Fridays-for-Future: Jetzt spricht die Demo-Organisatorin

Gelnhausen
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Über 400 Menschen haben an der ersten Klima-Demo in Gelnhausen am 19. September teilgenommen. Zuvor hat sich auch in der Barbarossastadt eine Ortsgruppe der Bewegung „Fridays-for-Future“ gebildet. Leiterin des Demozuges war Clara vom Endt, sie legt allerdings Wert darauf, dass sie weder im Namen der überregionalen Organisation Fridays-for-Future noch vertretend für die Fridays-for-Future Ortsgruppe Gelnhausen spricht, sondern als Mitglied der Fridays-for-Future Ortsgruppe Gelnhausen.

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„In den Fridays-for-Future Ortsgruppen ist es zwar üblich, zwei Vertreter zu wählen, allerdings hat sich die Ortsgruppe Gelnhausen sehr kurzfristig vor dem 19. September gebildet und wir hatten seitdem keine Chance, ein Treffen aller Mitglieder zu organisieren und Vertreter zu wählen“, teilte sie im Rahmen dieses Interviews mit, das die Redaktion mit ihr per E-Mail geführt hat.

Wie viele Schülerinnen und Schüler engagieren sich inzwischen für „Fridays-for-Future“ im Raum Gelnhausen?
Clara vom Endt: „Das kommt auf die Definition von ‚engagieren’ an. Unser Orga-Team hat seit der Demo am 19. September regen Zuwachs erfahren. Wir sind im Moment circa 20 Leute. Bei der Demo selbst waren, wie man auf den Bildern sehen kann, nicht nur Schüler_innen und Studierende beteiligt, sondern auch viele andere. Daher kann ich auch hier keine genauen Zahlen sagen, nehme aber an, dass es weit über 100 waren.“

Und wie ist die Idee entstanden, sich an dem inzwischen weltweiten Protest zu beteiligen?
Clara vom Endt: „Wir haben davon erfahren, dass die People for Future Gelnhausen das Klimafest an der Müllerwiese planen. Da konnten wir es natürlich nicht auf uns sitzen lassen, dass die Erwachsenen in Gelnhausen vor uns aktiv werden! Also hat sich ein, zugegebenermaßen sehr kleines, Orga-Team aus Studierenden und Schüler_innen gebildet, die in Ergänzung zum Klimafest einen Demo-Zug organisieren wollten.“

Bei der Kundgebung im Anschluss an die Demonstration hieß es: „Wir machen Panik, bis jemand handelt.“ Wen genau sprechen Sie damit im Main-Kinzig-Kreis an?
Clara vom Endt: „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, jede Einzelne und jeder Einzelne ist gefragt, an der Erreichung der vereinbarten Klimaziele aktiv mitzuwirken. Und damit meine ich nicht nur, den eigenen Alltag klimafreundlicher zu gestalten, sondern vor allem auch Druck auf die Politik auszuüben und sich verantwortlich zu fühlen, für das, was den nachfolgenden Generationen hinterlassen wird. Vor allem sprechen wir die überregionale Politik an. Dort ist Handeln am dringendsten gefragt. Deshalb haben wir ja auch den Zeitpunkt für die Demo gewählt, zu dem das Klimakabinett der Bundesregierung getagt hat. Aber natürlich muss jeder Politiker, ob regional oder überregional, handeln und Beschlüsse fassen, die dafür sorgen, dass wir die vereinbarten Klimaziele erreichen können.“

Bei dieser ersten Demo in Gelnhausen war eine Zusammenarbeit mit der ebenfalls neuen Gruppe „People-for-Future“ offensichtlich, soll das so bleiben?
Clara vom Endt: „Die Gruppen bleiben weiter unabhängig, aber arbeiten eng zusammen.“

Dieser Gruppe gehören unter anderem aktive SPD-Parteimitglieder an. Gehören diese nicht auch zu den Erwachsenen, die Sie in Panik versetzen wollen?
Clara vom Endt: „Bei diesen Mitgliedern hat es ja anscheinend schon geklappt. Fridays-for-Future Gelnhausen ist wie People-for-Future Gelnhausen eine überparteiliche Organisation. Ich gehe davon aus, dass Menschen, die sich bei People-for-Future engagieren, sich auch innerhalb ihrer Parteien für eine bessere Klimapolitik einsetzen.“

