Landrat Thorsten Stolz (SPD) hat sich mit deutlichen Worten gegen die von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) geplanten Schließung der Ärztlichen Bereitschaftsdienst-Zentrale in Bruchköbel ausgesprochen (wir berichteten). „Dieser Plan steht im klaren Widerspruch zu den parallel laufenden Initiativen, um die medizinische Versorgung in der Fläche zu stärken und die Notaufnahmen zu entlasten. Das bringt uns nicht weiter, sondern schafft neue Probleme“, sagte Stolz.
„Ich bin über diese Entscheidung sehr irritiert. Während an vielen Stellen mit erheblichem Aufwand daran gearbeitet wird, die ärztliche Versorgung in der Fläche zu stabilisieren und den Rettungsdienst und die Notaufnahmen zu entlasten, soll hier ein wichtiger Baustein wegfallen. Das passt aus meiner Sicht nicht zusammen. Ich fordere deshalb eine Rücknahme der Entscheidung“, erklärte der Landrat, der über die geplante Änderung zum 31. Oktober dieses Jahres erfahren hat.
Stolz erinnerte an das erst kürzlich durch die Hessische Landesregierung und die Kassenärztliche Vereinigung gelobte Projekt „SaN“. Es steht für „sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung“. „Wir erleichtern die Arbeit von Notfallambulanzen, Rettungsdienst und niedergelassener Ärzteschaft. Unser Team dahinter wirft alles an Einsatz und Erfahrung in die Waagschale und treibt das SaN-Projekt voran, von der engmaschigen Zusammenarbeit zwischen unserer Leitstelle und dem Bereitschaftsdienst über die digitale Fallakte bis zur permanenten Überprüfung aller kleinen und großen Hürden“, erklärte der Landrat. „Was jetzt geplant ist, läuft all diesen Fortschritten zuwider. Die Folge wird der Rettungsdienst zu spüren bekommen, der als Klinik-Taxi genutzt wird. Die Patientinnen und Patienten werden es zu spüren bekommen, wenn sie einen Bereitschaftsdienst am Klinikum ansteuern, der mal eben für Zehntausende Menschen zusätzlich verantwortlich ist. Und die Folge werden die Ärztinnen und Ärzte zu spüren bekommen, die diesen Abbau an medizinischer Versorgung vor Ort ausbaden müssen. Das kann nicht im Sinne der KV sein.“
Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Ärztemangels und der hohen Belastung vieler Praxen sei es aus Sicht des Landrats nicht nachvollziehbar, bestehende Versorgungsstrukturen weiter zurückzubauen. Stattdessen brauche es verlässliche und wohnortnahe Angebote, um die medizinische Betreuung der Bevölkerung dauerhaft sicherzustellen.
Kritik äußerte der Landrat zudem an der Art und Weise der Kommunikation. Weder die Stadt Bruchköbel als Standortkommune noch der Main-Kinzig-Kreis als Rettungsdienstträger seien im Vorfeld eingebunden worden. Die Beschäftigten der Zentrale des Ärztlichen Bereitschaftsdiensts hätten nach Angaben des „Hanauer Anzeiger“ die Mitteilung per Mail erhalten. „So geht man mit Menschen und auch mit beteiligten Stellen nicht um. Das ist kommunikativ schlecht und inhaltlich weit weg von der Realität der Bürgerinnen und Bürger vor Ort“, kritisierte Stolz.
Der Landrat kündigte an, sich im Schulterschluss mit der Stadt Bruchköbel und den weiteren betroffenen Kommunen im Einzugsbereich für den Erhalt der Bereitschaftsdienst-Zentrale einzusetzen und das Gespräch mit den zuständigen Verantwortlichen zu suchen. Landrat Thorsten Stolz und Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun haben sich bereits am Wochenende das erste Mal darüber ausgetauscht und nächste gemeinsame Schritte besprochen.
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de

















