DRK holt Auswanderin aus Spanien zurück in die Heimat

Gelnhausen
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Franziska Gündera ist mit 84 Jahren nach mehr als zwei Jahrzehnten in Spanien wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt und lebt jetzt in einem Pflegeheim in Biebergemünd. Die gebürtige Gelnhäuserin war Anfang der 90er Jahre nach Spanien ausgewandert. Dort war sie seit einigen Monaten in einer Pflegeeinrichtung untergebracht. Ihr größter Wunsch war es, wieder nach Hause nach kommen. Möglich gemacht hat das der DRK Kreisverband Gelnhausen-Schlüchtern. Die Initiative ging von Trudel Schmidt aus Molina de Segura aus. Birgit Böhm aus Höchst erledigte die nötigen Schritte.

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Ende Januar erreichte das DRK in Gelnhausen eine E-Mail von Trudel Schmidt aus Spanien. Sie hatte im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in einem Pflegeheim in Molina de Segura (Murcia) die 84 jährige Franziska Gündera kennen gelernt, die dort seit dem Sommer 2018 lebte und auf den Rollstuhl angewiesen war. Die Seniorin konnte sich dort nicht verständigen, da sie kein Spanisch spricht. Langsam baute sich ein Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Frauen auf. Trudel Schmidt erfuhr, dass die Rentnerin Verwandte in Gelnhausen hat, es waren aber keine Kontaktdaten mehr vorhanden. Ihr sehnlichster Wunsch sei es, wieder nach Hause zu kommen und in einer Pflegeeinrichtung im Kinzigtal untergebracht zu werden. Trudel Schmidt wollte gerne daran mitarbeiten, diesen Wunsch zu erfüllen und kontaktierte das Rote Kreuz.

Eine zentrale Aufgabe des DRK ist der Suchdienst, der Menschen hilft, ihre Angehörigen wieder zu finden und Familien wieder zu vereinen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen Millionen Menschen diesen wichtigen Dienst in Anspruch, um ihre vermissten Familienangehörigen wieder zu finden. Auch heute verzeichnet der Suchdienst verstärkt Anfragen von Menschen, die auf der Flucht von ihren Familien gentrennt wurden. Durch die aktive Unterstützung der Stadt Gelnhausen wurden in Höchst tatsächlich Angehörige von Franziska Gündera ermittelt. Ihre Nichte Birgit Böhm nahm sich gerne der Angelegenheit an. Sie berichtet, dass Franziska Gündera Anfang der 90er Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes zusammen mit ihrem Sohn nach Spanien ausgewandert ist. Zunächst lebten Mutter und Sohn in Alicante, zogen dann aber nach Molina de Segura, einem kleinen Ort im Südosten Spaniens in der Region Murcia. Im Januar 2018 starb der Sohn, Franziska Gündera blieb allein zurück. Sie verfügte weder über einen Führerschein noch über ein Auto. Darüber hinaus hatte sie sich nur geringe Spanischkenntnisse angeeignet. Die Häuser in Molina de Segura liegen verstreut, unmittelbare Nachbarn gab es nicht. Die Entfernung zur nächsten Einkaufsmöglichkeit betrug acht Kilometer. Die Seniorin war isoliert und mit der Situation überfordert. Dazu kam die Trauer über den Tod des einzigen Sohnes. Über all die Jahre hatte regelmäßiger Kontakt zu Birgit Böhm bestanden. Doch irgendwann im Jahr 2018 brach der Kontakt ab, das Handy von Franziska Gündera war nicht mehr zu erreichen, es gab keine Nachricht. Inzwischen wurden die Behörden in Spanien auf die Situation der Rentnerin aufmerksam, die bis dahin sich selbst überlassen war. Das Sozialamt sorgte für die Unterbringung in der „Residencia Nuestra Senora de Fatima“, einem Pflegeheim in Molina de Segura, das von Nonnen geleitet wird. Dort war Franziska Gündera gut aufgehoben, aber durch die fehlenden Sprachkenntnisse war es sehr schwierig, Kontakte zu knüpfen. Sie sehnte sich zunehmend nach ihrer Heimat. Trudel Schmidt, eine gebürtige Saarländerin, die vor 45 Jahren einen Spanier geheiratet und in der Region Murcia eine neue Heimat gefunden hatte, kümmert sich ehrenamtlich um die Bewohner des Pflegeheims. Sie hatte Mitleid mit der Rentnerin aus Deutschland, die stumm vor sich hin lebte. Ein Glücksfalls für Franziska Gündera, denn so kam die Initiative für die weite Heimreise in Gang.

Bei einem Besuch der Gelnhäuser Verwandten in Spanien wurde schnell klar, dass ein Flug nicht möglich war, sondern dass ein Transport in einem Krankenwagen notwendig war. Dank der Mitgliedschaft beim DRK KV Gelnhausen-Schlüchtern von Birgit Böhm aus waren die Modalitäten schnell geklärt. Nachdem alle Behördengänge erledigt und alle notwendigen Papiere vorhanden waren, konnte es los gehen. Ein solcher Transport ist für das DRK in Gelnhausen durchaus nicht alltäglich. Der Rettungssanitäter Ilja Beller und der Sanitätshelfer Niklas Lübcke meldeten sich freiwillig für den außergewöhnlichen Auftrag. Mit einem der im November neu angeschafften Krankenwagen (KTW) machten sie sich auf die weite Reise. Niklas Lübcke hat als Kind in Spanien gelebt und ist dort zur Schule gegangen, er spricht fließend Spanisch. Eine gute Voraussetzung für die Fahrt in den Südosten Spaniens, die ja trotz aller Professionalität doch eine Spur Abenteuer-Charakter hatte. Auf dem Weg leisteten die beiden DRK-Mitarbeiter Erste Hilfe bei einem Unfall. In Spanien wurden sie von der Polizei kontrolliert. Nachdem die Beamten sich davon überzeugt hatten, dass alles in Ordnung war, konnten sie die Fahrt fortsetzen und kamen gut in Molina de Segura an. Im Pflegeheim wurden sie äußerst freundlich empfangen. „Die Schwestern haben Franziska Gündera sehr emotional verabschiedet und Lieder für sie gesungen“, berichtet Ilja Beller. Auch auf der Rückreise war die professionelle Hilfe der beiden Männer gefragt: Auf einem Parkplatz versorgten sie einen Mann mit einer Schnittverletzung. Die Rentnerin überstand die lange Fahrt dank der Betreuung sehr gut. Einen großen Teil der Reise schlief sie in dem Wissen, bestens versorgt zu sein. Die Freude war riesig, als sie endlich in ihrem neuen Domizil des Pflegeheims in Biebergemünd ankam. Am nächsten Tag besuchte Birgit Böhm die Tante. „Da saß sie schon inmitten einer Gruppe und hat fröhlich gesungen“, betont sie und ist glücklich darüber, dass der Herzenswunsch ihrer Tante erfüllt werden konnte. „Das war schon etwas ganz Besonderes“, bilanziert Niklas Lübcke. „Es war anstrengend, aber die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt.“

Fotos: Franziska Gündera sitzt reisefertig inmitten des Teams der „Residencia“ in Molina de Segura. Rechts von ihr Trudel Schmidt, hinten in der Mitte Ilja Beller und Niklas Lübcke.

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