"Hochwasserproblematik ist keine Eintagsfliege"

Freigericht
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"Der Tag nach dem Maifeiertag ist vielen Freigerichtern noch in sehr schlechter Erinnerung: Volle Keller, überflutete Höfe, Sandsackschleppen, Pumpen, über Tage Dreck beseitigen trocknen", hat die Wählergemeinschaft „Die Freigerichter“ deshalb am 19. Juni eine Anfrage betreffs Hochwasserproblematik verfasst und laut eigenen Angaben fristgerecht im Rathaus eingereicht.

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"Doch sie steht aktuell nicht auf der Tagesordnung der kommenden Sitzung der Gemeindevertretung am 5. Juli. Auch hatte bereits Anfang Juni hat die Grünen-Fraktion eine Anfrage zum Thema Hochwasser gestellt, die man bisher vergebens auf Tageordnungen suchte, die aber wohl schon in einer Online-Zeitung beschrieben war. Wahrscheinlich hat man in der Verwaltung sehr viel Zeit oder wohnt auch nicht selbst vor Ort, um sich des Themas anzunehmen, das seit Jahren brennt“, befürchtet der Fraktionsvorsitzende Martin Pagitsch. Denn nun, bei den für vergangenen Samstag für den Abend und nachts angekündigten Unwettergefahren mit Starkregenproblematik, sei in Freigericht schon wieder so mancher höchst sorgenvolle Blick nach oben mit garantierter schlafloser Nacht gegangen, was da noch so alles kommen möge.

