Syrien-Konflikt: Nouripour erst ratlos, jetzt verzweifelt

Gelnhausen

Für die Aufnahme von mehr Flüchtlingen aus Syrien hat der Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, in Gelnhausen plädiert.

Thermo Sun
Stadt Schlüchtern

Der gebürtige Iraner sprach auf Einladung der Main-Kinzig-Grünen zu den aktuellen Krisenherden der Welt, ohne dabei auf klassischen Stimmenfang zu gehen. „Das ist ein Thema, das für den Wahlkampf nicht taugt“, beschränkte er sich im Beisein des Grünen-Bundestagsabgeordneten Udo Weiß und des Gelnhäuser Ortsvorsitzenden Bernd Wietzorek auf eine sachliche Analyse der Situation im Nahen Osten.

Allerdings stellte sich dabei auch heraus, dass die Grünen trotz einer pazifistischen Grundeinstellung inzwischen militärische Optionen nicht mehr ausschließen. „Wenn mir jemand erklären könnte, wie man mit militärischer Gewalt etwas lösen könnte, ich wäre dafür. Aber ich sehe das nicht“, hält er daher zumindest momentan die Drohung der Amerikaner, den Chemiewaffeneinsatz in Syrien mit Luftschlägen zu bestrafen, für wenig wirkungsvoll.

Nouripour forderte am Freitagabend Gespräche zwischen Russland und der USA, was beide Nationen auch prompt am Wochenende erledigten. Die Dinge verändern sich schnell im Nahen Osten, das weiß auch Nouripour, der viele Kontakte nach Syrien hat. „Einige haben das Land verlassen, manche leben auch nicht mehr“, sind die Wirren des Bürgerkriegs direkt bis zu ihm vorgedrungen. Die bisherigen Lösungsvorschläge haben ihm allerdings nicht zugesagt: So sei es kaum möglich, die Rebellen im Land von den Golfstaaten freizukaufen und auch eine Besetzung von Syrien durch die Türkei würde vermutlich eher für noch größere Unruhen in der Region sorgen. Eine Militärexperte habe ihm zudem ausgerechnet, dass mit 350.000 Soldaten am Boden der Bürgerkrieg in Syrien beendeten werden könnte – für Nouripour keine Option.

Für den 38-Jährigen ist allerdings auch klar: Wenn wie in Syrien Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden, muss es darauf eine Antwort geben. Und nach anfänglichen Zweifeln ist er inzwischen auch der Überzeugung, dass Diktator Assad für den Tod von tausenden Menschen und vor allem auch Kindern verantwortlich ist. „Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ein Militärschlag wie von den Amerikanern etwas bringt“, rechnet er eher damit, dass sich bei einer Bombardierung die Flüchtlingszahlen verdoppeln. Da die Nachbarstaaten von Syrien aber bereits mehr Menschen aufgenommen hätten, als sie eigentlich können, wäre die Folge vermutlich eine humanitäre Katastrophe.

Deutschland müsse daher diese Länder fragen, welche Hilfe sie benötigen und selbst zu mehr Unterstützung bereit sein. „Wir können mehr als 5.000 Flüchtlinge aufnehmen“, forderte er von der Bundesregierung, mehr für die notleidenden Menschen aus dieser Region zu tun. Doch dass sich damit der Konflikt nicht lösen lässt, weiß auch Nouripour. „Ich war die ganze Zeit ratlos, nach dem Chemiewaffen-Einsatz am 21. August bin ich auch noch verzweifelt“, hält er die Aussage eines Nahost-Experten, dass Syrien am Ende geteilt wird, noch als eine der wahrscheinlicheren Varianten. Bis dahin macht er sich auch an der Basis auf die Suche nach Lösungsmöglichkeiten. Nouripour: „Wenn sie Ideen haben, ich nehme alles mit.“

Foto: Omid Nouripour mit dem Gelnhäuser Grünen-Chef Bernd Wietzorek (links) und dem Bundestagskandidaten der Grünen, Udo Weiß (rechts).


Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de