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Di, Apr
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Philipp Buchenau und Rainer Christ spenden Reh für Hospiz
Freuen sich über das gespendete Reh (von links): Beate Ebers, Eugen Glöckner, Frank Hieret, Rainer Christ, Philipp Buchenau und Rolf Heggen auf der Terrasse des Gelnhäuser Hospiz.
Als Jagdleiter im Gelnhäuser Stadtwald weiß Philipp Buchenau, wie man ein Reh fachgerecht erlegt. Rainer Christ wiederum weiß als ausgebildeter Koch, wie man Wild schmackhaft zubereitet.
Gemeinsam haben die beiden Gelnhäuser nun ein solches Reh dem Hospiz Kinzigtal gespendet – und bei der Übergabe gleich noch wertvolle Rezepttipps mitgeliefert.
Als Eugen Glöckner, stellvertretender Vorsitzender des Förderkreises des Hospizes, vor rund zwei Wochen einen Anruf von Philipp Buchenau erhielt, war die Freude groß – und die Überraschung ebenso. Der Jagdleiter der Jagdgenossenschaft Gelnhausen-Mitte kündigte an, dem Hospiz ein Reh aus dem Gelnhäuser Stadtwald zu spenden. Zur Übergabe kam Buchenau nicht allein: Rainer Christ begleitete ihn, steuerte zusätzlich 300 Euro aus eigener Tasche bei und brachte nicht nur kulinarische Erfahrung, sondern auch handwerkliches Geschick mit. Bei der Übergabe wurde viel gesprochen – über die Jagd, über gutes Essen, aber vor allem über die Arbeit im Hospiz. Denn das Reh soll den Gästen, wie die Patienten hier genannt werden, schmecken. Essen ist ein wichtiger Faktor im Hospizalltag, wie Leiter Frank Hieret erläuterte. „Wenn gekocht wird, sind die Gäste oft dabei. Selbst wenn manche nicht mehr essen können, nehmen sie die Gerüche wahr, die Geräusche – davon profitieren sie.“
Für Philipp Buchenau war es nicht der erste Kontakt mit der Einrichtung: Bereits vor einem Jahr hatte er im Namen der Jagdgenossenschaft Gelnhausen-Mitte ein Wildschwein gespendet. Damals war er zum ersten Mal im Hospiz. „Ich hatte zuerst ein mulmiges Gefühl“, erinnert er sich. „Nachdem ich die Menschen hier kennengelernt habe – dieses großartige Team, diese hellen und schönen Räume – bin ich mit einem Lächeln hinausgegangen. Das hat mich wirklich überrascht.“
Diese Erfahrung ist keine Seltenheit, weiß Rolf Heggen, Vorsitzender des Förderkreises. „Wir hören das oft. Viele Menschen haben Berührungsängste mit einem Ort, an dem Menschen sterben. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, dieses Thema zu enttabuisieren und auch nach draußen zu gehen, etwa zu Schülern oder anderen Gruppen.“ Besuche im Hospiz seien dafür besonders wichtig. Das Hospiz Kinzigtal wurde vor mehr als acht Jahren eröffnet und verfügt über acht Plätze. Es ermöglicht seinen Gästen, die letzte Lebensphase selbstbestimmt und würdevoll zu gestalten. Die vorherrschenden Emotionen sind Trauer, Angst und Wut – aber auch Humor. „Für Angehörige ist es manchmal gewöhnungsbedürftig, dass hier so viel gelacht wird“, sagt Frank Hieret. „Aber das ist enorm wichtig.“
Denn auch wenn die Gäste schwer krank sind, ist das Hospiz ein Ort des Lebens. Das Team versucht, diesen Lebensabschnitt mit vielen Erlebnissen zu füllen – auch wenn Planung oft nur kurzfristig möglich ist. „Wir hatten einmal eine Adventsfeier geplant. Drei Tage später waren von sieben Gästen nur noch zwei da“, erzählt Hieret. „Wir können tatsächlich nur für wenige Tage planen.“ Dennoch wollen Buchenau und Christ, beide Mitglieder der Wählergemeinschaft Bürger für Gelnhausen, das Grillfest im Hospiz im kommenden Sommer mit Würsten unterstützen. Ganz spontan eben. Für Rainer Christ war es der erste Besuch in den Räumen an der Holzgasse. Er zeigte sich tief beeindruckt: „Alle hier arbeiten äußerst professionell. Dennoch ist diese Tätigkeit kein gewöhnlicher Job.“ Es geht um den Umgang mit Grenzsituationen.“
Pflegedienstleiterin Beate Eberl ergänzt: „Wir begleiten nicht nur unsere Gäste, sondern auch deren Angehörige – manchmal sogar noch intensiver. Es gibt Momente, in denen es keinen Trost gibt. Aber manchmal hilft es, Menschen in den Arm zu nehmen oder gemeinsam zu weinen.“ Wer sich mit der Arbeit im Hospiz befasse, sind die Verantwortlichen überzeugt, gehe bewusster mit dem Leben um. Und das Reh? „Wir werden den Gästen daraus ein schmackhaftes Mahl bereiten“, sagt Eberl. Wenn möglich, soll es gemeinsam mit den Gästen zubereitet werden. Ganz nebenbei konnte sich Rainer Christ bei seinem Besuch auch praktisch einbringen: Als Inhaber einer Firma für Heizungs- und Sanitäranlagenbau reparierte er spontan eine undichte Spüle.
Der Förderkreis des Hospizes zählt mittlerweile alle Kommunen des Main-Kinzig-Kreises zu seinen Mitgliedern, zudem gibt es 19 Zimmerpaten. Eine solche Patenschaft ist ab einer Spende von 1000 Euro jährlich möglich – Geld, das dringend benötigt wird. Zwischen 90.000 und 100.000 Euro muss der Verein jedes Jahr aufbringen, um die Deckungslücke zu schließen. Zudem finanziert er sämtliche Palliativ-Fortbildungen des Teams sowie Angebote wie Musik- oder Hundetherapie. „Wir versuchen auch, besondere letzte Wünsche zu erfüllen“, sagt Eugen Glöckner. Dafür wurde unter anderem ein Kleinbus für Ausflüge angeschafft.
Freuen sich über das gespendete Reh (von links): Beate Ebers, Eugen Glöckner, Frank Hieret, Rainer Christ, Philipp Buchenau und Rolf Heggen auf der Terrasse des Gelnhäuser Hospiz.