Ein Abend voller Geschichte: Alois Hofmann schenkt der Harmonie Bernbach einen Blick in Anfänge

Bernbach

Ein ganz besonderes Geschenk wurde der Harmonie Bernbach am vergangenen Freitag zuteil: Heimatforscher Alois Hofmann, gebürtiger Bernbacher und heute in Fulda wohnhaft, entführte die zahlreichen Gäste in der KlangFabrik auf eine spannende Reise durch die ersten hundert Jahre des 1879 gegründeten Chores.

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Die KlangFabrik, Gründungsort der Harmonie und seit 2019 auch wieder ihre Heimat, war sehr gut besucht. Mitglieder und Freunde des Vereins zeigten sich begeistert von Hofmanns kurzweiligem und zugleich höchst informativem Vortrag.

Von alten Protokollbüchern zur lebendigen Vereinsgeschichte

Den Anstoß zu diesem Abend gaben alte Protokollbücher, die vor einigen Monaten auf einem Speicher entdeckt und der Harmonie übergeben wurden. Da die frühen Einträge noch in Sütterlin verfasst waren – einer Schrift, die heute kaum jemand beherrscht – , wandte man sich an den „Fulder Bermicher“, wie sich Hofmann selbst augenzwinkernd nennt.

Der bekannte Heimatforscher hat sich mit zahlreichen Projekten um die Freigerichter Geschichte verdient gemacht, etwa mit der Ausstellung im Freigerichter Heimatmuseum "Tempora mutantur -Wie sich die Zeiten ändern", in der er historische und aktuelle Freigerichter Ortsansichten gegenüberstellte. In den Jahresblättern des Heimat- und Geschichtsvereines Freigericht und im Heimatjahrbuch des Alt-Kreises Gelnhausen "Zwischen Vogelsberg und Spessart" ist er regelmäßig als Autor vertreten.

Vom Gründungsgeist bis zum Jubiläum

Mit viel Liebe zum Detail spannte Hofmann den Bogen von der Gründung im Jahr 1879 bis zum 100-jährigen Jubiläum 1979. Deutlich wurde dabei, wie sehr gesellschaftliche und politische Entwicklungen das Leben im kleinen Bernbach beeinflussten.

Die Gründungsurkunde – heute nur noch als Kopie erhalten – legt in ihren Statuten fest, dass durch „engeres Aneinanderschließen der Mitglieder Vertrauen, Liebe und gute Gesinnung“ gefördert werden sollten. Dies sollte durch „Vortrag, Belehrung, Bildung sowie Gesang und Spiel“ erreicht werden.

Ein besonderes Highlight war das älteste Vereinsfoto von 1900, auf dem Hofmann nahezu alle Sänger identifizieren konnte – samt familiärer Verbindungen bis in die Gegenwart. Dank der regen Beteiligung aus dem Publikum entwickelte sich der Vortrag zu einem lebendigen Dialog voller Erinnerungen und Anekdoten.

Humorvolle Fundstücke aus der Vereinschronik

Für Schmunzeln sorgten manche Kuriositäten aus den Protokollen: So erhielt die Harmonie 1912 eine Urkunde für den 2. Platz beim Konkurrenz Singen des eigenen Festes zum 33jährigen Bestehen und 1914 wurde Jakob Huth zum „lebenslänglichen Kassierer“ gewählt. Im Protokoll der Hauptversammlung von 1920 heißt es zudem, dass nach der Probe der „gemütliche Teil“ begann – beim „Pempeln“, also dem gemeinsamen Leeren von 25 Bembeln, bis zum Morgengrauen.

Doch die Vereinsgeschichte kannte auch schwere Zeiten. In den 1920er Jahren mussten die Sänger jeweils ein Holzscheit zur Probe mitbringen, um den Saal zu heizen. 1923 beschloss man, zum Gedenken an verstorbene und gefallene Mitglieder jährlich einen Kirchgang abzuhalten – eine Tradition, die bis heute gepflegt wird.

Dank des in die USA ausgewanderten Förderers Kilian Aul konnte 1929 das 50-jährige Jubiläum groß gefeiert werden. Die dazugehörige Festschrift – inzwischen fast 100 Jahre alt – zählt heute zu den wertvollsten Dokumenten der Vereinsgeschichte.

Krieg, Neubeginn und Erfolge

Auch die Jahre des Nationalsozialismus gingen nicht spurlos an der Harmonie vorbei. Obwohl es in Bernbach anfangs nur wenige Parteigänger gab, kam es zu Denunziationen und sogar zu Aufrufen, das Vereinslokal „Zur Hoffnung“ zu stürmen, welches vom Vereinswirt Gottfried Huth den Nazis als Veranstaltungsort verwehrt wurde. Weitere mutige Harmonie-Mitglieder wie Karl Niedenthal und Siegfried Kempf stellten sich unter großer Gefahr gegen die Nazis, wie Hofmann im Hessischen Staatsarchiv recherchieren konnte. Besonders betroffen machte die Zuhörer der Bericht über den Sänger Ludwig Peter Seikel, der in Hadamar von den Nazis ermordet wurde. Von über 40 Bernbacher Opfern dieser schrecklichen Zeit waren etwa die Hälfte Sänger aus den Reihen der Harmonie.

Nach Kriegsende durfte der Verein bald wieder aktiv werden. Unter Chorleiter Philipp Remle aus Rumpenheim, der bereits vor dem Krieg dirigierte, blühte die Harmonie neu auf. Theateraufführungen, regelmäßige Jubiläumsfeste und erfolgreiche Teilnahmen an Chorwettbewerben – etwa 1958 in Semd im Odenwald – stärkten das Gemeinschaftsgefühl und machten den Chor überregional bekannt.

Unvergessen blieb auch die Fahrt nach Berlin im Jahr 1962 – mitten durch die damalige „Zone“ – , von der noch heute mit leuchtenden Augen erzählt wird.

Ein Abend voller Dank und Erinnerung

Mit großem Applaus dankten die Besucher Alois Hofmann für seine eindrucksvolle Zeitreise durch die Vereinsgeschichte. Vorsitzender Daniel Adam schloss sich dem Dank im Namen der gesamten Harmonie an.

Bei einem gemütlichen Ausklang am Tresen wurden anschließend noch viele weitere Geschichten rund um den Verein geteilt – ein gelungener Abend, der eindrucksvoll zeigte, wie lebendig Geschichte sein kann.

Ausblick auf nächste Veranstaltungen in der KlangFabrik

Am 7. November findet in der KlangFabrik die nächste Veranstaltung statt, wenn die Band „BoNMuTo“ mit Covermusik in EigenArt live zu hören sein wird. Der Eintritt ist frei, aber die Band wird einen Hut durch die Reihen gehen lassen und die Spenden dem Verein „Die Sternschnuppen e.V.“ zugutekommen lassen. Einlass ist ab 18 Uhr.

Weiter geht’s dann in der KlangFabrik am Freitag, dem 14.11.2025 um 19:00 Uhr mit einem gemütlichen Biertasting-Abend. Biersommelier Andreas Heider wird dabei einige Biersorten vorstellen. Der Preis, inklusive einer kalten Essensplatte beträgt 25.00 €. Anmeldungen können Freunde von Hopfenaromen und der Harmonie gerne an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bis 7.11.2025 abgeben.

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