Landrat Thorsten Stolz oder die Bundestagesabgeordnete Bettina Müller, beide SPD, sowie Vertreter von Grünen oder Linken wurden bei der Kundgebung ebenso gesichtet. Welche Botschaften haben Sie an diese Politiker aus dem Main-Kinzig-Kreis?
Clara vom Endt: „Es hat mich gefreut, dass diese Politiker dem Aufruf gefolgt sind, aber natürlich erwarten wir nicht nur Auftritte, sondern auch Aktionen. Unterstützung zeigen, ist gut, Handeln ist besser. Und notwendig, auch auf kommunaler Ebene!“

Wie beurteilen Sie die aktuelle Klimapolitik hier in der Region?
Clara vom Endt: „Das ist so eine kurze Frage und man könnte wahrscheinlich trotzdem einen Essay darüber schreiben. Zunächst ist zu sagen, dass die meisten Entscheidungen zum Klimaschutz auf nationaler Ebene getroffen werden. Aber die Städte, Kreise und Gemeinden müssen natürlich auch ihren Teil leisten, vor allem als Vorbild- und Leitfunktion gegenüber Bürger_innen. Es ist positiv zu erwähnen, dass der Main-Kinzig-Kreis Mitglied des Klima-Bündnisses ist. Damit wurde die Verpflichtung eingegangen, die CO2 Emissionen um zehn Prozent alle fünf Jahre zu reduzieren und auf die Nutzung von Tropenholz zu verzichten. Allerdings hat sich die Bundesregierung auch verpflichtet, das 1,5 Grad Ziel einzuhalten und wir sehen ja wie gut das läuft... Ein wichtiges Zeichen, dass beispielsweise viele andere Mitglieder des Klimabündnisses schon gesetzt haben, ist es, den Klimanotstand auszurufen. Das ist zwar auch ‚nur’ ein Versprechen, aber damit würde der Kreis zeigen, dass das Thema an erster Stelle steht. Diesem Zeichen müssten dann natürlich Taten folgen. Gelnhausen zum Beispiel hat schon ein, etwas veraltetes zwar von 2013 aber zumindest existentes, Klimaschutzkonzept. Dort wurde eine CO2- und Energiebilanz, eine Potenzialanalyse und energetische Analyse erstellt und darauf basierend Maßnahmen entwickelt. Maßnahmen sind dann zum Beispiel energetische Sanierungen, Ausbau der ÖPNV-Nutzung, Einführung des Programms ‚Ökoprofit’ für Unternehmen (hier kriegen Unternehmen Hilfe, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und verpflichten sich dann auch, entsprechende Maßnahmen umzusetzen), Ausbau alternativer Mobilitätskonzepte (zum Beispiel Carsharing und Ausbau der Radwege), Initiierung einer breiten Kampagne zum Klimaschutz und Durchführung von sogenannten Klimacamps an Schulen. Wir brauchen ein kreisweites, aktuelles Klimaschutzkonzept mit konkreten Maßnahmen, die dafür sorgen, dass die Emissionen pro Kopf pro Jahr deutlich sinken, sodass wir unter drei Tonnen/Einwohner/Jahr kommen. Diese Maßnahmen müssen aber natürlich nicht nur festgelegt werden, sondern der Kreis muss sich dazu verpflichten, diese auch umzusetzen. Die Umsetzung muss dann, im Gegensatz zum Beispiel zu Gelnhausen aktuell, für den ‚normalen Bürger’ leicht überprüfbar beziehungsweise kontrollierbar und aktuelle Informationen dazu immer transparent im Internet verfügbar sein.“

Zum Abschluss: Welche Aktivitäten plant „Fridays-for-Future“ in Gelnhausen als Nächstes?
Clara vom Endt: „Der nächste globale Klimastreik ist vermutlich Ende November. Ich kann mir gut vorstellen, dass da auch Fridays-for-Future Gelnhausen wieder dabei sind. Bis dahin veranstalten wir mit den People-for-Future Treffen des ‚Gelnhäuser Klimabündnisses’. Hier tauschen sich Interessierte aus, um kommunale Lösungen zu finden und Aktionen zu planen. Wer Interesse hat, kann sich zum Beispiel per Mail oder Facebook an die People-for-Future wenden. Mittlerweile sind wir auch auf der offiziellen Webseite von Fridays-for-Future als Ortsgruppe aufgeführt und bekommen somit immer weiter Zuwachs. Ein Treffen aller Mitglieder, um sich kennenzulernen und zu organisieren, steht also auch an. Ein Termin steht noch nicht fest.“

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