VfR Meerholz wehrt sich gegen "FC Corona"

Meerholz
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Die Fußballer des VfR Meerholz wehren sich dagegen, als "FC Corona" bezeichnet zu werden. Die BILD-Zeitung hatte der Fußball-Mannschaft diesen Titel verpasst, nachdem mehrere Corona-Fälle aufgetreten waren. Der Main-Kinzig-Kreis stellt zugleich klar, dass es rund um den Verein zu 14 Covid19-Infektionen kam und circa 400 Menschen in Quarantäne mussten und nicht wie es in einem "Boulevardmedium" stehe, so der Kreis in einer Pressemitteilung, zu 27 Fällen und 1.000 Isolationen kam.

Der VfR Meerholz hat unterdessen seine Mitglieder in einem Schreiben über den aktuellen Stand informiert. Nachfolgen der Text im Wortlaut:

"Liebe Mitglieder, Anhänger und Freunde des VfR 09 Meerholz, hinter uns liegt eine unfassbar komplexe Woche, die ihren traurigen Höhepunkt darin fand, dass wir und unsere von der Infektion oder den Quarantänemaßnahmen betroffenen Mitglieder von einer bundesweit bekannten Zeitung mit vier Buchstaben als „FC Corona“ verhöhnt wurden. Wir hatten uns von dem Interview Unterstützung und Hilfe erhofft. Das war wohl naiv, denn nicht zum ersten Mal haben Redakteure dieses Blatts nicht die 'Story' verstanden, sondern nur die reißerische Schlagzeile erkannt.

Um die Sachlage noch einmal klar darzustellen und die in der öffentlichen Diskussion teilweise völlig überzogenen Zahlen richtig einzuordnen, stellt der VfR 09 Meerholz klar: Im Nachgang der Meisterschaftsspiele am 6. September gegen den SV Altenmittlau und Melitia Roth wurden sechs Spieler des VfR 09 Meerholz positiv auf das Coronavirus getestet. Insgesamt mussten rund 70 Personen (Spieler der drei betroffenen Teams sowie einige weitere Anwesende, die einen näheren Kontakt zu den betroffenen Spielern hatten) anschließend für bis zu zwei Wochen in Quarantäne. Das Wichtigste dabei ist: Allen Beteiligten geht es den Umständen entsprechend und sie freuen sich auf das Ende der Quarantänezeit. Nach Angaben des Gesundheitsamts geschah die Ansteckung vermutlich schon im Vorfeld der Meisterschaftsspiele am 6. September. Bis die Infektion bekannt wurde, gab es weitere, private Veranstaltungen, auf denen der Virus weitergegeben worden sein kann. Der genaue Ablauf der Infektionskette ist dabei schwer nachzuverfolgen. Aber wer den VfR 09 Meerholz als 'FC Corona' für alle aktuellen Infektions- und Quarantänefälle im Main-Kinzig-Kreis verantwortlich zu machen, verzerrt die Wahrheit. Wir danken in diesem Zusammenhang auch dem Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises für die rasche und unkomplizierte Zusammenarbeit.

Jetzt aber richten wir den Blick voraus. Am Montag (21.9.) wird sich der geschäftsführende Vorstand des VfR 09 Meerholz nach Ablauf der Quarantänezeit mit dem Spielerrat treffen, um das aktuelle Stimmungsbild innerhalb der Mannschaft zu erfahren. Danach werden sich die Vorstandsmitglieder zu ergebnisoffenen Beratungen über das weitere Vorgehen zusammensetzen. Wir haben inzwischen Unterstützung von anderen Vereinen erhalten. Der TSV Wirtheim, Germania Rothenbergen, der SV Altenmittlau und der FSV Geislitz teilen unsere Bedenken. Wie wir aus unserem Umfeld erfahren, gibt es auch in anderen Vereinen neben Spielern, die gerne weiterspielen möchten (was wir akzeptieren), auch zahlreiche Kicker, die sich Sorgen machen und den Amateurfußball daher nicht unbeschwert genießen können.

Im Anschluss an unsere Sitzung werden wir an den Kreisfußballausschuss um Gerhard Pfeifer herantreten, um einen Dialog über das weitere Vorgehen zu starten. Wir haben in der Vergangenheit vertrauensvoll miteinander gearbeitet und sind zuversichtlich, auch in dieser schwierigen Situation einen für alle Seiten tragbaren Kompromiss zu finden. Ein Wort noch zum Hessischen Fußballverband (HFV), der in den vergangenen Monaten eine phantastische Arbeit geleistet hat. Wir bedanken uns bei HVF-Präsident Stefan Reuß, der uns noch am Abend der Veröffentlichung unseres Offenen Briefes direkt geantwortet und auch in den folgenden Tagen mehrfach Stellung bezogen hat. Dabei hat Stefan Reuß betont, dass sich der HFV an das Mehrheitsvotum der Mitglieder gebunden fühlt. Das ist eine vertretbare Einstellung, denn der Verband ist natürlich auch 'Diener der Vereine'. Er sollte aber auch Führungsarbeit übernehmen und nicht nur darauf hinweisen, welche große Belastung er den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Vereine aufbürdet, sondern auch auf die Bedenken dieser Vereinsvertreter aktiv eingehen und sich Maßnahmen überlegen, mit denen er sie entlasten will. So bleibt es uns ehrenamtlichen Mitarbeitern überlassen zu überlegen, ob und mit welchen Veränderungen ein Amateur-Fußballbetrieb in Corona-Zeiten aufrecht erhalten werden kann."

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