Burg oder Corona-Testzentrum?

Roth
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Stille und Distanz – beides kommt in Kindertagesstätten eigentlich nicht vor. Die Corona-Pandemie brachte beides mit – und stellte Eltern, Kinder, Erzieher*innen und Kita-Verwaltungen ab März 2020 vor ungeahnte und vollkommen neue Probleme.

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Wie sind die Beteiligten damit umgegangen? Welche Spuren haben die teils drastischen Einschnitte in den Kita-Alltag bei den Beteiligten hinterlassen? Bürgermeister Daniel Christian Glöckner (FDP) und Heike Schmidt, Abteilungsleiterin Kinderbetreuung, Familie und Seniorenarbeit, spürten in einem offenen Gespräch mit dem Elternbeirat und der Kita-Leitung in Roth den durch die Pandemie aufgeworfenen Problemen und Bewältigungsstrategien nach. Neben Erfahrungsberichten war natürlich auch Kritik willkommen.

Der erste Lockdown schlug im Frühjahr 2020 gleich mit voller Härte zu. „Betretungsverbot“ in den städtischen Kitas. Nur noch Eltern, die in „systemrelevanten Berufen“ arbeiteten, konnten ihre Kinder in die Notbetreuung geben. Anja Quaas, die gemeinsam mit Andrea Hock an der Spitze des Elternbeirats im Kindergarten Roth steht, ist Polizeibeamtin. Ihr Mann auch. Beide wurden vom Land Hessen als „systemrelevant“ eingestuft. Ihr Sohn ging also weiter in die Kita – und war acht Wochen lang das einzige Kind, das dort betreut wurde. Ohne Zweifel gibt es in Roth noch weitere Eltern, die die berufliche Voraussetzung für die Systemrelevanz erfüllen. „Bei vielen sind aber Personen aus dem Familienverbund eingesprungen“, ist sich Kita-Leiterin Simone Kahl sicher. Dafür sei die Verzweiflung bei jenen, die weder in systemrelevanten Berufen arbeiteten, noch im Familienkreis eine Betreuungsperson fanden, groß gewesen. „Die Anfangszeit war wirklich sehr schwierig und emotional belastend, wenngleich es in unserer Einrichtung keine heftigen Beschwerden gab. Wir haben uns über WhatsApp-Gruppen organisiert und ausgetauscht, das hat gut funktioniert. Vieles war eben sehr kurzfristig zu organisieren“, sagt Simone Kahl. Obwohl sie die Notbetreuung nutzen konnte, berichtet Andrea Hock von einem Leben „in ständiger Bereitschaft“. Sie ist in Vollzeit tätig und Mutter einer Tochter und eines Sohnes, der 2020 noch in der Vorschule war.

„Wir haben viele Eltern und Kinder einfach nicht mehr gesehen, das war schlimm für das Team, aber vor allem schlimm für die Kinder. Also war Kreativität gefragt und so sind tolle Aktion entstanden“, bilanziert Simone Kahl. Dabei haben die digitalen Medien geholfen. So wurden beispielsweise Videos mit Grüßen aus den Räumen, mit einem Raupe-Nimmersatt-Theater, Spielen und Liedern verschickt. Auch Bastelanleitungen, Arbeitsblätter für die Vorschulkinder, je 85 Osterhasengeschenke, Muttertagsgeschenke und Vatertagsgeschenke gingen für die Eltern auf die Reise. „Kontaktlos“ funktionierte auch die „Märchenendlosgeschichte“. Dabei waren die Aktivitäten des Kita-Teams für Kinder und Eltern keine Einbahnstraße. Auch die Eltern malten ihrerseits Plakate und pinnten Collagen an die Tür der Betreuungseinrichtung. Und auch an andere wurde gedacht: So bastelten die Vorschulkinder mehrmals fürs Seniorenheim im Coleman-Park, mit dem es seit vielen Jahren ein gemeinsames Projekt gibt, das leider während der Pandemie ruhen musste.

Als die Vorgabe des Landes kam, die Gruppen zu trennen, „war das furchtbar für die Kinder. ‚Blödes Corona‘ haben sie oft gesagt“, berichtet Simone Kahl. Inzwischen haben sich alle irgendwie im Corona-Alltag eingerichtet. „Der erste Gang der Kinder ist morgens in den Waschraum. Viele Kinder sind selbstständiger geworden, weil die Eltern ihre Kinder außen an den Gruppenraumtüren abgeben und nicht mehr mit in die Einrichtung kommen.“ Zum Corona-Alltag erzählte Simone Kahl eine nette Anekdote. Kürzlich hätten Kinder aus Bauklötzen Gebäude errichtet. Als die Erzieherin fragte: „Ist das eine Burg?“ sei die spontane Antwort gewesen: „Nein, das ist ein Corona-Testzentrum“.

Im Gespräch, das bei sonnigem Wetter im Außengelände des Kindergartens Roth stattfand, ließen Anja Quaas, Andrea Hock und Simone Kahl noch einmal eine schwierige Zeit Revue passieren, dabei wurde aber auch gelacht, der Lernprozess abgesteckt und Fehler benannt. Bürgermeister Daniel Chr. Glöckner und Heike Schmidt nahmen Anregungen und Verbesserungsvorschläge auch stellvertretend für die anderen städtischen Kitas gerne auf. „Die Kurzfristigkeit, mit der wir die Entscheidungen der Ministerpräsident*innen-Konferenz ans die Erzieher*innen und Eltern weitergeben mussten, hat alle Beteiligten vor große Herausforderungen gestellt“, resümierte Heike Schmidt. Am „direkten Draht“ wollen alle noch intensiver arbeiten. Auch ein neues Managementsystem für die Gelnhäuser Kitas könnte dabei hilfreich sein. Denn die Pandemie ist noch nicht vorbei.

Foto: Bürgermeister Daniel Chr. Glöckner (von links) im Gespräch mit den Elternbeirätinnen Andrea Hock und Anja Quaas, Kita-Leitung Simone Kahl und Heike Schmidt, Abteilungsleitung Kinderbetreuung der Stadt Gelnhausen.

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