Streit um Freigerichter Gemeindewald ungelöst

Freigericht

Eigentlich waren sich die Freigerichter Lokalpolitiker ausnahmsweise einmal einig.

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„Es geht um den Naturschutz in unserem Wald“, begründete Klaus Brönner (CDU) im Planungs-, Struktur- und Umweltschutz einen Antrag seiner Fraktion, der die grundsätzliche Ausweisung von Waldprozessschutzflächen im Gemeindewald vorsieht, für die die Gemeinde Ökopunkte und somit letztlich auch Geld bekommen könnte.

Brönner sprach von zehn bis 20 Hektar, was bei den insgesamt 1.300 Hektar kaum ins Gewicht fallen würde. Damit hätten wohl auch die wenigstens Gemeindevertreter tatsächlich ein Problem. Die Abstimmung endete dann aber dennoch mit einem Patt, denn SPD, UWG und Bürger für Freigericht (BfF) hätten vorher gerne gewusst, welche Flächen genau ausgewiesen werden sollen.

In der Ausschusssitzung entwickelte sich ein Streitgespräch zwischen Reinhard Ebert, Bereichsleiter für Natur- und Umweltschutz bei der Stadt Rüsselsheim, und Christian Schäfer von Hessen Forst. Ebert stellte vor, wie er den Rüsselsheimer Stadtwald innerhalb von sieben Jahren aus der Verlustzone fast bis zu einer schwarzen Null umgekrempelt habe. „Vergessen sie alles, was sie mal als Förster gelernt haben“, stellte er ein Alternativmodell zu der klassischen Waldbewirtschaftung vor, wie sie von Hessen Forst im Freigerichter Gemeindewald praktiziert wird. Und dazu gehört eben auch die Verwertung von Ökopunkten, die die CDU auch gerne in Freigericht einsetzen würde.

Der Antrag sieht daher vor, kleine Inseln im Wald auszuweisen, in denen in Zukunft dauerhaft auf eine forstliche Nutzung verzichtet wird. Dafür gibt es dann Ökopunkte, die beispielsweise an Straßenbauverwaltungen oder die Deutsche Bahn verkauft werden können, falls diese für Projekte Ausgleichsfläche schaffen müssen. „Was für die Natur gut ist, ist auch für die Bevölkerung gut“, sieht es die CDU laut Brönner nur als netten Nebeneffekt an, dass die Gemeinde damit auch noch die Haushaltskasse aufbessern könnte. „Ich glaube zwar nicht, dass es unbedingt notwendig ist, aber damit kann ich leben“, signalisierte Prof. Bernhard Fleckenstein (LFB/FDP) die Zustimmung seiner Fraktion, auch die Grünen sind für die Ausweisung dieser Flächen.

„Sie vergleichen Äpfel mit Birnen, in Rüsselsheim gibt es eine ganz andere Lage, eine andere Ausgangsposition und auch eine andere Zielsetzung“, verteidigte Christian Schäfer von Hessen Forst die bisherige Vorgehensweise seiner Behörde. Der zuständige Revierförster Markus Betz hatte bereits im Vorfeld betont, dass auch bei der ganzheitlichen Bewirtschaftung immer wieder Bereiche entstehen, die der Natur überlassen werden und nicht extra ausgewiesen werden müssten. Der Hintergrund: Wurden für ein ausgewiesenes Gelände Ökopunkte kassiert, darf dieses mindestens bis zum natürlichen Untergang nicht mehr genutzt werden, sondern muss völlig sich selbst überlassen werden.

Diskutiert wurde auch darüber, welche Einnahmen sich tatsächlich erzielen lassen: Während Ebert zahlreiche Abnehmer für die Ökopunkte erwartet, hält Schäfer den Markt für schwach. Letztlich erhielt der Antrag aber nicht die erforderliche Mehrheit, weil die CDU auf eine Grundsatzentscheidung zur Ausweisung dieser Waldprozessschutzflächen bestand, die Vertreter von SPD, UWG und BfF aber dies gerne präzisiert hätten. Am 3. Mai wird nun die Gemeindevertretung endgültig über diesen Antrag entscheiden.


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