Vor dem Bürgerentscheid am Sonntag in Freigericht zur Prüfung von Windkraftanlagen meldet sich der Verein "Gegenwind Bad Orb" mit einer Pressemitteilung zu Wort.
"Der bevorstehende Bürgerentscheid im Freigericht zu Windkraftanlagen im Wald findet in der Presse ein starkes Echo. Für und Wider werden ausführlich diskutiert. Sieht man von Einzelaktionen, wie das Überkleben von Plakaten oder Angriffen auf Persönlichkeiten, statt Wiederlegen von Argumenten ab, verläuft die Meinungsbildung im Rahmen eines gesunden demokratischen Prozesses. Viele Menschen verbinden damit die Hoffnung, sie könnten mit der Befürwortung von Windrädern im Freigerichter Wald einen wichtigen Beitrag hin zur CO₂-freien Energieversorgung leisten. Ist das der Fall? Die Windkraftwerke in Deutschland trugen 2021 zusammen 3,5 Prozent zum Primärenergiebedarf bei. Dieser Beitrag ist jedoch nie bedarfsgerecht. Er muss stets durch regelbare und nachhaltig liefernde Kraftwerke (Gas, Kohle, Kernenergie, Biomasse, Wasserkraft) abgesichert werden. Bis vor dem Angriffskrieg Russlands in der Ukraine war der Ausstieg aus Kernenergie und Kohle und dafür Bau von ca. 80 neuen Gaskraftwerken erklärte Politik. Der Bedarf an elektrischer Energie wird weiter steigen, Stichwort Elektro-Autos. Damit steigt auch der Pufferbedarf an flexiblen grundlastfähigen Kraftwerken. Selbst ein massiver Ausbau der Windenergie (von den negativen Auswirkungen auf Menschen und Natur ganz zu schweigen) ist aufgrund der zufälligen Schwankungen der Erzeugung kein Ersatz für Grundlastkraftwerke. Wind- und Photovoltaikanlagen sind bekanntlich abhängig vom Wetter. Gerade im Winter, bei hohem Energiebedarf, können sie oft wochenlang kaum liefern. Das Ergebnis sind Doppelstrukturen bei den Stromerzeugern und bei den Stromverteilungsanlagen. Speicher in den benötigten Größenordnungen stehen in den nächsten Jahrzehnten nicht zur Verfügung (auch Wasserstoff ist nur ein Speichermedium). Gas wurde als nachhaltige Übergangsenergiequelle deklariert und in die europäische Taxonomie aufgenommen. Nachdem Russland immer weniger Gas liefert, tritt Bundeswirtschaftsminister Habeck in Katar als Bittsteller auf. Es werden LNG (Liquid Natural Gas) -Terminals in kürzester Frist genehmigt und die beiden ersten sollen in Deutschland bereits zur Jahreswende in Betrieb gehen. Bei der Nutzung von flüssigem Erdgas wird Methan freigesetzt, das eine 86-Mal stärkere Klimawirkung als CO₂ hat. Ein echter Klimakiller", so der Verein aus Bad Orb.
Und weiter: "Anstatt mit einem massiven Ausbau von Windkraftanlagen Menschen, Natur und Wirtschaft noch mehr zu belasten und die Abhängigkeit von Gas aus Russland in andere Länder zu verlagern, gibt es wirkungsvolle Möglichkeiten, die uns auch weniger von Ausland abhängig machen: Weiterbetrieb der drei verbliebenen Kernkraftwerke und Wiederinbetriebnahme der am Jahresanfang abgeschalteten drei weiteren Kernkraftwerke. Die drei noch im Betrieb befindlichen Anlagen liefern jährlich ca. 33 Terrawatt Strom was der Jahresproduktion von 68 Prozent aller deutschen Solaranlagen entspricht. Jedoch ist der Strom aus den Kernkraftwerken immer verfügbar, wenn er benötigt wird. Trotz der Unkenrufe aus Politik und Wirtschaft ist der Weiterbetrieb technisch möglich. Anstatt amerikanisches Fracking-Gas teuer und mit schlechter Ökobilanz zu importieren, könnte auch bei uns Gas gefördert werden. Deutschland verbraucht derzeit ca. 100 Milliarden Kubikmeter. Unterhalb Deutschlands liegen in Schiefergestein ca. 2,3 Billionen Kubikmeter Gas, das mit Fracking genutzt werden könnte. Fracking wurde 2016 in Deutschland aus politischen Gründen verboten. Die Regierung will nun als Ersatz zum fehlenden Gas Kohlekraftwerke wieder anfahren bzw. länger in Betrieb halten. Dem Klima helfen würden CO₂-freie Kohlekraftwerke durch CO₂-Abscheidung und -Speicherung (CCS). In USA, Kanada, Norwegen, Island, China und Indien existieren laufende CCS-Projekte. In Deutschland wurden CCS-Projekte 2012 aus politischen Gründen verboten, u.a. auch auf Druck des jetzigen Wirtschaftsministers Habeck. Die deutsche CCS-Anlage wurde stillgelegt und nach Kanada verkauft. Selbst der IPCC (Intergouvernemental Panel on Climate Change) empfiehlt die Nutzung von Kernenergie und CCS. Das Fördern neuer Kernkraftwerkstechnologien, die inhärent sicher sind und ohne langlebige Rückstände aus abgebrannten Brennelementen Strom produzieren. Mittelfristig könnten sie sogar Endlager überflüssig machen. Die Energieeffizienz ist etwa 1000-mal größer als die der Erneuerbaren Energien. Es würden Natur und Ressourcen geschont. Deutschland ignoriert diese vielversprechende Zukunftstechnologie und es gibt sogar ein Forschungsverbot für Kernenergie. Die Entwickler des Dual-Fluid-Reaktors, eine deutsche Erfindung, sind nach Kanada abgewandert."
Der Vereinsvorsitzende Heinz Josef Prehler: "Abschließend – und da sind sich sicher alle einig – gilt es Energie einzusparen. Dies führt zu einem spürbaren Effekt bei gleichzeitiger Ressourceneinsparung. Allein mit einer geringen Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs im Verkehr könnte mehr Energie eingespart werden als alle Windkraftanlagen Deutschlands liefern. Ist die Industrialisierung unserer Wälder mit Windkraftwerken mit einhergehender Belastung von Menschen und Natur das Opfer wirklich wert? Für eine CO₂-freie Zukunft wird es nie reichen. Wir sollten uns vielmehr der Realität stellen und uns auch in Deutschland – so wie in den allermeisten Ländern - alle möglichen Technologien zur Stromproduktion öffnen."
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