Veritas AG: Mitarbeiter lehnen Verhandlungen ab

Gelnhausen
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Auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch haben die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter der Veritas AG in Gelnhausen mehrheitlich gegen weitere Verhandlungen mit der Unternehmensführung gestimmt. Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Heinz Lotz und die Spitze des Main-Kinzig-Kreises um Landrat Thorsten Stolz (SPD), Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD) und Kreisbeigeordneten Winfried Ottmann (CDU) unterstützt uneingeschränkt die klare Position des Betriebsrates der Veritas AG, den geplanten Abbau von 700 Arbeitsplätzen am Standort Gelnhausen nicht mitzugehen und keinerlei Vereinbarungen mit der Unternehmensspitze beziehungsweise den potenziellen Investoren zu treffen.

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"Die Veritas-Mitarbeiter in Gelnhausen wären mit dem Klammersack gepudert, wenn sie das Angebot des amerikanischen Investors AIAC zur Übernahme des Traditionsunternehmens zustimmen würden. Da arbeitet man womöglich 30, 40 oder mehr Jahre für die Veritas und bekommt als Dankeschön eine Abfindung von drei Monatsgehältern. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge vergehen lassen: Drei Monatsgehälter! Deshalb haben die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter am Mittwoch mit deutlicher Mehrheit gegen weitere Verhandlungen mit dem Investor gestimmt. Auch Landrat Thorsten Stolz und ich waren auf der Mitgliederversammlung als Gast vor Ort. 700 Arbeitsplätze alleine am Standort Gelnhausen sollen nach dem Willen des Investors gestrichen werden und auch ein erneuter Gehaltsverzicht sei Bedingung für die Übernahme – sie sollen folglich selbst ihre Entlassung finanzieren. Dabei hatten Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich erst vertraglich darauf geeinigt, dass es keinen weiteren Einkommensverzicht geben soll. Schließlich hatten die Mitarbeiter in den vergangenen Jahren über 40 Millionen Euro eingespart. Nötig wurde das aus meiner Sicht, weil das Management in der Vergangenheit fatale Fehler beging und Entwicklungen verschlief", so der SPD-Landtagsabgeordnete Heinz Lotz nach der Betriebsversammlung.

Und weiter: "In den vergangenen Jahren haben der Landrat und ich immer wieder Gespräche mit dem Betriebsrat geführt. Sie haben bereits vor Jahren eine Zukunftsstrategie für die Veritas angemahnt. Das Management hat auch reagiert, allerdings mit einer Umlagerung in das Ausland. Was ist denn das für eine Zukunftsstrategie? Das ist ein Aufschub der Probleme! Mit dem Gehaltsverzicht hatten die Mitarbeiter dem Management eigentlich Zeit verschaffen wollen, um nach einem Investor zu suchen. Heraus kam ein Investor, der die Arroganz besitzt, bestehende Verträge schlichtweg zu ignorieren. Wenn einem Investor schon jetzt Verträge nichts wert sind, wie wird er dann mit Verträgen in Zukunft umgehen? Ist denn wirklich das Ende der Fahnenstange erreicht, wenn die 700 Mitarbeiter für ein Taschengeld entlassen wurden? Oder wird dann Stück für Stück der Standort in Gelnhausen aufgelöst und verlagert? Wir sprechen hier nicht nur von 700 Arbeitsplätzen, die in Gelnhausen gestrichen werden sollen. Wir sprechen von deren Familien und einer ganzen Region, die unter einem solchen Stellenabbau leidet. Abgefunden mit drei Monatsgehältern. Es betrifft uns alle! Deshalb muss die Region auch aufstehen und sich solidarisch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Veritas zeigen. Dieses Angebot zur Firmenübernahme ist ein vergiftetes Angebot für die Veritas-Belegschaft. Wir müssen jetzt mit aller Kraft zeigen, dass wir an der Seite der Mitarbeiter von Veritas stehen."

In einem Gespräch mit dem Betriebsrat am Mittwochmorgen hat die Kreisspitze nicht nur ihre Solidarität mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Veritas erklärt, sondern unmissverständlich deutlich gemacht, dass der im Raum stehende Vorschlag von einem Arbeitsplatzabbau von 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einer Abfindungszahlung von drei Monatsgehältern ein völlig inakzeptables Angebot darstellt. „Der Betriebsrat hat uns gegenüber klar gemacht, dass er diesen Weg nicht mittragen wird und wir unterstützen den Betriebsrat in dieser klaren Haltung uneingeschränkt“, erklären Thorsten Stolz, Susanne Simmler und Winfried Ottmann. Für die Kreisspitze hat es überhaupt nichts mit einem fairen Interessenausgleich zu tun, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die 20, 30 oder 40 Jahre dem Unternehmen die Treue gehalten haben, ein Angebot für eine Abfindung in Höhe von drei Monatsgehältern vorgelegt wird.

Zudem fordert die Kreisspitze gemeinsam mit dem Betriebsrat, dass klare Zukunftsperspektiven für den Standort Gelnhausen aufgezeigt werden müssen. Auch vergleichbare Situationen in anderen Unternehmen haben gezeigt, dass die Beschäftigten hier nicht völlig chancenlos sind. Vor diesem Hintergrund hatte die Kreisspitze bereits in der vergangenen Woche angekündigt, aufgrund der aktuellen Meldungen rund um Verkauf und den geplanten Arbeitsplatzabbau bei der Veritas AG den engen Kontakt zum Betriebsrat zu suchen. „Nach dem ersten Schock über den angekündigten Arbeitsplatzabbau von 700 Stellen am Standort Gelnhausen stehen wir hier klar in der Verantwortung für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Familien“, erklären Thorsten Stolz, Susanne Simmler und Winfried Ottmann. Es sei eine perfide Strategie, die Beschäftigten und die Öffentlichkeit offenbar vor vollendete Tatsachen zu stellen und auf diese Weise Druck aufzubauen.

Doch das Gespräch mit dem Betriebsrat habe gezeigt, dass diese Ankündigung nicht widerstandslos hingenommen werden müsse. Die Kreisspitze verweist darauf, dass viele Beschäftigte der Veritas AG seit Jahrzehnten die Treue halten und insbesondere in Krisensituationen immer bereit waren, durch eigene Abstriche ihren Beitrag zur Unternehmenssicherung zu leisten. Vor diesem Hintergrund sei die aktuelle Unternehmenspolitik völlig inakzeptabel und ein schlechter Stil.

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