Römerbrunnen lieferte 2000 Jahre Wasser von hoher Qualität

Großkrotzenburg
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Nach der Verlegung der Kanalisation in den 1960er Jahren war der historische Römerbrunnen in der Nebenstraße mehrere Jahrzehnte ausgetrocknet.

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Vor einiger Zeit begann er jedoch wieder zaghaft zu plätschern.

Hinter einem schmiedeeisernen Geländer führen Treppenstufen etwa 2 Meter tief hinab. Aus einer gemauerten Schachtwand plätschert ein dünnes Rinnsal in den Boden.  1998 hat die Preußen Elektra das verrostete Geländer im Kraftwerk Staudinger wieder instand gesetzt für eine Quelle, an der römische Soldaten vor 2000 Jahren ihren Durst stillten, Kaufleute im Mittelalter an einem uralten Handelsweg, dem heutigen Verlauf der Nebenstraße und Hanauer Landstraße, eine Rast einlegte und Großkrotzenburger Hausfrauen Jahrhunderte hindurch ihre Wäsche wuschen. Noch vor dem 1. Weltkrieg stand an dieser Stelle ein Brunnen mit einem Wasserspeicher und einem Bassin aus Sandstein, an dem die Frauen auf zwei großen Steinplatten der "Dauge" ihre Leinentücher schrubbten und anschließend auf den Mainwiesen zum Bleichen auslegten.

Edgar Stephan, Ehrenmitglied im Heimat- und Geschichtsverein hat ein Modell angefertigt, welches den Römerbrunnen in seiner ursprünglichen Form vor der Renovierung zeigt. Es ist im römischen Raum des Museums nach der Umbauphase, in absehbarer Zeit, wieder zu besichtigen. Man wusste um 1900 allerdings noch nicht, dass die Quelle, welche die Dorfbewohner schon seit vielen Jahrhunderten mit frischem Wasser versorgte ein wichtiges Zeitdokument ist. Erst 1917, als der Schacht von Kriegsgefangenen ausgehoben wurde, kam die historische Bedeutung durch Bodenfunde zu Tage.

Über 50 römische Münzen wurden geborgen, vermutlich Opfergaben der Legionäre, welche in den ersten beiden Jahrhunderten im Kastell stationiert waren. Diese Münzen sind die ältesten Dokumente, die auf eine Quelle hindeuten. Ältere Ortsbürger berichteten in Erzählungen davon, dass frisches Römerbrunnenwasser besonders in den heißen Sommermonaten begehrt war, denn die Qualität und der gute Geschmack war bis über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Es soll sogar Großkrotzenburger Mädchen gegeben haben, die ihren Hanauer Dienstherren täglich eine Kanne Römerbrunnenwasser mitbringen mussten. Das Wasser, das heute ab und zu aus dem Schacht rinnt, ist nicht mehr trinkbar. Der Brunnen wurde ein Opfer der Zivilisation, denn vermutlich hat sich die Fließrichtung des Grundwassers durch die Kanalisation verändert.

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