Grundwasserförderung für Frankfurt und Umgebung läuft ohne Genehmigung weiter

Brachttal
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Bereits Ende des Jahres 2021 hatten die Freien Wähler Brachttal (FWB) einen Hilferuf in Form eines offenen Briefes an alle Landtags- und Kreistagsfraktionen, an den hessischen Ministerpräsidenten, die Oberbürgermeister von Hanau und Frankfurt sowie an das Regierungspräsidium Darmstadt adressiert.

„Zu diesem Zeitpunkt haben wir uns auf das Genehmigungsverfahren zur Wasserförderung durch den Wasserverband Kinzig in Brachttal und die Erfahrungen aus den vergangenen Trockenjahren bezogen – ohne wissen zu können, dass der Sommer 2022 eine der größten Dürreperioden für Europa werden würde“, teilt Enrico Detzer, stellvertretender Vorsitzender der Freie Wähler Brachttal und einer der damaligen Verfasser des Schreibens mit.

"Wirklich passiert ist bisher nichts, obwohl die Proteste, nicht nur in Brachttal zurecht zunehmen, auch bedingt durch die extreme Trockenheit des Sommers. Die Grundwasserförderungen durch den Wasserverband Kinzig in Brachttal und Birstein laufen derweil unvermindert und trotz fehlender Genehmigungen einfach weiter. In einigen Kommunen wurde der Wassernotstand ausgerufen, woanders die Schifffahrt reduziert oder gar unterbrochen. Konkrete Maßnahmen mit einem gewissen Weitblick sind nicht zu erkennen. Wir bedauern es sehr, dass es bisher von dem hessischen Landtag und den Regierungspräsidium Darmstadt keine klaren Bekenntnisse und Vorgaben für Veränderungen sowie Fördermaßnahmen in der Wasserwirtschaft gibt. Wir erinnern an unsere zwölf Forderungen im offenen Brief, darunter auch die Genehmigungsdauer auf acht Jahre zu begrenzen, die Entnahmemenge so anzupassen, dass eine Erholung der Grundwasserbestände möglich ist, und dass der Gesetzgeber den Kommunen die Auflage macht, den Trinkwasserverbrauch aus Grundwasser zu reduzieren“, stellt Torsten Gast von der FWB-Fraktion die Forderungen nochmals heraus.

Christian Klas, Fraktionsvorsitzender der FWB: „In unserem Wahlprogramm zur Kommunalwahl im Jahr 2021 haben wir angeführt, uns für eine klimafeste Trinkwasserversorgung einsetzen zu wollen. Dies setzen wir auf der kommunalen Ebene um! Wir haben im Gemeindeparlament Anträge bezüglich einer verbesserten Zisternenförderung in Brachttal sowie die Erstellung einer Regenwasseranlagenzuschusssatzung (Zisternen) gestellt und möchten die Thematik auf die Ebene des Ortsrechts erheben. Der Antrag auf Erstellung einer Regenwasseranlagenzuschusssatzung wurde übrigens einstimmig angenommen. Die Freien Wähler Brachttal sind überzeugt, dass ein vorübergehender Wassernotstand die Problematik nicht beheben kann und wird. Nach unserer festen Überzeugung braucht es Kampagnen der Land- und Kreistage im Rahmen von Klimatagen und Klimaprojektionen, die den Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeiten zu Wassereinsparungen aufzeigen und kleine sowie große Sparmaßnahmen fördern. Es bedarf aber auch grundlegender Veränderungen der gesetzlichen Vorgaben in den Bereichen Dauer von Wasserentnahmegenehmigungen und Monitoring der Umwelteinflüsse sowie Nutzung von Oberflächenwasser. An dieser Stelle sind Stichworte wie Regenrückhaltebecken, Betriebswasser und Gießwasser zu nennen. Mit kurzzeitigen Maßnahmen kommen wir nicht zum Erfolg und einer Erholung der Grundwasserstände. Ein Blick auf die Seite des HLNUG (Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie hilft.“

Hier heißt es: „Nach einem viel zu trockenen Mai und einem zu trockenen Juni fiel der Juli als dritter Monat des hydrologischen Sommerhalbjahres (Mai – Oktober) erheblich zu trocken aus. Der Jahreszeit entsprechend findet unter den aktuellen Witterungsbedingen keine Grundwasserneubildung mehr statt. So wurde Ende Juli an 85 % der Messstellen fallende Grundwasserstände registriert. Nur noch an 5 % der Messstellen stiegen die Grundwasserstände noch weiter, was auf die verzögerte Reaktion der betreffenden Grundwasserleiter auf das Witterungsgeschehen zurückzuführen ist ... Aufgrund der andauernden Trockenheit sind die Anteile der bezüglich der Grundwasserstände unterdurchschnittlich und sehr niedrig klassifizierten Messstellen im Verlauf des Julis weiter deutlich angestiegen und liegen Ende des Monats höher als in den letzten vier Jahren… Die aktuellen Defizite sind weniger auf den Witterungsverlauf des Jahres 2022, sondern immer noch zum großen Teil auf das hohe Niederschlagsdefizit des extrem trockenen Jahres 2018 zurückzuführen.“

Das Umweltbundesamt führt in seinem Abschlussbericht 174/2021 „Niedrigwasser, Dürre und Grundwasserneubildung – Bestandsaufnahme zur gegenwärtigen Situation in Deutschland, den Klimaprojektionen und den existierenden Maßnahmen und Strategien“ dazu aus: In Baden-Württemberg lag die Grundwasserneubildung in nahezu allen Jahren zwischen 2003 und 2015 unter dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1951 – 2010. Besonders geringe Neubildungsraten von weniger als dreiviertel des langjährigen Mittels traten in den Jahren 2003 sowie 2014 und 2015 auf. Eine vergleichbare Situation fand sich in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Bayern.“

Der Deutsche Wetterdienst mit Sitz in Offenbach veröffentlichte am 31.08.2022: „Wohl der trockenste Sommer in Hessen seit Beginn der Messungen. Extrem war das Wetter in Hessen auch im August, der mit 21,0 Grad Celsius der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen sein dürfte (langjähriger Mittelwert: 16,4 Grad Celsius). Nur knapp 15 Liter pro Quadratmeter Niederschlag fielen, damit war Hessen das trockenste Bundesland.“

„Wir haben also die vergangenen Trockenjahre im Bereich Grundwasserstände noch immer nicht überstanden und werden in den Folgejahren voraussichtlich auch das Jahr 2022 nicht überstanden haben. Deshalb sind dauerhafte und erfolgsversprechende Maßnahmen erforderlich. Ein weiter so, wie auch ein Abwarten und Zögern können wir uns in der Gesellschaft beim Umgang mit dem wertvollsten Lebensmittel der Welt nicht mehr erlauben,“ beendet Bernd Henkel, Ortsvorsteher aus Neuenschmidten, dem Hauptfördergebiet des Wasserverband Kinzig im südlichen Vogelsberg, die Mitteilung.


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