Tod eines 45-Jährigen in Horbach scheint aufgeklärt

Freigericht

Der gewaltsame Tod eines 45-jährigens Mannes im Gänsewald bei Horbach im August 2011 scheint aufgeklärt. Die beiden Angeklagten legten gestern am zweiten Verhandlungstag umfangreiche Geständnisse ab. Demnach hat der 23-jährige Burak C. aus Hasselroth das Opfer erstochen, sein 24-jähriger Begleiter Orkan A. aus Freigericht war bei der Tat dabei, griff aber nach ersten Erkenntnissen zumindest nicht tätlich ein.

Harth & Schneider
Autohaus Koch
Sturmius Dehm Brennholz GmbH
Harth & Schneider

Und wie es derzeit aussieht, ging es bei der Auseinandersetzung auch nicht - wie erst vermutet - um ein Drogengeschäft, sondern lediglich um zwei Handys, die der Haupttäter vom Opfer zurückhaben wollte. Was sich im August 2011 abspielte, klingt genauso abenteuerlich wie filmreif. Burak C. sagte aus, das Opfer über einen Bekannten kennen gelernt zu haben. Als "Chaffeur" habe er ihn danach mit seinem Auto zunächst nach Aschaffenburg und später auch nach Hanau gefahren, wo das Opfer zwei Handys kaufen wollte, allerdings anscheinend nicht liqudige genug war. Also wurden die Handyverträge auf den Angeklagten C. abgeschlossen, die Telefone steckte allerdings wohl das Opfer ein.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich zwischen beiden bereits nach kurzer Zeit ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Der Opfer habe sich ihm gegenüber als "Mafiosi" ausgegeben, der schon so manche große Nummer "gedreht" habe, sagte C. aus. Dass der 45-Jährige erst kurz vorher aus dem Gefängnis, in dem er wegen mehrfachem Betrug eingesessen hatte, entlassen wurde, wusste der Hasselrother angeblich nicht. Und es gab Versprechen: Auf dem Konto des Angeklagten sollten 18 Millionen Euro zwischengelagert werden, eine Million Euro davon sollten für C. sein.

Doch dann kam alles ganz anders: Als der Angeklagte von seinem Bekannten erfuhr, dass auch er Handyverträge für das Opfer abgeschlossen hatte, wurde er zwar immer noch nicht misstrauisch, wollte aber zumindest mit dem 45-Jährigen darüber sprechen. Das gelang dann nach mehreren Anläufen am 30. August 2011. An diesem Samstag soll auch Orkan A. zum ersten Mal von dem dubiosen Geschäft erfahren haben - so haben es beide Angeklagte übereinstimmend ausgesagt. Der Freigerichter sollte seinen Freund zu einem Treffen in einer Spielothek im Ziegelhaus in Gelnhausen als "Rückendeckung" begleiten.

Ab der Spielothek vertröstete das Opfer die beiden Angeklagten. Zunächst ging es danach weiter zu einer Bank, um zu schauen, ob zumindest die 18 Millionen Euro inzwischen auf dem Konto von C. eingelaufen seien. Anschließend führte der 45-Jährige das naive Duo in sein Hotelzimmer, danach noch in ein anderes Hotel, wo sich angeblich sein Freund aufhielt. Aber von den Handys und erst recht vom Geld gab es weiterhin keine Spur.

Die Angeklagten fuhren mit leeren Händen wieder Richtung Heimat. "Da ist mir klar geworden, dass ich verarscht wurde", sagte C. aus und will mit seinem Freund spontan einen Plan geschmiedet haben, um dem Opfer eine Abreibung zu verpassen. Beide seien umgedreht und zurück nach Gelnhausen zum Opfer gefahren. Orkan A. habe sich fortan als Mittelsmann von Drogendealern aus Frankfurt ausgeben und von denen ausgerichtet, dass diese sich mit dem Opfer treffen wollen. Der 45-Jährige stieg ins Auto der beiden Angeklagten, die Fahrt ging zunächst zum Busbahnhof nach Neuenhaßlau. Dort warteten das Opfer und Orkan A., während C. in seine naheliegende Wohnung ging, um angeblich Drogen zu holen. Zurück kam er allerdings mit einer Tüte voll mit Kleidung, die die Drogen simmulieren sollten, sowie einer Gaspistole und einem Messer. Angeblich nur als Absicherung gegen den Mafiosi, wie er selbst aussagte.

