Freigerichter droht Dialysezentrum: "Ich werde euch alle erschießen!"

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„Ich werde euch alle erschießen!“ Diese Drohung ging im Januar 2018 per Telefon im Dialysezentrum in Hanau ein. Anrufer war ein Mann aus Freigericht, der verhindern wollte, dass seine Tochter in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wird. Wenig später stürmte die Polizei seine Wohnung und fand tatsächlich zwei Schusswaffen. Jetzt saß der Mann auf der Anklagebank im Amtsgericht Gelnhausen und dabei überraschte vor allem sein Alter – er ist inzwischen bereits 96 Jahre alt.

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Der rüstige Rentner hatte allerdings keine Probleme, der Verhandlung zu folgen und räumte die Bedrohung auch gleich ein. Allerdings sei dies keinesfalls ernst gemeint gewesen, vielmehr habe er sich in einem psychischen Ausnahmezustand aufgrund der chronischen Krankheit seiner Tochter befunden. Kurz nach der Drohung rief er übrigens noch einmal im Dialysezentrum in Hanau an, „es war so eine Art Entschuldigung“, sagte einer der Ärzte vor Gericht aus.

Die Polizei war da aber bereits informiert und hatte auch schnell rausgefunden, dass der 96-Jährige als ehemaliger Jäger tatsächlich im Besitz von Waffen sein könnte. Schon ein Jahr zuvor war gegen ihn wegen Bedrohung ermittelt worden, damals hatte er angekündigt: „Falls die Polizei die Tür öffnet, passiert etwas.“ Nach seiner Ankündigung, alle Waffen abzugeben, wurde dieses Verfahren gegen ihn eingestellt. Aber: Zwei Waffen waren angeblich verschwunden. Eine eidesstattliche Versicherung über den Verbleib von Pistole und Flinte musste er bei der Kreiswaffenbehörde allerdings nicht abgeben, was wiederum Oberamtsanwältin Birgit Seifert-Schmid von der Staatsanwaltschaft Hanau wunderte: „Sogar beim Verlust eines Führerscheins wird das immer verlangt.“

Als die Polizei am 4. Januar 2018 an der Wohnanschrift des Freigerichters ankam, trat er unbewaffnet vor die Tür und wurde von den Beamten vorläufig festgenommen. Und nach einer Nacht in Gewahrsam verriet er auch, wo sich die beiden Waffen befanden: Eine Pistole hatte er in einem verschlossenen Nachtschränkchen aufbewahrt, eine Flinte war hinter einer Abdeckung im Wohnzimmerschrank versteckt. „Ohne seine Mithilfe hätten wir das Gewehr vermutlich nicht gefunden“, hatte ihn ein Kripobeamter zur Unterstützung überredet. Reichlich Munition stellte die Polizei bereits direkt nach der Festnahme in der Wohnung sicher.

In der Verhandlung blieb der Freigerichter aber bei seiner Überzeugung, dass es sich bei Flinte und Pistole um Dekorationsstücke handele, für die er einen Käufer gesucht habe. „Ich bin kein Waffennarr“, erklärte der 96-Jährige in seinem Schlusswort, der zum ersten Mal vor Gericht stand. Wegen versuchter Nötigung und vorsätzlichem unerlaubten Besitz von Schusswaffen und Munition wurde er zu 90 Tagessätzen á 25 Euro und somit einer Geldstrafe von 2.250 Euro verurteilt.

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