Kaufhaus JOH schon länger in finanziellen Schwierigkeiten?

Gelnhausen

Das Kaufhaus JOH steckt möglicherweise schon länger in ernsten finanziellen Schwierigkeiten als bisher bekannt. Laut Wolfgang Thurner, Fachsekretär für den Bereich Handel bei der Gewerkschaft Verdi, haben sich bereits Ende 2012 Mitarbeiter bei ihm gemeldet und unregelmäßige Gehaltszahlungen gemeldet.

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Der Insolvenzantrag hätte seiner Meinung nach daher schon einige Wochen vorher gestellt werden müssen.

„Die zittern wie das Kaninchen vor der Schlange“, beschreibt er die aktuelle Stimmungslage unter den Mitarbeitern. Eine „nennenswerte Zahl“ von ihnen sei gewerkschaftlich bei Verdi organisiert. Am 14. Mai war Thurner mit einem Insolvenzrechtsexperten in Gelnhausen vor Ort und hat in einer Betriebsratssitzung über alle jetzt möglichen Szenarien aufgeklärt.

Sein Rat an die JOH-Mitarbeiter: Alle ausstehenden Posten wie Urlaub, Überstunden oder Sonderleistungen dokumentieren und sich vom Unternehmen ein Zwischenzeugnis geben lassen. Parallel sollte sich jeder schon einmal nach Alternativen umschauen. „Man weiß nicht, wie es weiter geht“, müsse sich jeder im Klaren darüber sein, dass am 30. Juni das Kaufhaus JOH in Gelnhausen oder an einem der anderen Standorte in Friedberg, Zwickau, Gotha oder Saalfeld für immer geschlossen werden könnte.

„Wenn’s machbar ist, sollte man seinen Urlaub auch abfeiern, natürlich in Absprache mit der Abteilung“, sei in Insolvenzverfahren aber meist nicht die fehlende Motivation der Mitarbeiter das Problem. „Es gibt da so eine Art innere Kündigung“, führe dies zu einer psychischen Niedergeschlagenheit und nicht selten auch zu einer Krankheit. „JOH steht auf der Kippe, da muss sich jeder klar darüber werden“, helfe es aber nichts, die Situation zu beschönigen. In der nächsten Woche plant Verdi eine Schulung zum Thema Insolvenzrecht. Der Betriebsrat soll dabei noch einmal detailliert erfahren, welche Rechte und Möglichkeiten er jetzt hat.

Mit großem Unverständnis hat Thurner auf den Zeitpunkt des Insolvenzantrages reagiert. Seit Ende 2012 stehe er mit Mitarbeitern des Unternehmens in Kontakt, die ihm über unregelmäßige Gehaltseingänge berichtet hätten. Besonders verantwortungslos sei es allerdings von der Geschäftsführung, erst am 8. Mai die Insolvenz zu beantragen, obwohl auch schon die April-Gehälter nicht mehr gezahlt worden seien. Dies sei bereits Mitte April absehbar gewesen, hätte die Geschäftsführung da schon gehandelt, wären vier Woche mehr Zeit für einen Rettungsplan gewesen. „Das ist ein starkes Stück von der Geschäftsführung. Jetzt ist alles mit heißer Nadel gestrickt und sehr eng“, bleibe nicht mehr viel Zeit für eine Investorensuche.

Und er ist skeptisch, ob diese erfolgreich sein wird. „Die Immobilie und die Lage in Gelnhausen sind gut, aber man müsste ein paar Millionen Euro reinstecken“, habe er zudem aus der Mitarbeiterschaft Kritik an der Ausrichtung des Kaufhauses gehört. „Ein klein Harrods funktioniert in Gelnhausen nicht“, sagt er in Anspielung auf das Luxus-Kaufhaus in London. „Viel zu teuer und die falsche Ware“, seien Meinungen, die er in seinen Gesprächen mit JOH-Mitarbeitern in den vergangenen Monaten wahrgenommen habe. Auch deshalb müssten die über 300 Angestellten jetzt um ihren Job zittern. Thurner: „Die Lage ist ziemlich dramatisch.“


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