Es riecht süßlich und rauchig zugleich, nach Zimt, Puderzucker, garem Teig und verbranntem Holz. Und nicht nur der Duft ist angenehm, die Resultate aus dem Ofen schmecken auch noch gut.



Wolfgang Gleißenberg hat den Dreh raus. Teig drauf aufs gut gefettete Waffeleisen, das bereits im dafür vorgesehenen Loch auf der Kochplatte des noch vor 1950 erbauten Holzherdes installiert ist, schnell rumdrehen, bis zehn zählen, wieder rumdrehen und raus damit. Fertig ist die Waffel. Das sieht professionell aus. Gleißenberg lacht. „Wir haben gestern den ganzen Nachmittag geübt. Und wir hatten viel Ausschuss, der nicht zum Verzehr geeignet war. Die Waffeln waren dann auf der einen Seite verbrannt und auf der anderen war der Teig noch roh.“ Am Projekttag klappt aber alles und die Kinder sehen fasziniert zu, wie früher – ohne Strom und Waffeleisen – gebacken wurde. Erzieherin Ruth Gleißenberg und Irene Beck vom Röther Archiv- und Geschichtsverein stellen das leckere Backwerk zum Teil nach einem alten Original-Rezept mit Hefe, wie sie es in eines der 70 bis 80 Jahre alten Waffeleisen eingraviert vorfanden, und „modern“ her. Drei Kilo Mehl und 20 Eier wurden unter anderem verarbeitet. Um den Hunger der insgesamt 21 Mädchen und Jungen im Vorschulalter, die an diesem Morgen in drei Gruppen das Dorfarchiv besuchen, zu stillen, ist aber noch der Einsatz eines modernen, elektrischen Waffeleisens vonnöten. So kann jedes Kind auch einmal den Unterschied zwischen den Zubereitungsarten schmecken. Den nach alter Tradition gebackenen Waffeln haftet eine rauchige Note an und auch die Hefe verleiht ihnen eine besondere Konsistenz und einen etwas anderen Geschmack.
So können die Kinder Geschichte einmal mehr mit allen Sinnen erleben. Kita-Leiterin Simone Kahl und Geschichtsvereinsvorsitzender Erich Hofacker freuen sich über die gute Zusammenarbeit. Das Dorfarchiv wurde im September 2016 eröffnet und liebevoll eingerichtet. Archivdokumente und viele Gegenstände von historischem Wert aus dem Dorf lagern in dem renovierten Sauerhäuschen, benannt nach dem letzten Bewohner. Das Dorfarchiv steht quasi auf dem Gelände des Röther Kindergartens. „Wir wollten das Angebot direkt vor unserer Haustüre nutzen und haben so das Projekt ‚Unser Dorf‘ ins Leben gerufen, das bei den Kindern toll ankommt“, sagt Simone Kahl. Erich Hofacker und Vereinsgeschäftsführerin Lisa Scheuermann freuen sich, dass die Vorschulkinder ihr Dorfarchiv im Rahmen des Projekts nun schon mehrfach besucht und die Schulstube, das historische Schlafzimmer, die Utensilien zum Frisieren und die Exponate aus der Schusterwerkstatt aus Ur-Großmutters Zeiten entdeckt und erlebt haben.
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