Kita-Kürzungen: Eltern stehen vor großen Problemen

Gelnhausen
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Der Gesamtelternbeirat der städtischen Kindergärten ist bestürzt über den Beschluss der Stadt, das Betreuungsangebot zum 01.05.2024 um eine Stunde zu kürzen (wir berichteten).



"Wir stellen zunächst klar, dass wir großes Verständnis für die desolate Situation der Erzieher*innen der Stadt Gelnhausen haben. Wir wissen sehr genau, dass ein Fachkräftemangel in diesem Bereich herrscht, denn wir spüren es regelmäßig. Häufig holen wir unsere Kinder spontan früher ab oder lassen sie ganz zuhause, weil ein personaler Engpass herrscht. Auch dass dieses Problem nicht nur in Gelnhausen herrscht, ist uns bewusst. Wir verstehen, dass die Erzieher*innen ihre Überstunden abbauen müssen. Doch es muss das Ziel der Stadt sein, neue Erzieher*innen anzuwerben. Eine volle Erzieher*innen-Stelle umfasst 39 Stunden die Woche. Das bedeutet, dass die Erzieher*innen täglich 7,8 Stunden arbeiten müssen, plus 30 Minuten Pause. Das bedeutet, dass sie defacto die komplette Öffnungszeit anwesend sein müssen. Dies ist jedoch nicht möglich, wenn sie eigne Kinder haben, die ja auch nur von 07-16 Uhr betreut werden können (wir rechnen hier einen Anreiseweg zum Arbeitsplatz ein). Deshalb erscheint es uns fraglich, ob diese Maßnahme die Stadt Gelnhausen als potentiellen Arbeitgeber attraktiver macht. Der Gesamtelternbeirat wurde am Donnerstag darüber informiert (und sollte alle Elternbeiräte informieren), dass ab dem 01.05. die städtischen Kitas eine Stunde früher schließen werden. Diese Info sollte am Montag an die Eltern rausgehen. Damit haben die betroffenen Eltern, die den Platz tatsächlich bis 17 Uhr brauchen, einen Vorlauf etwas mehr als zwei Wochen, um entweder ihr Arbeitsverhältnis zu ändern oder eine Ersatzbetreuung zu organisieren. Das ist verdammt wenig Zeit. Dies hat uns massiv getroffen, da es die betroffenen Familien vor existentielle Probleme stellen kann. In diesem Schock kam es dazu, dass diese Information durch ein GEB-Mitglied an die Eltern weitergegeben wurde, um diesen zumindest ein Wochenende mehr zu geben, in denen sie eine eventuelle Strategie entwerfen können, um die bevorstehenden Probleme bewältigen zu können. Dies war ein Fehler, für den wir uns entschuldigen", heißt es in einer Pressemitteilung.

Und weiter: "Was bedeutet es eigentlich, dass die Betreuung um eine Stunde reduziert wird? Im Anschreiben der Stadt an die Eltern ist von einer Belastung des „Familienlebens“ die Rede. Wir reden hier jedoch nicht nur von Familienleben, sondern auch vom Arbeitsleben. Es bedeutet, dass es zumindest einem Elternteil nicht mehr möglich ist, Vollzeit zu arbeiten. Gehen wir von einem regulären 8 Stunden-Tag aus, so wären es von 7 Uhr-15:30 Uhr (inklusive gesetzlich vorgeschriebener Pause von 30 Minuten). Hierbei ist noch keine Anfahrt von der Kita zum Arbeitgeber berücksichtig. Es bleiben somit 30 Minuten für Hin- und Rückweg zur Arbeit, sowie zum Abgeben und Abholen des Kindes. Das wird knapp werden. Noch knapper wird es, wenn 2 Kinder in unterschiedlichen Einrichtungen untergebracht sind. Herr Litzinger spricht davon, dass 'nur' 6% der Kinder bis 17 Uhr bleiben, 6% von 769 sind 46. Interne Befragungen der Eltern durch den GEB schätzen die Quote der Betroffenen höher ein. So berichten viele Eltern, dass sie ihre Kinder zwar meistens vor 16 Uhr abholen, aber den Puffer von einer Stunde brauchen, um z. B. Staus oder Verspätungen der Bahn ausgleichen zu können. Auch Eltern im Schichtbetrieb (z.B. Krankenpfleger*innen oder Polizist*innen) oder Lehrer*innen, die in regelmäßigen Abständen Konferenzen haben werden immer wieder betroffen sein. Die Liste lässt sich problemlos weiterführen. Auch diese Familien sehen sich nun dazu gezwungen, extrem kurzfristig ihre Arbeitszeit zu reduzieren, was sicherlich nicht allen möglich ist. Ein Arbeitsvertrag lässt sich nicht einfach in 2 Wochen von 40 auf 35 Stunden die Woche ändern bzw. kann es auch finanziell ein Problem sein. Uns wurden Fälle mitgeteilt, in denen Entlassungen angedroht wurde, sollten die vertraglich festgelegten Stunden nicht eingehalten werden. Und hier stellt sich die Frage: Wie sollen wir das machen? Wie sollen wir in 2 Wochen eine Lösung finden? Die Stadt Hanau hat, zwar aus anderen Gründen, die gleiche Entscheidung getroffen. Hier war der Vorlauf aber 10 Monate in denen man eine Lösung finden musste. Uns stellt sich die Frage, ob Alternativen, wie ein flexibles Betreuungsmodell geprüft wurde. Diese würden den Kitas die die Planung des Personalbedarfs am Nachmittag (und am Vormittag) erleichtern, den Eltern aber die Change geben, wenn nötig die volle Zeit zu nutzen. Wir bedanken uns für das Gesprächsangebot der Stadt, nehmen dieses gerne an und hoffen die Situation für die betroffenen Familien im Dialog entschärfen zu können."


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