Neues Drama um Kaufhaus JOH: Kreissparkasse Gelnhausen sagt ab

Gelnhausen
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Das Drama um das ehemalige Kaufhaus Joh in Gelnhausen nimmt kein Ende: Die Kreissparkasse Gelnhausen und die Dietz AG, die gemeinsam das Areal entwickeln wollten, haben am Mittwoch ihren Rückzug erklärt. Als Begründung führen die aktuellen politischen Debatten über die Pläne für das ehemalige Kaufhaus an.

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"Nach den erneuten kontroversen Diskussionen um die Entwicklung der JOH-Immobilie in den jüngsten Sitzungen des Bau- und Umweltausschusses der Stadt Gelnhausen vom 10. September 2021 und am 06. Oktober 2021 haben die Projektverantwortlichen jetzt die Bremse gezogen und ihre Planungen für beendet erklärt. Für die Umsetzung eines solch zentralen Stadtentwicklungsprojektes ist eine breite und nachhaltige Unterstützung parteiübergreifend durch die Kommunalpolitik unabdingbar. Ist diese grundsätzlich konstruktive Unterstützung immer weniger erkennbar, bei allem Respekt vor parlamentarischen Diskussionen, wird das für eine Projektentwicklung zu einem kurz- und mittelfristig nicht zu kalkulierenden Risiko. Zahlreiche Verzögerungen ohne echte Fortschritte machen eine notwendige strukturierte Planung für die nächsten Jahre nicht möglich“, zieht Kreissparkassenchef Horst Wanik eine nüchterne Bilanz.

Vor diesem Hintergrund habe der Vorstand der Kreissparkasse Gelnhausen in enger Abstimmung mit dem potenziellen Partner, der Dietz AG aus Bensheim, entschieden, die bereits weit fortgeschrittenen Planungen für die Entwicklung des JOH-Areals einzustellen und das notarielle Kaufangebot nicht in Anspruch zu nehmen. Darüber sind am 20. Oktober 2021 bereits die Sparkassen-Verwaltungsräte sowie die Stadt Gelnhausen und die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung informiert worden.

Wie berichtet, sahen die Planungen der Kreissparkasse eine gemischte Nutzung aus Handel, Gastronomie, Dienstleistung, Verwaltung und einer Mediathek vor. Den Main-Kinzig-Kreis hatte der Kreissparkasse bereits als Ankermieter gewinnen können. Für den Main-Kinzig-Kreis als Schulträger hätten sich zudem raumentlastende Vorteile mit Blick auf die benachbarten Beruflichen Schulen ergeben.

„An den äußeren Rahmenbedingungen für dieses Projekt hat sich aus unserer Sicht nichts verändert. Diese Bedingungen wären nahezu perfekt gewesen. Aber wir müssen erkennen, dass die Akzeptanz für das. Projekt in Teilen der Stadtverordnetenversammlung fehlt. Weder wir als Sparkasse noch ein Kooperationspartner können weiterhin viel Zeit und vor allem Geld investieren, wenn es, in den Gesprächen kein gemeinsames Ziel und keinen Zeithorizont für die Umsetzung gibt, zu dem sich zumindest eine breite Mehrheit klar bekennt. Dazu gehört mit Respekt vor sämtlichen Beteiligten die gemeinsame Lösungs-, nicht die fortwährend neue Problemsuche", so Horst Wanik weiter.

"Drei zentrale Themen macht Horst Wanik für die schlussendliche Entscheidung aus, das Projekt zu beenden: Die immer wiederkehrende Diskussion um die für ein solches Projekt zu schaffenden notwendigen Stellplätze, die erneuten kontroversen Diskussionen um die Anzahl der Geschosse und die Höhe des Gebäudes sowie die fehlende Verbindlichkeit. Vor dem Hintergrund, dass die Kreissparkasse Gelnhausen die Kommunalpolitik in Gelnhausen bereits mehrfach über die Pläne, den Flächenmix, die einzelnen Nutzungsarten, die Anzahl der Geschosse und die voraussichtliche Höhe informiert haben, ist diese Diskussion. umso unverständlicher. Das Bauamt der Stadt Gelnhausen hatte dazu ein Modell über die Südstadt gebaut, die dem Betrachter in visualisierter Form die Einbindung des „neuen Joh" in der Südstadt ermöglichte", heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Überlegungen der Kreissparkasse sahen,, auf Basis eines Vorschlags der Stadt Gelnhausen zu diesem Standort, als eine Variante die Schaffung der Stellplätze in einem neu zu errichtenden Parkhaus unmittelbar neben dem ze.ntralen Busbahnhof vor. Auf Wunsch der Stadtpolitik wurden die Überlegungen wieder verändert, da die Fläche für eine andere städtebauliche Entwicklung freigehalten werden sollte. Die neuen Pläne zum Standort eines neu zu schaffenden Parkhauses in der Verlängerung der Hailerer Straße, ebenfalls auf Grundlage der Überlegungen der Stadt Gelnhausen, stießen wiederum in Teilen der städtischen Gremien auf Ablehnung. Begründet wird dies mit einer zu großen Entfernung, zum Joh­-Standort, ohne dass den Projektträgern alternative, konstruktive und realisierbare Vorschläge unterbreitet worden wären.

Hinsichtlich der Geschosse und weiterer Sachverhalte - wie Parken - hatte die Kreissparkasse Gelnhausen am 18. Februar 2020 ein mit den Fraktionsvorsitzenden, Stadtverordneten und Magistratsmitgliedern abgestimmtes Schreiben der Stadt Gelnhausen erhalten, wonach der Kreissparkasse ausdrücklich die Möglichkeit für ein 5-7 geschossiges Gebäude gegeben wurde. Daraufsetzend hat die Kreissparkasse Gelnhausen thre Planungen vertieft. Die jetzigen Planungen sehen insgesamt max. sechs Geschosse vor, auch wenn auf Basis des Schreibens vom 18. Februar 2020 weitere Etagen hätten errichtet werden können. Doch selbst gegen diese sechs Geschosse sperrt sich die Stadtpolitik nun.