Von Neuenhaßlau ging die Fahrt nach Horbach. Einen Kilometer lief das Trio in den Wald in Richtung Gondelteich, bevor Orkan A. vorgeschlagen habe, einen Joint zu drehen. C. und A. nahmen jeweils mehrere Züge, dann will C. das Opfer mit einem Schlag zu Boden gestreckt haben. Anschließend setzen bei ihm Erinnerungslücken ein, an die Tat selbst könne er sich nicht erinnern. "Was da passiert ist, kann ich immer noch nicht begreifen", bestritt er allerdings nicht, den Mann getötet zu haben.

Orkan A. hat weniger Erinnerungslücken: C. habe zunächst mehrfach auf das bereits am Boden liegende Opfer eingeschlagen und eingetreten. Anschließend habe er die Gaspistole neben das Gesicht des 45-Jährigen gehalten und abgedrückt. A. will seinem Freund, den er seit fünf Jahren kannte, die Gaspistole danach abgenommen haben. Dieser holte dann aber laut seiner Aussage das zirka 30 Zentimeter lange Messer aus der mitgeführten Tüte und stach mehrfach auf das Opfer ein. Mit einer Pause: A. will den Haupttäter kurz weggezogen haben, C. habe sich aber losgerissen und erneut zugestochen. Seinen Freund habe er in dieser Situation nicht mehr wiedererkannt: "Er hatte so eine Leere im Blick." Laut Staatsanwaltschaft wurde der 45-Jährige von mehreren Stichen in die Herzgegend getötet.

Nach der Tat liefen A. und C. zunächst zum geparkten Fahrzeug am Waldrand zurück, fuhren dann aber doch noch einmal mit dem Pkw in den Wald hinein und suchten das Opfer. Allerdings fanden sie angeblich den Tatort nicht mehr beziehungsweise Orkan A. dachte nach eigenen Angaben zunächst sogar, dass der 45-Jährige abgehauen sei. Er sagte aber auch aus, beim Herauslaufen aus dem Wald einen "Todesschrei" gehört zu haben.

Vom Wald fuhren beide danach zunächst zum Busbahnhof in Somborn, wo ein Handy des Opfers in einem Gullydeckel eines Supermarkt-Parkplatzes entsorgt wurde. Anschließend fuhren beide nach Hause. Am nächsten Tag ließ C. das Messer und die Gaspistole in einem Müllcontainer in Frankfurt verschwinden. 24 Stunden nach der Tag wurde er von der Polizei erstmals als Zeuge vernommen. Am nächsten Tag, inzwischen Montag, offenbarte sich Orkan A. seiner Familie und stellte sich der Polizei. Wenig später wurde auch C. verhaftet.

Zu Beginn ihrer Geständnisse bedauerte beide den Tod des 45-Jährigen und entschuldigten sich bei den Angehörigen. "Ich habe einen Menschen getötet, das kann ich nicht wieder gut machen", sagte der Angeklagte C. Die Verhandlung wird in der nächsten Woche fortgesetzt.


Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de


Thermo Sun
Harth & Schneider
Stadt Schlüchtern
VR Bank Main-Kinzig-Büdingen eG
Sturmius Dehm Brennholz GmbH

online werben

Höfler Fenster
Autohaus Koch
Autohaus Nix
CID

vogler banner

Evonik

vogler banner

Online Banner 300x250px MoPo 2