„Hallo Omi! Rate mal, wer dran ist!?“

Gelnhausen

„Seien Sie nicht traurig, wenn Sie eine halbe Stunde lüften und es kommt niemand.“

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Kriminalhauptkommissar Peter Bender verstand es glänzend, ein ernstes Thema ansprechend zu verpacken und das überwiegend weibliche Auditorium nicht weiter zu verunsichern. Denn beim Vortrag zum Weltfrauentag ging es in der Stadthalle Gelnhausen um Präventionsarbeit in den Bereichen Gewalt, Betrug und Raub. Auf Einladung der städtischen Frauenbeauftragten Heike Schmidt waren gut 30 Frauen und einige wenige Männer gekommen, um wertvolle Tipps für die eigene Sicherheit mitzunehmen. Und der Referent lernte vor allem eines: Sag einer Frau nie, auf welchen Inhalt ihrer Handtasche sie verzichten könnte…

Heike Schmidt ging in ihrer Begrüßung auf die Geschichte des Weltfrauentages und seine Bedeutung im Zusammenhang mit der Beachtung der Rechte von Frauen ein. „Es hat sich viel verändert, aber wir sind noch lange nicht angekommen.“ Sie hatte einen Strauß Rosen bereitgestellt, an dem sich die Gäste des Abends am Ende der Veranstaltung bedienen durften. Unter dem Motto „Vorbeugen, schützen, beraten“ bietet der Polizeiladen des Polizeipräsidiums Südosthessen mit seinen kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Offenbach und Hanau professionelle und kompetente Hilfe zur Prävention und Verhütung von Straftaten. Auch Vortragsveranstaltungen können gebucht werden. Im Zentrum des Abends im Kollegraum der Gelnhäuser Stadthalle standen Delikte, die vor allem Frauen betreffen. Zum einen, weil sie in der Regel diejenigen sind, die Handtaschen tragen, und weil sie die höhere Lebenserwartung haben und so im fortgeschrittenen  Alter nach dem Tod des Partners häufig alleine leben. Gerade der sogenannte „Glas-Wasser-Trick“ funktioniere besonders gut bei Frauen, weil hier an die Hilfsbereitschaft von Frau zu Frau und die Empathiefähigkeit des weiblichen Geschlechts appelliert werde, erläuterte Peter Bender. Bei diesem Delikt stehe eine Frau, in der Regel als Hochschwangere verkleidet, vor der Tür und bitte um ein Glas Wasser. Sie gebe vor, ihr sei übel und sie brauche Hilfe. Werde sie eingelassen, müsse sie sofort gestützt werden, was das Schließen der Haustüre schnell in Vergessenheit geraten lasse. Während die Hilfsbereite nun die „Schwangere“ in der Küche versorge, schlüpfe ein Komplize durch die geöffnete Tür und durchsuche die Räume nach Wertgegenständen. Nach diesem Muster funktionierten auch Delikte, bei denen eine Frau mit einem Kleinkind an der Hand klingele, und den Bewohner bitte, das Kind auf die Toilette zu lassen. „Wenn etwas passiert ist, sind wir hinterher alle schlauer. Deshalb ist Prävention so wichtig. Es gibt keine 100prozentige Sicherheit, aber wir sind den Umständen nicht schutzlos ausgeliefert“, versicherte Bender. Er ging im Laufe des Abends auch auf den Goldketten-Trick ein, bei dem jemand nach dem Weg frage und dem Auskunftsgeber zum Dank kurz um den Hals falle, woraufhin dieser den Verlust seines Halsschmuckes zu beklagen habe. Ganze Profibanden versuchten mit dem  sogenannten „Enkeltrick“  an das Ersparte älterer  Menschen zu kommen. Mit Einleitungssätzen wie „Hallo Omi, rate mal, wer dran ist…?!“ würden sie ihren Betrug beginnen, gaukelten den Senioren vor, ihr Enkelkind zu sein, das in einer finanziellen Klemme stecke und dringend Geld brauche.

„Betrügereien basieren auf Schnelligkeit und emotionalem Druck und zielen auf das Bedürfnis von Menschen ab, zu helfen“, weiß Bender aus Erfahrung. Auch der Handtaschenraub und Diebstähle von Wertsachen aus Handtaschen kamen zur Sprache. Für den Rat, das Portemonnaie nach Dingen zu durchforsten, die zum Beispiel beim abendlichen Ausgehen nicht gebraucht werden, erntete der Polizeibeamte verbale Gegenwehr. Der Vorschlag, die Krankenversichertenkarte zu Hause zu lassen, wurde heftig diskutiert. Weitere unterschätze Gefahrenquelle: das Lüften. Gerade in Ballungsräumen nutzten Diebe offenstehende Fenster, um in die Wohnung – meist das Schlafzimmer – zu gelangen. Gerade im Schlafraum fänden sie häufig Wertgegenstände. Der Diebstahl geschehe, während sich der Wohnungseigentümer in benachbarten Räumlichkeiten aufhalte.

Peter Bender gab den Zuhörerinnen immer wieder Gelegenheit Fragen zu stellen, wovon die Damen auch regen Gebrauch machten. Für weitere Fragen stehen die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen unter den Nummern 069/80981230 (Offenbach) und 06181100233 (Hanau) zur Verfügung. Nähere Infos gibt es auch unter www.polizei.hessen.de


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