Im Prozess am Hanauer Landgericht nach dem Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft in der Schmidtgasse in Gelnhausen sieht sich der vermeintliche Haupttäter einem Komplott seiner Familienangehörigen ausgesetzt.
Im Prozess am Hanauer Landgericht nach dem Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft in der Schmidtgasse in Gelnhausen sieht sich der vermeintliche Haupttäter einem Komplott seiner Familienangehörigen ausgesetzt.
Während sein 17-jähriger Cousin und ein weiterer Angeklagter die Tat bereits gestanden haben, hat sich jetzt erstmals auch der 28-jährige Gelnhäuser geäußert. Seine Botschaft ans Gericht: Er hat mit dem Überfall am 12. Dezember 2012 nichts zu tun.
Vielmehr soll am 29. Dezember 2012 sein Cousin mit einem kleinen Teil der Beute bei ihm in Gelnhausen aufgetaucht sein und ihn gebeten haben, einen weiteren vermeintlichen Mittäter, ein bisher in diesem Verfahren noch nicht gehörter Bulgare, ausfindig zu machen, weil der ihn übers Ohr gehauen habe und mit dem Großteil der Beute verschwunden sei. Bereits zuvor und auch vor allem nach danach sei es zu familiären Streitigkeiten gekommen und die Mutter des 17-Jährigen habe seine Familie bedroht und beleidigt, so der Hauptverdächtige. Dieser will deshalb wiederum damit gedroht haben, den Schmuck zur Polizei zu bringen. Am 24. Februar 2013 landeten diese Streitigkeiten sogar vor dem Amtsgericht Gelnhausen, das Verfahren wegen Nötigung gegen den 28-Jährigen wurde – nach dem dieser sehr impulsiv und lautstark vor Gericht aufgetreten war – eingestellt. Am 13. März stürmte dann ein Sondereinsatzkommando der Polizei die Wohnung des Gelnhäusers und fand Teile der Beute bei ihm. Warum sein Cousin und der zweite geständige Angeklagte ihn fälschlicherweise belasten sollen, konnte er nicht erklären.
Sein Verteidiger Christoph Clanget hat unterdessen mehrere Beweisanträge gestellt, über die das Gericht erst noch entscheiden muss. Zum einen verlangt er, den Bulgaren sowie einen weiteren Gelnhäuser, den sein Mandant nach Erhalt der Beute eben nach dieser Person gefragt haben soll, als Zeugen zu vernehmen. Zusätzlich hat er beantragt, die Mobilfunkdaten des 17-jährigen Angeklagten auszuwerten und so zu klären, ob dieser sich am 29. Dezember 2012 bei seinem Mandanten aufgehalten hat. Und möglicherweise treffen sich auch alle Beteiligten bald in Gelnhausen im besagten Juweliergeschäft in der Schmidtgasse: Verteidiger Clanget will bei einer Ortsbegehung klären lassen, ob die drei Angestellten, die im ersten Stock von zwei Räubern gefesselt wurden, mitbekommen hätten müssen, wenn sich noch ein dritter Täter im Geschäft aufgehalten hätte.
Dem vierten Angeklagten stellte das Gericht unterdessen in Aussicht, dass er nicht wegen Mittäterschaft, sondern nur wegen Beihilfe verurteilt werden könnte. Er ist der Bruder des Hauptverdächtigen und soll nach dem Überfall das Trio abgeholt haben. Auch er schweigt bisher zu den Vorwürfen. Der Prozess wird fortgesetzt.
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