Was für eine phantastische Zahl: 5276 Menschen haben sich heute in Gelnhausen typisieren lassen. Von 8.30 Uhr bis weit nach 20 Uhr war rund um die Beruflichen Schulen in Gelnhausen quasi die Hölle los. Die Menschenmenge stand teilweise fast bis zum Bahnhof hin an. Die Organisatoren der Aktion "Für Martin und andere" waren überwältigt.
Beeindruckend: Die Menschen waren auch am frühen Abend noch fantastisch drauf und nahmen die Wartezeit von bis zu 30 Minuten sehr gerne in Kauf. Horis el Hammamy, der Onkel von Martin Stolle, unterhielt sie dabei prima, indem er auf sehr lustige Weise verkündete, wer für diese Typisierung nicht geeignet war.
Freunde und Angehörige des 18-Jährigen Martin Stolle aus Bad Orb hatten die Typisierungsaktion organisiert. Bis zum 11. November 2011 führte Martin ein ganz normales Leben. Doch an seinem Namenstag änderte sich alles. Zunächst ging Martin von einem heftigen Magen-Darm-Infekt aus, doch als er sich plötzlich nicht mehr bewegen konnte, wurde er mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht und von dort aus sofort mit dem Hubschrauber in die Uniklinik Marburg geflogen. Dort bekamen Martin und seine Eltern die erschütternde Diagnose: Leukämie. „So schnell ändert sich das ganze Leben, man wird plötzlich aus seinem Umfeld gerissen. Man rechnet mit nichts Schlimmen, und dann bekommt man so eine Diagnose“, sagt Martin. Inzwischen steht fest, dass er nur überleben kann, wenn es – irgendwo auf der Welt – einen Menschen mit nahezu den gleichen Gewebemerkmalen im Blut gibt, der zur Stammzellspende bereit ist.
Die Schirmherrschaft der Typisierungsaktion haben die ehemalige Fußballnationalspielerin Sandra Minnert und die Respekt-Initiative übernommen. Minnert ließ sich auch selbst in Gelnhausen typisieren. "Alles, was man im Sport erreicht hat, kann man damit nicht toppen", freute sich die aus Gelnhaar stammende Fußballerin über den großen Zulauf, "ich wollte das schon immer mal machen und mit 39 Jahren wird es jetzt auch höchste Zeit." Zu den Teilnehmern der Typisierungsaktion gehörte auch der Landtagsabgeordnete Daniel Mack (Grüne) aus Bad Orb. "Schön zu sehen, dass die Gesellschaft zusammen hält, wenn es drauf ankommt", sei vor allem dem Organisationsteam ein großer Dank auszusprechen. "Und es war sehr bewegend zu sehen, dass die Person, um die es geht, auch da war", äußerte er großen Respekt vor Martin Stolle. Unbefriedigend findet Mack allerdings, dass die Kosten für die Typisierung nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Auch, dass homosexuelle Menschen nicht teilnehmen dürfen, müsse dringend überdacht werden.
Jeder, der sich als potenzieller Stammzellspender in die DKMS aufnehmen lässt, ist eine weitere Chance für Patienten weltweit und kann vielleicht schon morgen zum Lebensspender werden. Mitmachen kann grundsätzlich jeder zwischen 17 und 55 Jahren, der in guter gesundheitlicher Verfassung ist. Genauso wichtig ist auch die finanzielle Unterstützung der Aktion. Die Registrierung und Typisierung eines Spenders kostet die DKMS 50 Euro. Als gemeinnützige Gesellschaft ist die DKMS bei der Spenderneugewinnung allein auf Geldspenden angewiesen. Um die geplante Aktion überhaupt durchführen zu können, wird finanzielle Hilfe benötigt.
Spendenkonto: VR Bank Main-Kinzig Kontonummer 7385269 BLZ 506 616 39