttal-Schlierbach. Hier fordert der OGV den Wasserverband Kinzig auf, solche Grenzgrundwasserstände für das gesamte Gebiet festzulegen und das RP in Darmstadt werde aufgefordert, bis dahin lediglich eine „gehobene Erlaubnis“ zu erteilen. Der OGV sieht hier eine deutlich kürzere Vertragslaufzeit als unabdingbar an, weg von einer Bindung über 20 bis 30 Jahre hin zu einer maximalen Laufzeit von fünf Jahren, bei ständiger Überprüfung der Situation. Das gelte auch für die Fördergebiete der Gemeinde Birstein in Kirchbracht und Illnhausen. „Wichtig ist uns überdies, dass der Wasserbezieher auch nachweisen muss, dass er Einsparungen vornimmt“, unterstreicht Lothar Schramm.

In diesem Zusammenhang bekräftigten Landrat und OGV-Vorstandmitglieder, wie wichtig es sei, dass das Thema Wasser von der gesamten Region als solches wahrgenommen und thematisiert werde. „Unsere gesamte Region muss hier gemeinsam anpacken und Konzepte umsetzen. Entweder durch neue technische Lösungen, aber auch durch mehr Aufklärung und einem bewussteren Umgang mit der Problematik. Durch den Klimawandel müssen wir für die nächsten Jahrzehnte auf vielen Ebenen umdenken“, sagte der Landrat. Da sei es wichtig, dass alle Akteurinnen und Akteure vor Ort gemeinsam agieren. Einig waren sich Lothar Schramm, Ferdinand Junius und Landrat Thorsten Stolz zudem darin, dass es klare Vorgaben durch die Landes- und Regionalplanung geben müsse. Das Wachstum der Region könne nicht durch ein Mehr an Grundwasserförderung kompensiert werden, sondern es brauche beispielsweise eine strikte Vorgabe für die Umsetzung von Grauwasserkonzepten, also die Aufbereitung von Dusch- und Waschwasser, so Schramm, Stolz und Junius übereinstimmend.

Lothar Schramm erläuterte, dass ein weiter absinkender Grundwasserspiegel für die Obstbäume problematisch sei. Zwar könne dies zum Teil kompensiert werden, indem robusten Arten gepflanzt werden. Dennoch hätten die Obstbäume wegen wiederkehrenden trockenen Sommer seit 2018 erhebliche Probleme. „Die Folgen sehen wir in kompletten Ernteausfällen und an dem Leiden der Bäume. Wir nennen es Trockenstress: Das Wachstum junger Bäume stellt sich ein, ältere Bäume werfen schon im Sommer ihre Blätter ab“, sagte Lothar Schramm. Hier sei es fatal, wenn die Wasserförderung im Bereich Brachttal unverändert fortgesetzt werde. Ihren Unmut machen die Brachttaler Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins in einem Schreiben an das Regierungspräsidium in Darmstadt deutlich.

Als ein wegweisendes, innovatives und vor allen Dingen zukunftsfähiges Projekt bezeichnete der Landrat die konkreten Pläne für den Bau einer Wasseraufbereitungsanlage, die der Wasserverband Kinzig bis zum Jahr 2030 am Stausee bei Ahl realisieren will. Dort soll aus Oberflächenwasser Trinkwasser gewonnen werden. „Das wird ein wichtiger Beitrag zur Schonung der Grundwasser-Ressourcen in der Region sein“, sagte Landrat Thorsten Stolz. Der Wasserverband Kinzig sei bei diesem Thema in der Pflicht, er sei sich dieser Verantwortung aber auch bewusst. „Diese Thematik wird uns in den kommenden Monaten und Jahren beschäftigen und wir arbeiten gemeinsam daran, gute Lösungen umzusetzen“, sagte der Landrat abschließend.

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Landrat Thorsten Stolz (links) sprach mit den Vorstandsmitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins Ferdinand Junius und Lothar Schramm (rechts) über die Problematik der ressourcenschonenden Trinkwassergewinnung in der Region. Einig waren sie sich darin, dass durch das Land Hessen striktere Vorgabe zum Wassersparen, der Umsetzung von Grauwasserkonzepten und der Aufbereitung von Oberflächenwasser gemacht werden müssten, um das Grundwasser zu schonen.


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