Wenn am kommenden Wochenende die Krotzebojer Giggelnarr´n im Limesforum (Bürgerhaus) mit zwei närrischen Veranstaltungen die tollen Tage einläuten, möchte der Heimat- und Geschichtsverein mit im närrischen Boot sitzen und in der fastnachtlich dekorierten Babbelstubb zu Kaffee und Kuchen einladen.
In diesen Tagen werden sich bestimmt viele ältere Krotzenburger an die gute alte Fastnacht zwischen den Jahren 1950 und 1960 erinnern. Damals war unser Ort eine Narrenhochburg am Main mit einem sehr aktiven Karnevalverein, mit Prunksitzungen in der TV Turnhalle, mit majestätischen Prinzenpaaren und mit prächtigen Umzügen alljährlich am Fastnachtssonntag. Unzählige kostümierte Zuschauer stürzten sich damals ins Gewühl, standen Spalier in den bunt geschmückten Ortsstraßen und jubelten den Tollitäten in den vorbei ziehenden Festwagen zu. Wer gekommen war und sich eine Papierblume für 30 Pfennig als sichtbares Zeichen der " Glotz-Erlaubnis " gekauft hatte, wird es nicht bereut haben.
Zuvor mussten die jeweiligen Bürgermeister die Gemeindeschlüssel bis zum Aschermittwoch in die Hände des regierenden Prinzenpaares legen. Über allem wachte ein karnevalistisches Komitee, an dessen Spitze viele Jahre Adolf Kelm das närrische Zepter schwang. Für die jeweilige Kampagne baten die Prinzenpaare um Unterstützung in ihrem schweren Amt und wünschten für die Dauer der Fastnachtszeit ihrem Narrenvolk Freude, Frohsinn und eine gute Gesundheit. Unter einem kunterbunten Konfettiregen ordneten die regierenden Tollitäten folgende schwerwiegende Gesetze für ihre Untertanen an.
Mit der Schlüsselgewalt am Fastnachtssonntag geht die polizeiliche Gewalt an das närrische Ministerium über Standesamtlichen Angelegenheiten werden nur in dringenden Fällen erledigt. Geburten sind bis Aschermittwoch zurückzustellen. Das Hauptquartier der närrischen Regierung befindet sich in der Josephus-Klause (Gasthaus zum Schlüssel). Wegen des starken Chlorgehaltes ist der Genuss von Leitungswasser bis Aschermittwoch verboten.
Das Taschengeld ist für die Fastnachtstage zu verdoppeln. In der närrischen Residenz regierten zwischen 1950 und 1960 folgende Prinzenpaare mit starker bzw. zarter Hand:
1950 Karl Keller und Hilde Eisert
1951 Adolf Kelm und Helena Appel
1952 Fritz Röttgen und Hildegard Geiger
1953 Karl Eisert und Irmgard Fischer
1954 Fritz Bonewitz und Rosemarie Fischer
1955 Fritz Weising und Ortrud Weiss
1956 Alfred Fischer und Elfriede Kremer
1957 Heiner Dietz und Carola Eisert
1958 Claus Hänsel und Traudel Arendt
1959 Herbert und Marion Usdrowski
1960 Horst und Paula Stephan
Getreu dem Trinkspruch der unvergessenen Karnevalisten von damals "So ist die Fasenacht am Main, erst Krotzeborsch Helau und dann hinein“ wünscht der Heimat-und Geschichtsverein der heutigen Narrenschar tolle Tage und viel Frohsinn. Das Museum ist am kommenden Sonntag von 14-17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.
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