Auch wächst die Verärgerung des Rathauschefs in dieser Sache: „Mehrfach, sogar noch einmal in den letzten Tagen, habe ich nachgehakt, damit wir als Stadt direkt Kontakt mit dem Energieversorger aufnehmen können, um über eine Beteiligung am Windparkprojekt zu sprechen. Eine befriedigende Reaktion von ‚Renertec’ gab es aber nicht“. Wie berichtet, hatte Thorsten Stolz vor einigen Wochen dem Unternehmen vorgeworfen, den Windpark „Vier Fichten“ an einen Großinvestor „verhökert“ zu haben, während Kommunen außen vor blieben. Die aber tragen die Belastungen. Bestätigt sieht sich der Bürgermeiser nicht zuletzt auch durch eine Entscheidung der Stadt Wächtersbach, getrennt von der Firma „Renertec“ und mit einem anderen Partner einen Windpark umzusetzen.
„Was hier seit einigen Wochen läuft, ist im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den betroffenen Städten und Gemeinden alles andere als transparent und vertrauensvoll. Und ich persönlich habe den Eindruck, dass in Gründau, Gelnhausen und Wächtersbach überall etwas anderes erzählt wurde“, berichtet Thorsten Stolz nach seinen jüngsten Bemühungen. Mittlerweile habe er auch Anrufe aus dem Raum Schlüchtern erhalten, die ähnliches bestätigen.
Wächtersbachs Erster Stadtrat Andreas Weiher berichtet, das Verhalten der Firma Renertec habe die Messestadt schließlich darin bestärkt, eigene Wege zu gehen und im Stadtgebiet von Wächtersbach die Windenergieanlagen mit einem anderen Partner umzusetzen. „Hier gibt es bereits handfestes Interesse aus anderen Kommunen und wir führen die ersten Interessenten zusammen“, erzählt er.
Auch die Stadt Gelnhausen gehört zu den Städten und Gemeinden, die gegenüber Wächtersbach ihr Interesse signalisiert haben. „Meine Bitte, uns eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorzulegen, sobald erste Zahlen für das Projekt in Wächtersbach feststehen, liegt bereits vor. Und Andreas Weiher hat dies auch bereits fest zugesagt“, so Thorsten Stolz. Er sieht in dem Verhalten der Firma „Renertec“ übrigens auch ein absolut negatives Beispiel für die viel beschworene Energiewende „von unten“: „Die dezentrale Energiewende ist nur realisierbar, wenn die Gemeinden mitentscheiden können, ins Boot geholt werden und dauerhaft von der Energieerzeugung profitieren.“
Wie es auch anderes geht, machen aus Sicht des Gelnhäuser Bürgermeisters die Kreiswerke Main-Kinzig vor: „Im Spessart planen die Kreiswerke zusammen mit den Gemeinden Flörsbachtal und Jossgrund – und zwar auf Augenhöhe.“ Genau dies sei der richtige Weg, um die Akzeptanz vor Ort für solche Projekte zu stärken. Wächtersbach Erster Stadtrat Andreas Weiher und Gelnhausens Bürgermeister Thorsten Stolz sind sich einig: „Was die Projektentwickler endlich begreifen müssen ist die Tatsache, dass es nur Hand in Hand mit der kommunalen Familie geht und nicht gegen die Städte und Gemeinden vor Ort.“
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