Vom „guten Geist“ des Heimatmuseums und Urvätern der „Schelme“

Gelnhausen

Wer die Gelnhäuser und ihre Eigenarten, ihre Geschichte und Geschichtchen kennen lernen möchte, dem bietet sich einmal im Jahr beim „Gelnhäuser Nachmittag“ die ideale Gelegenheit dazu.

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Am Sonntag, 27. April, beginnt die Veranstaltung mit reichlich Mundart, Musik und Dichtungen aus Gelnhäuser Federn um 14 Uhr im Kaisersaal des Romanischen Hauses. Dann erfahren die Besucherinnen und Besucher auch von Leben und Werk heimischer Autoren wie Tony Mohren und Luise Druschel.

Luise Druschel zählt zu den Heimatdichtern, die schon sehr früh – vor dem Jahr 1900 – Geschichten niederschrieben und Gedichte verfassten. Das Licht der Welt erblickte sie am 31. Oktober 1869 in Biebergemünd-Roßbach. Ihr Vater war Lehrer und erhielt eine Stelle in Gelnhausen, weshalb die Familie in die heutige Barbarossastadt übersiedelte. Druschel arbeitete später in der „Elektrischen Fabrik“. 1887 zählte sie zu den Gründern des Kirchenchores an der Marienkirche, dem sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1947 angehörte. Luise Drusche galt auch viele Jahre als der „gute Geist“ des Heimatmuseums, damals noch im Romanischen Haus beherbergt. Sie führte die Besucher regelmäßig durch das Museum.

Tony Mohren wurde 1913 im Rheinland geboren. Er wuchs mit sechs Brüdern auf. Seinen Militärdienst leistete er bei der Luftwaffe ab – wegen Widerstands gegen Vorschriften und Vorgesetzte wurde er in eine Strafkompanie versetzt. Nach dem Krieg im Jahr 1945 machte er sich als Gebrauchsgraphiker und Maler selbständig. 1949 zählte er zu den Mitbegründern des Gelnhäuser Geselligkeitsvereins „Die Schelme“.

Beim „Gelnhäuser Nachmittag“ tragen die Akteure Hans-Jörg Neidhardt, Heidrun Kroll, Gerhard Blumenröder und Karl Breidenbach Gedichte und Geschichten von Heiner Heyer, Tony Mohren, Adolf Seibig, Heinrich Kress, Fritz Walther und Luise Druschel vor. Der Volkschor singt – teilweise mit Begleitung des Musikvereins Höchst – Lieder von Hermann Löns und weitere bekannte Volkslieder. Hans-Jörg Neidhardt wird zudem jeweils mit Kurzbiographien Einblicke in Leben und Werk der Heimatdichter und –komponisten gewähren. Und auch die Gelnhäuser Gästeführer machen mit einem historischen Figurenpaar Station im Kaisersaal.

Fester Bestandteil des „Gelnhäuser Nachmittages“ ist mittlerweile auch die Verleihung des Heimatpreises, den der Magistrat seit 2007 an ehrenamtlich tätige Gelnhäuser vergibt, die sich in besonderer Weise um den Erhalt und die Pflege des Geschichts- und Kulturgutes in einem der sechs Stadtteile verdient gemacht haben. „Ihre Arbeit ist besonders wertvoll für Gelnhausen“, betont Bürgermeister Thorsten Stolz, „denn ohne dieses ehrenamtliche Engagement wäre manches Geschichts- und Kulturgut verborgen geblieben“. Der Heimatpreis hat sich mittlerweile als kleine Anerkennung für besondere ehrenamtliche Verdienste in der Heimat-, Geschichts- und Denkmalpflege etabliert. Der Rathauschef hofft auf viele Besucher des „Gelnhäuser Nachmittags“: „Er ist die ideale Veranstaltung, um uns Gelnhäuser auch einmal von unserer traditionellen Seite kennenzulernen und vieles über unsere Stadt zu erfahren, was man bislang vielleicht noch nicht weiß“.

Für das leibliche Wohl beim „Gelnhäuser Nachmittag“ sorgt der Obst- und Gartenbauverein 1874, unter anderem mit Äppler und Gelnhäuser Stangen. Den musikalischen Rahmen setzen der Musikverein Höchst, die Musikschule Main-Kinzig und der Volkschor Gelnhausen.


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