„Wir hätten uns gerne in Gelnhausen engagiert, respektieren jedoch die Entscheidung der Kreissparkasse und teilen ihre Einschätzung zur aktuellen Situation. Investitionen einer solchen Größenordnung erfordern belastbare, zeitlich planbare und von einer sehr breiten Mehrheit getragene Positionen. Leider mussten wir in den vergangenen Wochen den Eindruck gewinnen, dass nun in der entscheidenden Phase und aus unserer Sicht zur Unzeit wieder Aspekte thematisiert werden, die eine zügige Projektumsetzung nicht mehr gewährleisten. Aus unserer Sicht wird hier eine einmalige Chance zur Lösung der JOH Problematik und einer positiven Stadtentwicklung an dieser Stelle ,verspielt"', erklärte auch Markus Engelmann, Vorstand der Dietz AG.

Die Entscheidung sei den Projektverantwortlichen nicht leichtgefallen, so Horst Wanik. Insbesondere die Kreissparkasse habe „viel Zeit, Energie und auch Finanzmittel in das Projekt eingebracht". In den zurückliegenden Monaten seien dabei wichtige Hürden genommen worden, um das Projekt voranzubringen. So ist es der Kreissparkasse gelungen, das mit dem JOH-Gebäude verbundene Ditzel-Haus im Zuge eines Insolvenzverfahrens zu erwerben. ,,Wir haben damit ein Problem für die Stadt Gelnhausen gelöst. Von der Gesamtentwicklung dieses Stadtbereichs nehmen wir aber nun Abstand", so der Vorstandsvorsitzende Horst Wanik.

FDP bedauert Entscheidung der Kreissparkasse Gelnhausen

„Die Entwicklung eines Multi-Millionen-Projektes zu stemmen ist eine diffizile Angelegenheit. Es müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Schon hierbei klafften erhebliche Defizite auf Seiten des Investors Kreissparkasse Gelnhausen“, erklärt Kolja Saß, Fraktionsvorsitzender der FDP in der Stadtverordnetenversammlung. Die Idee der Entwicklung der Joh-Immobilie durch die Kreissparkasse, wurde durch das ortsansässige Kreditinstitut zunächst so präsentiert, dass man mit dem eigenen Netzwerk alle Voraussetzungen erfülle und das Projekt kurzfristig angehen wolle. Ziemlich schnell verabschiedeten sich die Projektentwickler aus dem Sparkassenumfeld jedoch und auch aufsichtsbehördlichen Genehmigungen wurden trotz vorheriger Zusage nicht präsentiert. Schon zu Beginn der Gespräche haben FDP-Vertreter den Sparkassenvorstand darauf hingewiesen, dass eine Investition in der Höhe für das kleine Geldinstitut eine Nummer zu groß sei und vorgeschlagen, Partner mit Finanzstärke und Bau-Know-How hinzuzuziehen. Leider sei diesem Vorschlag seinerzeit nicht gefolgt worden.

„Es ist sehr enttäuschend und hinterlässt einen faden Beigeschmack für das Geldinstitut, nach zwei Jahren aufgrund etwaiger Unstimmigkeiten mit den städtischen Gremien einen Rückzieher zu machen. Dabei war es doch die Kreissparkasse Gelnhausen, die von Seiten der Stadt und den politischen Gremien unzählige Aufschübe einforderte, immer wieder neue Zeitpläne präsentierte und um keine Ausrede verlegen war, warum bisherige Zusagen nicht eingehalten wurden“, zeigt Saß die Abläufe auf.

„Alle Aufschubersuche der Sparkasse wurden gewährt und das hohe Entgegenkommen der Stadt war für uns als FDP schon kaum noch vertretbar“, ergänzt Saß. „Kurz vor dem nun vollzogenen Rückzug, wurden nun kurzfristig noch versucht die ursprüngliche FDP-Idee aufzugreifen und einen starken Partner hinzuzuziehen. Doch da waren schon zu viele Weichen auf Seiten der Sparkasse falsch gestellt. Zum Beispiel hat sich das Kreditinstitut dazu verpflichtet mindestens etwas mehr als 50% der Anteile der Entwicklungsgesellschaft zu übernehmen“, zeigt Saß weitere gravierende Fehler von Seiten der Sparkasse auf. „Nun zeigt sich, dass die Kreissparkasse die Situation scheinbar von Anfang an völlig falsch eingeschätzt hat. Dass nun die Schuld für das Scheitern der KSK-Entwicklungspläne gegenüber der Öffentlichkeit nun bei den ehrenamtlichen Vertretern der Gelnhäuser Gremien abzuladen versucht wird, ist mehr als grenzwertig. Insbesondere da die Thematik der fehlenden KFZStellplätze in der Pressemitteilung der Kreissparkasse öfter erwähnt wird. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich in der ersten Vorstellung der Pläne der Kreissparkasse Herrn Warnik nicht als einziger in der großen Runde persönlich darauf hingewiesen habe, dass dies für alle Beteiligten eine mitentscheidende Thematik ist“, erinnert sich Hendrik Silken, Vorsitzender der FDP-Gelnhausen und zum Start des Projektes Fraktionsvorsitzender der FDP und ergänzt: „Mein Anliegen und ich wurden schlicht ignoriert.“



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