Johann Philipp Reis hätte vermutlich seine wahre Freude: 49 Millionen Festnetzanschlüsse und 105 Mobiltelefone in Deutschland sind die Folge der Erfindung, die der Physiker aus Gelnhausen im 19. Jahrhundert auf den Weg gebracht hat.


Auf seinen Spuren wandern Dr. Bernd Geiser und Dr. Rafael F. Schaefer, die mit dem Preis ausgezeichnet wurden, der den Namen des großen Sohnes der Barbarossastadt trägt.
Die Städte Gelnhausen, in der er 1834 geboren wurde, und Friedrichsdorf, dort starb er 1874, verleihen seit 1987 alle zwei Jahre gemeinsam mit dem Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) sowie der Deutschen Telekom den Johann-Philipp-Reis-Preis. „Wir wollen, dass die Erinnerung an Philipp Reis sowie sein Leben und Wirken in Erinnerung bleibt und an zukünftige Generationen weitergegeben wird“, betonte der Gelnhäuser Bürgermeister Thorsten Stolz, dass diese Auszeichnung in der Fachwelt einen guten Ruf und damit immer noch seine Berechtigung hat.
Und auch diesmal wurden zwei Preisträger ausgewählt, deren Entwicklungen in den nächsten Jahren großen Einfluss auf die Kommunikation haben werden. Dr. Erich Zielinski von der Alcatel-Lucent Stiftung stellte in der Stadthalle Gelnhausen die Arbeit von Dr. Bernd Geiser und Dr. Rafael F. Schaefer vor, die jetzt mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis gewürdigt wurde.
Dr. Bernd Geiser von der Savox Solutions GmbH in Aachen hat sich der Verbesserung der Sprachqualität in der Festnetz und Mobiltelefonie gewidmet und arbeitet an der Bandbreitenerweiterung für die so genannte „HD-Telefonie“. Auch für das Telefonieren übers Internet, neudeutsch „Voice over IP“, entwickelte er eine Methode, um die Sprach- und Audiosignale in einer besseren Qualität zu übertragen. „Seine Arbeit hat eine hohe Praxisrelevanz und bereits große internationale Beachtung gefunden“, lobte Zielinski den 35-Jährigen.
In aller Munde ist derzeit auch das Themenfeld, in dem Dr. Rafael F. Schaefer von der Technischen Universität München ein Experte ist. Um die Kommunikation in drahtlosen Netzwerken abhörsicher zu machen, hat er neue Übertragungsverfahren entwickelt. Und dank seiner speziell entwickelten Sicherheitskriteriums ist auch beweisbar, dass die Nachrichten tatsächlich nicht abhörbar sind. „Ein echter Paradigmenwechsel“, freute sich Laudator Zielinski, dass der 31-Jährige seine Arbeit jetzt auch an einer amerikanischen Universität fortführen kann.
„Wir brauchen nicht nur Querdenker, sondern auch kluge Köpfe“, erklärte Dr. Bruno Jacobfeuerborn von der Deutschen Telekom den Besuchern der Preisverleihung, wie wichtig auch für den großen deutschen Telefon- und Internetanbieter die Förderung von jungen Wissenschaftlern und Ingenieuren ist. „In Zukunft brauchen wir die 20-fachen Kapazitäten beim Mobilfunk und die fünffachen beim Festnetz“, müsse daher in Deutschland alles dafür getan werden, dass der Faktor „Wissen“ als größtes Kapital des Landes gefördert werde. Die Besten sollen daher auch in Zukunft mit dem Johann-Philipp-Reis-Preis ausgezeichnet werden.
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