"Die ersten Sandsäcke waren da schon wieder herausgeräumt und platziert. Das kann doch so nicht weitergehen“, meinen „Die Freigerichter“ und machen ihre Anfrage hiermit öffentlich. Denn die sogenannten „Jahrhunderthochwasser“ seien in Freigericht mittlerweile Normalität geworden: "2021 wurde Freigericht als Modellprojekt für das Frühwarnsystem LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) vom Main-Kinzig-Kreis in der Presse angekündigt. Und nun will die Fraktion wissen, inwieweit dieses beim letzten Hochwasser bzw. allen bisherigen Starkregenereignissen in Freigericht hat warnen können? Denn es ist interessant zu erfahren, wo die entsprechenden Sensoren angebracht sind, wo diese Meldungen auflaufen, welche Konsequenzen man daraus zieht und welche Verbesserungen infolge dessen angestoßen wurden. Und wie ist der Sachstand der Planungen für ein vorgestelltes Wasserrückhaltebecken zwischen Neuses und Somborn? Gerade auf dem technischen Hochwasserschutz sollte wegen dessen enormer Effizienz ein großes Augenmerk liegen. Die Stadt Alzenau plant 17 (!) Stück, die wohl um die 7,7 Mio. € kosten, allerdings exklusive möglicher Fördermittel, die je nach Gefährdungslage vergeben werden. Es könne dort mit bis maximal 65 % gerechnet werden. In Alzenau will man in Grundstücksverhandlungen eintreten, um Flächen für mögliche Rückhaltebecken zu bekommen. Das sollte auch in Freigericht der Fall sein. Dann die nächste Frage: Hat die letzte Kanalüberwachung Problembereiche ermittelt? Eigentlich ist das Problem ist ein altes: Versiegelung von Bodenflächen, wobei der Regen überhaupt nicht mehr versickern kann, durch Ausweisung von Neubaugebieten, dann die Anschlüsse an ein kleines, altes Kanalnetz. Nach dem letzten Hochwasserereignis im August 2023 wurden Unterschriften in den betroffenen Straßen gesammelt. Die Grünen-Fraktion stellte im Gemeindeparlament einen Antrag zum Hochwasserschutz in Somborn. Gelder in Höhe von 1,3 Mio. Euro sind in den aktuellen Haushalt eingestellt. Ein Planer soll in der nächsten Zeit seine Arbeit aufnehmen. Aber bis hier etwas aktiv umgesetzt wird, wird es noch Jahre dauern. Wie sieht es generell mit der Kanalüberwachung in ganz Freigericht aus? Werden die Ergebnisse den parlamentarischen Entscheidungsträgern auch zur Kenntnis gegeben? Eine weitere Frage: Geben die Fließpfadkarten Erkenntnisse über Veränderungen des Wasserflusses? Dass es diese auch in Freigericht gibt, konnte ebenfalls der Presse entnommen werden. In Linsengericht beschäftigte sich ein Ausschuss damit und die Bürger können dort der Homepage entsprechende Informationen übernehmen. Das vermissen „Die Freigerichter“ in Freigericht, wie auch Mitteilungen über Erkenntnisse, Ergebnisse, Konsequenzen und Veränderungsvorschläge. Gibt es im Freigerichter Wald sogenannte Flutmulden? Beispiele im Main-Kinzig-Kreis gibt es dafür einige, die nicht nur rein auf dem Wald begrenzt sein müssen. Diese Senken im Gelände, die talabwärts angelegt werden, können Überflutungen und hohe Wasserstände schnell aufnehmen, trocknen aufgrund geringer Wassertiefe auch schnell wieder aus. „Die Freigerichter“ wünschen sich eine Aufstellung samt Lageplan unter Erörterung weiterer möglicher Flutmulden. Versiegelungen durch Neubaugebiete und die Nutzung/Trockenlegung ehemaliger Feuchtgebiete sind wirkungsvolle Behinderer des natürlichen Wasserkreislaufes. Die Mini-Pfützen des Dilgertsbaches auf 175 Meter Höhe sind wertvolle Rest-Versickerungsflächen aber nicht als Überflutungsschutz anzusehen. Ähnlich sieht es beim Galgenbach aus, auch wenn die deutlich größeren Teichanlagen auf rund 200 Meter Höhe eine bessere Wirkung vermuten lassen ist. Aber deren Einfluss auf die Wassermassen 50 Meter tiefer im Ort unwesentlich. Der Regen, der dazwischen runterkommt, braucht weitere Teichanlagen/Feuchtgebiete entlang der alten Bäche. Weitergehend könnte man deshalb das natürliche Umfeld der Bachläufe im nicht versiegelten Bereich in Richtung sogenannter „Schwammlandschaften“ verändern und als natürlichen Wasserrückhalt weiterentwickeln. Sind in den wiederholt betroffenen Ortslagen Flächen-Entsiegelungen oder Re-Naturierungen möglich? Es sind in der Vergangenheit natürliche Versickerungsweiher verschwunden, so kann gesättigter Boden in den Tallagen Freigerichts kein Wasser mehr aufnehmen, verrohrte Bachläufe sind Starkregen nicht mehr gewachsen. Da der Bauhof nicht überall sein kann: Gibt es bei vorhergesagter/angekündigter, deshalb bekannter Extremwetterlage beim Bauhof aktuell vorsorglich einen vorbeugenden Plan, um im vorneherein den Abfluss der Wassermassen zu beschleunigen bzw. weitere Folgen zum Nachteil und Schaden der Freigerichter Bürger gar nicht erst eintreten zu lassen (wie bereits bei einem früheren Bauhofleiter: sofortige Kontrolle aller Sinkkästen, nicht nur im üblichen Turnus; sofortige Kontrolle aller Rechen vor den unterirdischen Verrohrungen und schnelle Beseitigung des Treibguts, sofortige Kontrolle der Bachläufe mit Beseitigung von (Grün-)Müll- und Unratablagerungen)? Können Bauhof und Bürger über persönliche Ansprache und Pressemitteilungen weiter sensibilisiert werden, ihren Grünschnitt nach erfolgter Mahd zwecks Entsorgung nicht einfach an den Rand der Bachläufe zu lagern oder liegenzulassen oder gar hinein zu werfen? Bis die Vorschläge zur Entspannung nach Unwetterlagen und Starkregenereignissen (z.B. Kanalerweiterung und siehe oben) umgesetzt werden: gibt es schnelle, wiederkehrende Notfallpakete der Gemeinde für Landwirte und Bevölkerung im mittlerweile regelmäßigen, unwetterbedingten Schadensfall zur Überbrückung oder als Ersatz, bis evtl. Versicherungen wieder und wieder oder auch sehr verspätet bzw. gar nicht mehr bezahlen? Wie geht man in Zukunft bei der Neuausweisung bzw. Erweiterung von Neubau- und Gewerbegebieten und dem dann nötigen Anschluss an alte vorhandene, dafür aber nicht ausgerichtete Kanalrohre/-systeme um?", so "Die Freigerichter".

Das Problem seu keine Eintagsfliege und es seien nicht immer nur dieselben betroffen. „Die Freigerichter“ befürworten deshalb ein Hochwasserschutz-Konzept des Gemeindevorstands, wie mit „Jahrhunderthochwasser“ und den regelmäßigen Starkregenereignissen am Besten umgegangen werden kann: "Da das Rad nicht neu erfunden werden muss, könnte man Kontakt mit dem benachbarten Alzenau aufnehmen, die da schon viel weiter sind, da in anderen Bereichen die Zusammenarbeit wie z. B. bei der Windindustrie ja schon bestens klappt. Dann könnte man sich auch über mögliche Kosten informieren, die vorsorglich in den Haushalt eingeplant werden müssten."


Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de


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