Zum 151. Geburtstag von Adolph Amberg findet im Rahmen der 1025 Jahrfeier in Neuses eine Ausstellung im Pfarrheim statt.
Zum 151. Geburtstag von Adolph Amberg findet im Rahmen der 1025 Jahrfeier in Neuses eine Ausstellung im Pfarrheim statt.
Adolph Amberg, Maler, Modelleur und Bildhauer, geboren am 31. Juli 1874 in Hanau, begann seine künstlerische Ausbildung in der Silberschmiede der dortigen Zeichenakademie. Nach Studienaufenthalten in Paris und Rom kam er Anfang des 20. Jahrhunderts als Meisterschüler an die Berliner Kunstakademie. Seine Entwürfe, zumeist im Auftrag der Silberwarenfabrik Bruckmann, Heilbronn, wo er die ersten Berufsjahre verbrachte und künstlerisch gefördert wurde, erzielten Preise auf internationaler Bühne. Dieser herausragende Künstler wurde mit der Ausmalung des Kirchenneubaus St. Wendelin in Neuses beauftragt. Ein Glücksfall für die Gemeinde und ihre Kirche, ein gradliniger, schnörkelloser Bau, errichtet um die Jahrhundertwende auf einer Anhöhe in der Dorfmitte.
Wie kam es dazu? Der neuen Kirche stand Kurator Maximilian Hilden vor; mit ihm befreundete sich Amberg bei seinen Besuchen in Neuses, wo seine Mutter nach Jahren in Hanau bis zu ihrem Tod 1927 lebte. Hier fand Amberg eine vertraute Umgebung, hier hatte er als Kind viel Zeit verbracht. Für das neue Gotteshaus entwarf er Fresken mit Motiven und Ornamenten des bäuerlichen Lebens, Ähren, Trauben und Weinlaub umrankten den Chor und die Wände mitsamt der Orgel vom Boden bis hinauf zur Decke, ein Fest für die Sinne zur Feier der Schöpfung. Nichts von alledem ist erhalten. Die Ausmalung der Kirche fiel Anfang der 1950er Jahre ihrer Renovierung zum Opfer. In der Taufkapelle mit dem Taufzeremoniell in lebensgroßen Wandbildern wurde die neue Heizung installiert.
Erhalten und berühmt geworden ist dagegen ein anderes Werk des Künstlers Adolph Amberg, der vielteilige „Hochzeitszug für den Kronprinzen“. Abgesandte verschiedener Kulturen überbringen dem Brautpaar Geschenke. Die einzelnen Figuren erscheinen in kraftvoller und geschmeidiger Bewegung. Nur spärlich bekleidet - wie auch Braut und Bräutigam – huldigen sie dem Paar und laden ein zum Tanz. Der Kaiserhof aber fand keinen Gefallen an Ambergs Entwurf, er galt als zu freizügig. Darauf erwarb die Königlich-Preußische Porzellanmanufaktur (KPM) Berlin, die Rechte und formte den „Hochzeitszug“ in ‚weißem Gold‘, wie das kostbare Material genannt wurde. Erst später erhielten die Figuren ihre Farbigkeit. Teile des ‚Hochzeitszugs‘, der als Ambergs Hauptwerk gilt, brachten ihm auf der Weltausstellung in Brüssel 1910 eine Goldmedaille ein.
Auf der Höhe seines Schaffens, noch nicht 40 Jahre alt, wurde Adolph Amberg am 3. Juli 1913 tot im Berliner Grunewald aufgefunden. Geklärt sind die Umstände seines Todes nicht, man geht von Selbstmord aus. Sein Grab im späteren Ostteil der Stadt ist verschollen, seinen Platz in der Kunstwelt hat er indes gefunden. Schloss Philippsruhe in Hanau sowie führende Häuser mit Sammlungen aus der Epoche des Jugendstils zeigen seine Werke. Bettina Krogemann, Expertin für die Kunstrichtung, bezeichnet Adolph Amberg in ihrem 2020 erschienenen Beitrag als „Meister des deutschen Jugendstils“ (Sammler Journal, Sept. 2020).

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