Museum geöffnet: 100 Jahre Frauenarbeit

Großkrotzenburg
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In den neu gestalteten Kellerräumen des Großkrotzenburger Museums würdigt und dokumentiert  der Heimat-und Geschichtsverein das Leben und die Leistungen der Frauen in unserer Region.

Mit der Einrichtung zweier Werkstätten für die Zigarrenfabrikation entwickelte sich um 1900 in unserem Ort ein Berufszweig, der hauptsächlich Frauen und Mädchen kargen Lohn für mühselige Arbeit bot. Die erste Zigarrenmacherei wurde um die Jahrhundertwende von Emanuel Hirschmann in der Lindenstraße, heute Gasthaus " Zur Linde " gegründet und beschäftigte bis 1930 etwa 30 Frauen einschließlich der Heimarbeiterinnen. Zu Beginn des ersten Weltkrieges eröffnete ein Fabrikant aus dem Rheinland mit dem Namen " Witte " eine weitere Produktionsstätte im Saal des Gasthauses " Zur Stadt Hanau " im Oberhaag. Hier fanden ebenfalls 50 Frauen und Mädchen eine Verdienstmöglichkeit.

Keine Familie konnte ausschließlich vom Zigarrenmachen leben. Trotzdem begannen immer mehr Frauen und Mütter im Akkord Zigarren herzustellen. Viele erkrankten an Lungen-und Bronchialleiden, verursacht durch Staub und frei gesetztes Nikotin. Betroffen waren auch die zahlreichen Heimarbeiterinnen, die mit ihren älteren Kindern oftmals bis in die Nacht Zigarren rollten. Der einheimischen Rohtabak, zu 20 Kg schweren Ballen gepresst, kam aus Baden und der Pfalz. Ausländischer Tabak wurde aus Kuba, Brasilien und Mexiko importiert. Die Herstellung einer Zigarre begann mit einem Rohling. Um die angefeuchteten entrippten und fein geschnittenen Tabaksorten wickelte man ein sogenanntes Umblatt und formte es 10 bis 12 Stunden in einer Holzpresse. Die, nun entstandenen Wickel wurden in feines Deckblatt eingerollt, verklebt, sortiert, etikettiert und in Holzkistchen verpackt.

Die Arbeit einer Zigarrenmacherin erforderte Sorgfalt und Geschick, denn nur für einwandfreie Ware mit unbeschädigtem Deckblatt gab es eine Entlohnung. Bei guter Leistung brachte es eine Arbeiterin auf täglich 500 bis 700 Zigarren. Sie verdiente 1914 bei einem 10 Stundentag zwischen 11 und 15 Mark pro Woche. In den Kellerräumen des Großkrotzenburger Museums haben die Mitglieder des Heimat-und Geschichtsvereins den Arbeitsplatz einer Zigarrenmacherin dargestellt. Die Werkstatt ist ein wichtiges Zeitdokument aus dem Frauenleben der letzte 100 Jahre. Das Museum ist am kommenden Sonntag, dem 8. März 2020, bei Kaffee und Kuchen von 14-17 Uhr  geöffnet. Der Eintritt ist frei, gut gemeinte Spenden werden dankbar angenommen.

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