Corona in Kenia: Es trifft immer die Ärmsten

Höchst
Tools
Typographie
  • Smaller Small Medium Big Bigger
  • Default Helvetica Segoe Georgia Times

Peter Musomba und seine Frau Stephanie vom Gelnhäuser Verein Wir helfen in Afrika haben während der Corona-Pandemie alle Hände voll zu tun.

keniadieaermsten.jpg
keniadieaermsten1.jpg
keniadieaermsten2.jpg

Die beiden Mitglieder und Kontaktpersonen in Ukunda, Kenia, haben in den vergangenen Monaten im gesamten Kwale Distrikt insgesamt mehr als 112 Tonnen Lebensmittel verteilen lassen. Dabei stößt das Ehepaar immer wieder auf bedrückende Einzelschicksale. In einem Slum ganz in der Nähe zum Flugplatz von Ukunda etwa besuchten die beiden die Familie von Margaret Mutio und Josphat Musau. Sie sind Tagelöhner. Doch seit Beginn der strikten Kontaktsperren in Kenia finden sie kaum noch Arbeit. Die Familie hungert. Tragisch: Margaret Mutio ist so entkräftet, dass sie kaum noch Milch für ihre 15 Monate alten Zwillinge hat.

„Im Maweni-Slum leben etwa 200 Familien. Die meisten arbeiten als Tagelöhner auf den vielen Baustellen der großen Hotels“, berichtet Peter Musomba. Doch da kaum Touristen im Land sind, liegen alle Investitionen auf Eis. „Das bedeutet: Keine Arbeit, kaum Einkommen, kein Essen, große Not.“ Als er Margaret Mutio besucht, sitzt sie vor ihrer Hütte und klopft für die Bauwirtschaft Korallensteine klein. Ihr Mann Josphat Musau ist unterwegs und versucht verzweifelt, zumindest einen kleinen Helferjob zu ergattern. Doch es wird sein wie fast immer in den vergangenen Wochen: Kein Bedarf.

Inzwischen sind kaum Lebensmittel für den achtjährigen Erstgeborenen übrig. Das macht Margaret Mutio traurig. Richtig schlimm aber wird es, wenn sie ihren beiden 15 Monate alten Zwillingen in die Augen blickt. „Weil auch ich so gut wie nichts zu essen habe, gebe ich kaum noch Milch. Ich kann die beiden nicht stillen“, sagt sie verzweifelt. Auch Peter und Stephanie Musomba bricht der Anblick fast das Herz. „Wir drückten der Familie als erste Soforthilfe einige Shilling in die Hand. Damit konnte Margaret Mutio zumindest etwas Milch für ihre Kleinen kaufen“, berichtet Peter Musomba vom ersten Besuch im Maweni-Slum. Beim Besuch wenige Tage später dann hat er ein großes Lebensmittelpaket dabei. Es wiegt mehr als 20 Kilogramm und ist in ähnlicher Form in den vergangenen Monaten schon an Tausende Familien verteilt worden. „Insgesamt sind es mehr als 112 Tonnen Lebensmittel, die wir haben verteilen lassen“, rechnet Peter Musomba vor. Die Reaktion der Empfänger ist immer ähnlich, so auch bei Margaret Mutio und ihrer Familie: „Sie hat sich sogleich voller Freude ans Zubereiten des Frühstücks für die Kinder gemacht“, erzählt Stephanie Musomba vom frühmorgendlichen Besuch im Slum. „Das ist etwas Neues für die Kleinen. Denn auch außerhalb der Corona-Zeiten reicht das Einkommen der Familie eigentlich nie, um drei ganze Mahlzeiten zubereiten zu können.“ Die strahlenden Augen der Familie zu sehen, war für Peter und Stephanie Musomba einmal mehr sehr rührend.

Doch schon wenig später überwiegen bei den Vereinsmitgliedern in Kenia wieder die Sorgen. Denn einige Kilometer weiter, im so genannten White-House-Slum, benannt nach dem White-House-Markt, ist die Situation noch dramatischer als bei den arbeitslosen Tagelöhnern in Maweni. Dort haben die Menschen nicht nur keine Arbeit. Erst kürzlich vertrieb der Landbesitzer dutzende Familien. Er ließ die Hütten niederreißen. Wer nicht freiwillig ging, den misshandelten die Sicherheitskräfte. Auch diesen Familien hilft der Gelnhäuser Verein mit Lebensmittelpaketen. „Die Situation ist weiterhin sehr angespannt und lässt uns einerseits verzweifeln, andererseits mit noch mehr Entschlusskraft handeln“, so Peter Musomba. Gemeinsam mit den Freunden im Main-Kinzig-Kreis gelte es, die Situation für möglichst viele Menschen erträglich zu gestalten. Noch ist nicht absehbar, wann auch in Kenia erste Lockerungen greifen und sich die Lage vor allem für die Ärmsten wieder etwas entspannt. „Bis es soweit ist, werden wir nicht nachlassen. Solange wir Hilfe aus Deutschland bekommen, werden wir diese hier vor Ort auch leisten“, so Peter Musomba.

Wer ihm zur Hand gehen und dazu beitragen will, ihm in seinem Ansinnen zu unterstützen, kann dies mit einer Spende an den Verein „Wir helfen in Afrika, Iban DE59506616390007330073. Erstspender werden gebeten, ihre Post- oder E-Mailadresse mit anzugeben. Mehr im Internet: www.wirhelfeninafrika.de.

Foto: Margaret Mutio mit ihren 15 Monate alten Zwillingen und dem achtjährigen Erstgeborenen.
Foto: Steine klopfen für die Bauwirtschaft ist derzeit der einzioge Broterwerb, dem die Familie hin und wieder nachgehen kann.
Foto: Margaret Mutio mit ihren Zwillingen.

BLOG COMMENTS POWERED BY DISQUS

PS: Sind Sie bei Facebook? Werden Sie Fan von VORSPRUNG!