Mit zwei Bussen und zahlreichen Privat-Pkw reiste am verlängerten Himmelfahrts-Wochenende eine Gelnhäuser Delegation mit rund 100 Teilnehmern ins französische Clamecy, um dort das 50. Verschwisterungs-Jubiläum zwischen beiden Städten zu feiern.



Bürgermeister Thorsten Stolz, weitere Vertreter des Magistrats und Mitglieder des Verschwisterungskomitees um Vorsitzende Maryline Lenhard führten die Delegation an. Große Abordnungen kamen zudem vom Grimmelshausen-Gymnasium, vom Stadtverband der Feuerwehr und von der Kantorei an der Marienkirche. Hintergrund: Während Gelnhausen und Clamecy ihre Verschwisterung bereits am 23. Juni 1962 proklamiert hatten – was bereits vergangenes Jahr mit einem großen Freundschaftsfest in der Barbarossastadt gefeiert wurde – fand der feierliche Festakt in Clamecy am 18. Mai 1963 statt. Geschichtliche Anekdote am Rande: Die Festansprache hielt der damalige sozialistische Abgeordnete des „Départements de la Nièvre“ und spätere Staatspräsident Frankreichs, François Mittérand.
Groß war die Wiedersehensfreude am Wochenende, als sich Deutsche und Franzosen zur Begrüßung umarmten: Die Verschwisterung hat manche jahrzehntelange Freundschaft beschert. Nach dem Begrüßungsempfang mit Clamecys Bürgermeisterin Claudine Boisorieux verteilten sich die Gelnhäuser auf ihre Gastfamilien und Hotels. Das Programm am Freitag hielt gleich zwei Höhepunkte parat: die Besichtigung einer alten Weinkellerei samt Verköstigung und ein gemeinsames Konzert der Kantorei und eines französischen Chors in der Kirche von Clamecy. Bezirkskantor Sascha André Heberling bereicherte das musikalische Ereignis zudem mit einigen Stücken auf der Kirchenorgel.
Der Samstag stand ganz im Zeichen der Jubiläumsfeierlichkeiten. Bürgermeisterin Claudine Boisorieux ging auf die Väter der Partnerschaften zwischen deutschen und französischen Städten, den damaligen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer ein. Sie schlossen die ersten Verträge nach dem Zweiten Weltkrieg, die solche Verschwisterungen erst ermöglichten. Claudine Boisorieuxs Dank galt allen, die die Partnerschaft zwischen Gelnhausen und Clamecy in den vergangenen Jahrzehnten ermöglichten und am Leben hielten.
Bürgermeister Thorsten Stolz erinnerte in seiner Ansprache an das fröhliche Fest und die wertvollen Begegnungen bei der Jubiläumsfeier im vergangenen Jahr in Gelnhausen. Diese Feierlichkeiten gelte es nun fortzusetzen und damit die Städtepartnerschaft weiter zu festigen. „Eure wunderbare Gastfreundschaft und die Tatsache, dass so viele Bürger aus Gelnhausen mit nach Clamecy gefahren sind, machen deutlich, dass unsere Partnerschaft – auch nach über 50 Jahren – noch immer herzlich und vor allem lebendig ist“, betonte der Rathauschef. Gerade in einer Zeit, in der die Euro- und Finanzkrise Zweifel an der Sinnhaftigkeit des so genannten „Hauses Europa“ aufkommen ließen und die einzelnen Regierungen innerhalb der Europäischen Union um den besten Weg stritten, seien Partnerschaften wie die zwischen Gelnhausen und Clamecy besonders wichtig.
Thorsten Stolz erinnerte an die Schrecken und Wirren des Zweiten Weltkriegs, die bei Franzosen und Deutschen tiefe Gräben und Wunden hinterließen. Das Sprichwort „Die Zeit heilt alle Wunden“ habe sich schließlich tatsächlich bewahrheitet. „Aber nur, weil es Menschen auf französischer und deutscher Seite gegeben hat, die nicht in der Vergangenheit verharren wollten, sondern nach vorne geschaut haben, um ein besseres und vor allem ein friedlicheres Europa zu schaffen“, betonte der Bürgermeister. So gebe die Partnerschaft zwischen Gelnhausen und Clamecy ein Beispiel für die erfolgreichen Bemühungen, wie die Schrecken der Vergangenheit überwunden worden seien und an die Stelle historisch gewachsenen Misstrauens gelebte Freundschaft gesetzt wurde. „Gelnhausen und Clamecy haben mit der großartigen Arbeit im Rahmen ihrer Partnerschaft Europa eine Seele gegeben. Auch dies gilt es heute zu feiern“, sagte Thorsten Stolz, bevor er gemeinsam mit Maryline Lenhard als offizielles Gastgeschenk eine gerahmte Collage mit Stadtmotiven von Gelnhausen und Clamecy an Bürgermeisterin Claudine Boisorieux überreichte. Ein gemeinsames Abendessen krönte den von Kindern und Jugendlichen der Musikschule Clamecy musikalisch umrahmten Festabend.
Bei ihrer Abreise am Sonntag hatten die Gelnhäuser übrigens zahlreiche Weinflaschen aus Clamecy mit im Gepäck. Ihn können die Besucherinnen und Besucher des Altstadtfestes in Gelnhausen am Samstag, 25. Mai ab 15 Uhr am Stand des Partnerschaftskomitees auf dem Obermarkt genießen.
Fotos: Hans-Jürgen Freund
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